Dänemarks Befürworter und die neue Ministerin gehen von 7 000 bis 9 000 Arbeitsplätzen aus

Die Beltbrücke als Jobmotor ?

Ministerin Carina Christensen, Svend Erik Hovmand und Dietrich Austermann (r.) warben für die Beltbrücke.

Von Patrick Rahlf RØDBY • „7 000 Arbeitsplätze in sieben Jahren“ würden laut Svend Erik Hovmand, dem Vorsitzenden der Stiftung Femern Bælt Forum, entstehen.

Mit diesem Statement versuchte er gleich in seiner Einleitungsrede der dänisch-deutschen Konferenz im Ferienpark Lalandia in Rødbyhavn, allen Gegnern der Festen Fehmarnbelt-Querung den Wind aus den Segeln zu nehmen. Regelrecht zu überbieten schienen sich die Befürworter und priesen allesamt die Vorteile, die der Brückenbau mit sich bringen würde.

„Der letzte Schritt ist die Verknüpfung von Dänemark und Deutschland“, so Hovmand weiter, der die Brücke über den Großen Belt und die Øresundbrücke als schon lange bewährte Vorläufermodelle ansieht. Neben den wirtschaftlichen Vorteilen, die er im Brückenbau sieht, steht bei vielen Dänen auch der symbolische Charakter einer Brücke hoch im Kurs. Die Forderung nach einem Zusammenwachsen und einer regelrechten Verschmelzung der Fehmarnbelt-Region wurde auf der Konferenz mehrfach betont. Stolz ging Jan Hendeliowitz, Regionsdirektor von Hovedstaden und Sjælland, auf die aktuelle wirtschaftliche Situation in Dänemark ein. Im Vordergrund stand dabei die sehr geringe Arbeitslosenquote von 2,4 Prozent bei den Erwerbsfähigen. „Es gibt einen Arbeitskräftemangel. Den Firmen fehlen rund 60 000 Arbeitskräfte, so dass es auf jeden Fall vielfältige Möglichkeiten für deutsche Arbeiter gibt“, erklärte der Regionsdirektor weiter. Ein gefestigtes Zusammenwachsen der Menschen in der Fehmarnbelt-Region sei nur durch eine Brücke zwischen den beiden Nachbarländern zu erreichen. In diesem Punkt waren sich alle Referenten einig. So auch Landrat Reinhard Sager, der das deutsch-dänische Verhältnis und die derzeitige Konstellation auf dem Arbeitsmarkt als eine „win-win-Situation“ für beide Seiten ansieht. Carina Christensen, aktuelle dänische Verkehrsministerin, sprach gar von der Entstehung eines der bedeutsamsten Verkehrskorridore in Nordeuropa. Sie betonte aber gleichzeitig auch, dass es mit dem alleinigen Brückenbau nicht getan sei. Das Hinterland müsse an die neuen Verhältnisse angepasst werden. Ein Ausbau des Eisenbahnnetzwerkes sei ebenso unverzichtbar wie eine Autobahnanbindung, die dicht an Fehmarn grenze. Einmal mehr verursachten die Argumente der Befürworter, die die langen Wartezeiten auf den Fähren kritisierten, bei den Brückenbau-Gegnern nur schmunzelndes Kopfschütteln. „Autofahrer sparen viele Stunden an Wartezeit“, so Christiansen. „Neben dem immensen umweltpolitischen Gewinn wird auch die lokale und regionale Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Auf Fähren ist man dann nicht mehr angewiesen“.

Ministerin • Christensen ging • in die Offensive

Christensen sprach sogar von bis zu 9 000 Arbeitsplätzen, die der Brückenbau nach sich ziehen würde. Auf welcher Seite der Brücke die neuen Arbeitsplätze jedoch entstehen würden und wie kurzweilig diese seien, darauf ging die junge Ministerin nicht ein. Kritische Äußerungen über die erstellten Verkehrs- und Bauprognosen wies sie zurück und betonte dabei, dass die Verkehrshochrechnungen nur sehr vorsichtig angesetzt worden seien. „Das Projekt wird von einer soliden wirtschaftlichen Grundlage getragen, wobei die Kritiker nicht die Chancen des Arbeitsmarktes sehen wollen“, erklärte Christensen zielstrebig.

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