Dänemark will mit Tunnelbau starten / Mitte 2029 soll der Verkehr unter dem Belt rollen

Baubeginn am 1. Januar 2021

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Dänen drücken aufs Tempo: Ab 1. Januar soll der Tunnel gebaut werden.

Fehmarn –mb– Während auf deutscher Seite noch gegen die Baupläne des Fehmarnbelttunnels vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geklagt wird, prescht die dänische Seite voran.

Gestern (24. April) verständigten sich die politischen Parteien des Landes mit breiter Mehrheit darauf, am 1. Januar 2021 mit dem Bau zu beginnen. Dies gab der dänische Transportminister Benny Engelbrecht gestern in Kopenhagen bekannt. Es handele sich um einen Meilenstein in der dänischen Geschichte, sagte Engelbrecht.

Was heißt das konkret? Mit der Entscheidung des dänischen Parlaments werden die Tunnelplaner Femern A/S die Verträge mit dem Baukonsortium Femern Link Contractors (FLC) mit Wirkung zum Jahresbeginn aktivieren. Damit kann unter anderem mit dem Bau der Tunnelelementfabrik in Rødbyhavn sowie den Portal- und Rampenanlagen auf dänischer Seite begonnen werden, erklärte Femern A/S gestern.

Nach Ministeriumsangaben bedeutet der Beschluss, dass die Feste Fehmarnbelt- querung voraussichtlich Mitte 2029 in Betrieb genommen werden kann. Innerhalb von zehn Minuten können Autofahrer von Fehmarn in die dänische Region Lolland-Falster fahren.

Völlig überrascht ob der Nachricht aus dem Nachbarland zeigten sich gestern Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber und Regionalmanager Jürgen Zuch. Es seien noch Gerichtsverfahren anhängig, die über das Vorhaben entscheiden würden, so Weber. Spontan könne er nur mutmaßen. Vielleicht sei es das Ziel der Dänen, bereits „Pflöcke einzuschlagen“ beziehungsweise Tatsachen zu schaffen. „Am Ende gilt deutsches Recht“, so Weber gegenüber dem FT, und auch Zuch meint: „Es gehört auch die andere Seite des Tunnels dazu.“

Das dänische Parlament hatte bereits im April 2015 mit der Verabschiedung des Baugesetzes die Voraussetzung zum Bau auf dänischer Seite geschaffen. Auf deutscher Seite gestaltete sich der Weg deutlich holpriger. Nach einem Antrag auf ein zweites Planänderungsverfahren der Vorhabenträger Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr und Deutsche Bahn Ende 2017 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss für den deutschen Abschnitt am 31. Januar 2019. Gegen den Beschluss waren anschließend acht Klagen in Leipzig eingegangen. Mündlich verhandelt werden soll ab Ende September. Die Stadt Fehmarn ist für den 1. Oktober geladen.

Femern A/S versichert derweil, dass die Aktivierung der Bauverträge „selbstverständlich mit Rücksicht auf das laufende Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht“ geschehe.

Die Beltretter kritisieren in einem Pressestate- ment die Ankündigung des Baubeginns indes deutlich. „Dänemark pfeift offenbar auf deutsche Gerichte. Eine derart arrogante und dreiste Missachtung der deutschen Souveränität und Gerichtsbarkeit ist inakzeptabel“, so Karin Neumann, Sprecherin der Tunnelgegner.

Zuch bleibt hingegen gelassener, jedoch wäre eine kleine Info vorab nicht verkehrt gewesen. Schließlich stehe man miteinander im Dialog. „Dänemark scheint sich sehr sicher zu sein, dass die Prozesse im Sinne des Vorhabens entschieden werden – und bis zum Jahresende in Leipzig alles ausgeklagt ist“, so Jürgen Zuch, der dies mit Blick auf andere deutsche Großprojekte in den vergangenen Jahren stark bezweifele.

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