Gunnar Müller: Sollten uns in Demut und Dankbarkeit üben / Gerste überdurchschnittlich

„Beim Weizen ist alles drin“

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Erntezeit auf Fehmarn: Trockene Tage sind nicht nur wichtig für das Dreschen von Raps und Getreide, sie werden auch benötigt, um das Stroh einlagern zu können.

Fehmarn – Von Andreas Höppner Die Ernte des Weizens, die wichtigste Anbaufrucht auf Fehmarn, hat noch gar nicht begonnen. Der Raps steht auch noch zu fast 100 Prozent auf den Feldern, doch Gunnar Müller, Bezirksvorsitzender des Bauernverbandes, wagt die Prognose von einer „recht vielversprechenden Ernte“.

  • Gerste mit überdurchschnittlichen Ergebnis abgeerntet
  • Zweiwöchiger Vorsprung aufgebraucht
  • Gänse bereiten den Bauern Probleme

Die Gerste ist bereits komplett abgeerntet. Müller spricht von einem überdurchschnittlichen Ergebnis mit „deutlich über 100 Doppelzentner pro Hektar“. Dem stehen „leicht unterdurchschnittliche Preise“ gegenüber. Doch Fehmarns Bauernchef will nicht klagen. Ganz im Gegenteil. „Wir sollten uns in Demut und Dankbarkeit üben, unsere Berufssparte ist von den Auswirkungen der Corona-Pandemie wenig betroffen“, so Müller und lenkt den Blick auf andere Wirtschaftssektoren: „Wir sind mit unseren Gedanken bei anderen Bereichen wie der Gastronomie.“

Bezüglich der aktuellen Erntesituation räumt Fehmarns Bauernchef ein, dass der anfängliche zweiwöchige Vorsprung im Vergleich zu anderen Jahren wieder aufgebraucht sei. Seis drum. Bei der Gerste hätten die zur Verfügung stehenden Dreschtage auf jeden Fall ausgereicht, um das Getreide gut einzubringen. Beim Raps sieht er auch keine größeren Probleme. Erste Bauern hätten zwar mit dem Dreschen begonnen, doch festgestellt, dass es noch etwas zu früh war. Bleibe es zum Wochenende hin trocken, dann sei auch die Rapsernte in „vier bis fünf Tagen gegessen“. Auf den Ertrag sei er gespannt, er gehe aber von einer „leicht entspannten Lage“ und einem „Schritt nach vorne“ aus.

Der Raps hat sich in den letzten Jahren zur Problem-Anbaufrucht entwickelt. Die Pflanzen sind anfälliger gegen Schädlinge geworden, Spitzenerträge wurden bei Weitem nicht mehr erreicht. In diesem Jahr scheint die Streuung zwischen guten und schlechten Schlägen ebenfalls groß zu sein. „Der gute Raps ist besser, der schlechte Raps ist schlechter“, skizziert Müller die Situation. Auffällig sei in diesem Jahr in einigen Schlägen das Auftreten der Wegrauke, ein Unkraut, das den Raps schwarz erscheinen lässt.

„Beim Weizen ist alles drin“, blickt Fehmarns oberster Landwirt vorsichtig optimistisch voraus, zumal es bislang kaum „Lagergetreide“ gebe. Sein Wunsch für die Weizenernte ist eine zweiwöchige trockene Phase, um vielleicht um den 15. August durch zu sein.

Zunahme der Fraßschäden

Ein

Problem

, mit dem die Landwirte praktisch schon das ganze Jahr befasst sind, ist nach Müllers Angaben die Zunahme der

Gänsepopulation

und die damit verbundenen Fraßschäden, den die Bauern zu verzeichnen haben. Früher hätten sich die Gänse in einer 50-Meter-Zone um die Gewässer aufgehalten, heute seien die betroffenen Flächen weitaus größer. Und betroffen „sind alle Kulturen“, hat Müller ausgemacht.

Hier hofft der Bezirksvorsitzende des Bauernverbandes auf gute Gespräche mit allen Beteiligten und einen Ausgleich der Interessen von Landwirtschaft und Naturschutz. Das alleinige Vergrämen der Gänse durch Schussapparate oder Vogelscheuchen würde nicht mehr den gewünschten Erfolg erbringen. „Das ist aus dem Ruder gelaufen“, macht Müller deutlich.

Aktuell liegt sein Fokus aber erst einmal auf dem Wetterbericht – die Ernte benötigt trockene Tage.

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