Tunnelgegner erheben Vorwürfe gegen Tunnelplaner / Politik kritisiert gekaufte Komparsen

Beltretter blasen zum Angriff

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Inszenierung am Südstrand: Der dritte und letzte Teil der Beltretter-Aktion fand am Sonnabend am Südstrand statt. Reichlich Kritik, aber auch Aufmerksamkeit, wurde den Tunnelgegnern zuteil.

Fehmarn –mb– PR-Clou oder PR-Panne? Für eine groß angelegte Inszenierung über die Folgen des Baus der Festen Beltquerung in Leipzig, Kiel und in Burgtiefe müssen die Beltretter nun ordentlich Schelte einstecken. An drei Tagen hatten die Gegner der Festen Fehmarnbeltquerung eine „künstlerische Straßen- und Strand-Inszenierung“ angekündigt (wir berichteten), dabei aber vergessen, zu erwähnen, dass gekaufte Komparsen das Gros der mit Schlamm beschmierten Aktivisten bildeten.

So ist die Aktion zwar in aller Munde, nur der eigentliche Inhalt, die Bedrohung der Umwelt durch das Megaprojekt, scheint in den Hintergrund zu rücken. Das sieht auch Beltretter-Sprecher Florian Bumm so: „Das sind Nebelkerzen, um von den Mängeln der Planungsunterlagen abzulenken.“ Für Beltretterin Karin Neumann ein gezieltes Manöver. Sie spricht davon, dass die Presseabteilung des Tunnelplaners Femern A/S „im Hintergrund gezielt Journalisten anstacheln würde“, gegen die Beltretter und ihre Kommunikationsmittel zu recherchieren.

Zeigte der Bauherr des Fehmarnbelttunnels mit dem Finger auf die Tunnelgegner, so teilen genau die nun ordentlich aus. „Offenbar nervt es Femern A/S, dass wir uns – wie die Tunnelbaufirma auch – der Methoden moderner Kommunikation bedienen und eben nicht so nüchtern kommunizieren wie übliche Bürgerinitiativen“, so Bumm. Man nutze Social Media, Influencer-Kooperationen, Content-Marketing – nur mit viel kleinerem Budget als Femern A/S, führt Bumm weiter aus. Es seien die Tunnelplaner selbst, die Models als Projekt-Fürsprecher einkaufen, Anzeigen schalten, Hochglanzbroschüren drucken, Veranstaltungen sponsern und Politikerrunden veranstalten würden, heißt es von den Beltrettern, die deshalb die Offenlegung des Kommunikationsbudgets und der Lobbying-Maßnahmen gegenüber Politikern fordern.

Konkret behaupten die Anti-Tunnel-Aktivisten, dass mindestens einer Lobbying-Agentur in Deutschland Geld überwiesen worden sei, um auf Politiker in Ostholstein, Kiel und Berlin einzuwirken. Beltretter-Sprecherin Karin Neumann geht sogar noch einen Schritt weiter. „Uns würde es nicht wundern, wenn die dänische Staatsfirma Femern A/S sogar Steuergelder verwendet, um in Dänemark selbst auf Politiker einzuwirken“, spekuliert die Fehmaranerin.

Peer Knöfler: die Realität akzeptieren

Peer Knöfler, CDU-Landtagsabgeordneter

Peer Knöfler, CDU-Landtagsabgeordneter aus dem Norden Ostholsteins, kann der jüngsten Aktion der Beltretter nicht viel Gutes abgewinnen. Damit greift Knöfler den Tenor weiterer Kollegen von CDU, SPD und FDP in Kiel auf. Die sprachen von einer Täuschung der Öffentlichkeit, einem faden Beigeschmack und dem Missbrauch des Demonstrationsrechts. Natürlich könne jeder sein Recht auf Demonstrationsfreiheit wahrnehmen, aber „fragwürdig erscheint es mir, dass lediglich neun Demonstranten neben 30 bis 50 bezahlten Darstellern vor Ort waren“, so Knöfler, der sich fragt: „Wo sind die so zahlreichen Unterstützer?“ Für ihn hätten solche Aktionen nichts mit einer Demonstration gemein. Knöfler spricht von einem „Straßentheater“.

Der Landtagsabgeordnete aus Großenbrode ruft derweil dazu auf, „die Realität zu akzeptieren“ und möglichst alles daranzusetzen, dass gerade der am stärksten betroffene Nordkreis seine Lebensqualität auch mit dem Tunnel erhalten könne. Für ihn der einzig sinnvolle Weg, steht für Knöfler doch fest: „Die Feste Fehmarnbeltquerung kommt.“

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