Kulturtreff will ehemalige Schule zu einem Haus der Kultur machen / Infoveranstaltung am 29. September

Bereit für neue Geschichten

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Die ehemalige Grundschule in Petersdorf soll ein Haus der Kultur werden – für alle Fehmaraner.

FEHMARN -mb- Am 9. August hatte der Verein Kulturtreff Fehmarn zu einer Informationsveranstaltung in die ehemalige Grundschule in Petersdorf eingeladen. Aber nur wenige Interessierte folgten dem Aufruf, größtenteils auch nur jene, die das Haus ohnenhin bereits intensiv nutzen. Entsprechend missmutig begannen die Gespräche, bevor Chancen und Vorteile der kulturellen Einrichtung zunehmend für Optimismus sorgten. Dennoch schwanken die Engagierten immer noch zwischen Aufbruchsstimmung und Resignation. Mann der ersten Stunde ist Kolja Winkler, 2. Vorsitzender des Vereins. Er tendiert klar in Richtung Aufbruch. „Es ist eine wichtige Sache für Westfehmarn und im Kern die Idee einer zweiten Zentralisierung im ländlichen Raum.“

Dabei will Winkler nicht missverstanden werden: „Wir sehen den Ansatz nicht als Konkurrenz oder Ausgrenzung, sondern als Ausgleich zur Konzentration in Burg.“ Auch für den Tourismus sei dies eine Bereicherung, meint der 2. Vorsitzende.

„Weg nach Petersdorf ein gefühlter Katzensprung“

Claudia Czellnik von „FehmarnKultur“, einer Gemeinschaft Kunstschaffender auf Fehmarn, zeigte sich von der spärlichen Resonanz der ersten Infoveranstaltung etwas enttäuscht und sieht zwei mögliche Gründe. „Entweder fühlen sich die Bürger hier nicht zuständig oder die Phase der Unsicherheit, ob der Verein das Haus von der Stadt übernimmt, hat sie vom Glauben abkommen lassen.“ Auch die Tatsache, dass sich viele Veranstaltungen im zentraler gelegenen Burg abspielen, könne man als Grund anführen. „Wir müssen es mit einem umwerfenden Angebot schaffen, dass der Weg nach Petersdorf ein gefühlter Katzensprung ist“, so Czellnik.

Auch wenn es mehr sein könnte, das Haus ist auch zurzeit belebt. Die DRK-Theatergruppen proben für ihre Auftritte, die plattdeutsche Sprache wird gepflegt, gesellige Runden beim Bingo oder Entspannung beim Yoga stehen auf dem Plan, das Therapeutikum Westfehmarn ist im Haus, und die DRK-Blutspendeaktionen finden sich jährlich im Kalender.

Auch große Veranstaltungen wie „BæltKunst2“ von „FehmarnKultur“ und unzählige Kinderfeste sowie Firmenjubiläen haben die traditionsreichen Mauern erlebt. Und auch aktuell tut sich etwas: Eine Skatgruppe, die sich erst in dieser Woche gegründet hat, traf sich am Dienstag erstmals in der ehemaligen Schule. Winkler fällt spontan das Angebot eines Töpferkurses ein. „Der Ofen steht zur Verfügung.“ Auch eine 5000-Euro-Spende für den Durchbruch zweier Klassenräume als Saal für größere Veranstaltungen stehe bereit.

So wollen Czellnik und Winkler nicht klein beigeben, würde doch die Aussicht auf Konzerte, Lesungen, Workshops, Seminare, Kurse, private Feiern, politische Veranstaltungen und das Stattfinden eines Trauercafés sowie die Nutzung für Kinder und Jugendliche eine deutliche Sprache sprechen.

„2015 wurden voller Tatendrang gemeinschaftlich die Räume renoviert, und es zog wieder Leben in dieses geschichtsträchtige Haus ein“, so Czellnik. Dieser Spirit soll wieder aufleben – ein Kulturtreff, der bereit ist, in diesem altehrwürdigen Gebäude von 1879 neue Geschichten zu schreiben, für alle Fehmaraner.

Wie ist der aktuelle Stand: Der Pachtvertrag wird bei der Stadt momentan erstellt. „Benjamin May aus dem Fachbereich Finanzen wartet auf unsere Rückmeldung“, sagt Winkler, der auch deutlich macht, dass man zunächst den Zug ins Laufen kriegen müsse. Viel hängt von den zwei Wohnungen (je 100 m²) ab, für die es bereits Interessenten gibt und die zum Ende des Jahres in die Vermietung gehen sollen.

„Wir haben die Sanierung bereits an das Architekturbüro Binding in Auftrag gegeben“, erklärt Winkler weiter. Dafür müsse man als Verein mit einem Kredit von circa 45000 Euro in Vorleistung gehen, der auf die Wohnungen angelegt sei. Falls etwas schieflaufen würde und es zur Auflösung des Pachtvertrages käme, so Winkler, würde die Stadt die Summe an den Verein rückvergüten und das durch die Maßnahme aufgewertete Gebäude wieder übernehmen

Einen wichtigen Aspekt zum Verein will dessen 2. Vorsitzender abschließend nicht unerwähnt lassen: „Ich sage immer, der Verein stellt die Räume zur Verfügung.“ Das heißt: Die Veranstaltungen organisieren die Interessenten selbst. „Wir machen lediglich die Räume schicker, sodass sich möglichst viele Menschen vorstellen können, an diesem Ort etwas zu organisieren.“

Am 29. September (Sonnabend) um 15 Uhr soll nun der nächste Schritt für ein offenes Kulturhaus auf Fehmarn getan werden. Unter dem Motto „Es ist soweit – jetzt fällt die Entscheidung“ hofft der Kulturtreff auf möglichst viele Interessierte, die das Vorhaben in irgendeiner Form unterstützen wollen.

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