Olympische Jugendspiele in Buenos Aires: 17-jähriger Fehmaraner Nick Schmahl springt auf Platz fünf

Bester Europäer in Südamerika

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Nick Schmahl mit seinen stolzen Eltern Marion und Andre Schmahl vor dem Maskottchen der Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires: #Pandi.

BUENOS AIRES - Von Marcus Christoph - Am Ende ballte Nick Schmahl die Faust zum Jubel. Im allerletzten Sprung bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires erzielte der Weitspringer aus Todendorf am Montag mit 7,27 Metern seine beste Weite und kletterte so im Gesamtklassement noch auf einen starken fünften Rang. Bis dahin hatte er in einem Feld von ursprünglich 16 Startern auf dem achten Platz rangiert.

Eine sensationelle Leistung des 17-jährigen Athleten vom TSV Heiligenhafen, der somit auch seinen eigenen ehrgeizigen Ansprüchen gerecht wurde: „Ziel war auf jeden Fall schon, unter die ersten Fünf zu kommen. Ich bin sehr zufrieden, dass ich das geschafft habe“, äußerte sich Nick direkt nach dem Springen gegenüber der Heimatzeitung. Der amtierende U-18-Europameister ist als bester Europäer unter den besten Nachwuchsweitspringern der Welt.

Dabei musste der Fehmaraner während des Turniers eine echte Durststrecke überstehen. Schon den ersten Wettkampftag hatte er mit drei Fehlversuchen beendet (wir berichteten) – und genauso ging es zunächst auch im zweiten und entscheidenden Durchgang weiter. Wieder fand Nick den Absprung nicht richtig. Einmal mehr schnellte die rote Fahne des Kampfrichters in die Höhe. So durfte es doch nicht weitergehen.

„Das hat mich schon zum Grübeln gebracht“, beschreibt Nick seinen Gemütszustand, der zu diesem Zeitpunkt so gar nicht zu dem sommerlich heiteren Wetter im Leichtathletik-Stadion des Olympia-Geländes passen wollte.

Doch der Insulaner, der sich nach dem durchwachsenen ersten Turniertag vorgenommen hatte, „einfach noch mal zu zeigen“, was in ihm steckt, fand nach den wettkampftagsübergreifend vier Fehlversuchen wieder in das Turnier zurück: Zunächst mit einem Sprung über 7,03 Meter. Dadurch stellte er schon einmal sicher, dass er einen zweiten Sprung in die Wertung einbringen würde. Denn der Wettbewerbsmodus sieht vor, dass bei den Startern die jeweils besten Weiten der beiden Wettkampftage addiert werden.

Vor allem aber wichen Verunsicherung und Nervosität zugunsten von Sicherheit und Selbstbewusstsein: „Mit den Sprüngen, die dann kamen, wurde ich immer motivierter, und es wurde immer besser.“ Der dritte Versuch wies eine Weite von 7,04 Metern aus, ehe die eingangs geschilderte Steigerung um 23 weitere Zentimeter folgte. So hätte der Wettbewerb eigentlich ruhig noch ein wenig länger gehen können, scherzte Nick angesichts des Aufwärtstrends zum Turnierende hin.

Das Gesamtklassement weist für Nick einen Wert von 14,40 Metern aus, der sich aus dem Bestwert vom Freitag (7,13 Meter) und den 7,27 Metern am Montag zusammensetzt. Die Leistung ist noch einmal höher zu bewerten, da er in den zurückliegenden Tagen gesundheitlich angeschlagen war.

Dem Fehmaraner kam aber auch entgegen, dass mit dem US-Amerikaner Malcom Clemons ein Starter beim zweiten Durchgang nicht antrat, der am ersten Tag noch Fünfter war. Zudem unterliefen dem Südafrikaner Jason Donavan Tito, der am Freitag auf dem dritten Platz rangierte, am Montag gleich vier Fehlversuche, sodass er ans Ende der Rangliste zurückfiel.

An der Spitze lieferten sich der Kubaner Lester Alcides Lescay Gay und der Australier Joshua Cowley ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende machte ein einziger Zentimeter den Unterschied. Der Springer von der Zuckerinsel brachte es insgesamt auf 15,54 Meter (7,65 und 7,89) und sicherte sich die Goldmedaille. Der Kontrahent aus „Down Under“ erzielte 15,53 Meter (7,71 und 7,82) und musste mit Silber vorliebnehmen. Bronze ging an den Japaner Koki Wada (15,12 / 7,46 / 7,66). Auf Platz vier folgte Adrian Henrique Vieira aus Brasilien (14,94 / 7,44 / 7,50).

Nach Tagen höchster Konzentration und Anstrengung will Nick nach dem Wettkampfstress erst einmal eine kleine Verschnaufpause einlegen: „Jetzt ruhe ich mich erst mal ein bisschen aus.“ Auf dem Programm stehen noch eine Tour für die Sportler durch Buenos Aires sowie die feierliche Abschlusszeremonie am morgigen Donnerstag im olympischen Dorf, auf die Nick sich angesichts der sehr eindrucksvollen Eröffnungsfeier vor elf Tagen im Zentrum der argentinischen Hauptstadt freut. Das abendliche Spektakel auf der Avenida 9 de Julio hatte es dem Fehmaraner besonders angetan: „Das war eine coole Show. Das bleibt echt im Kopf.“ Rund 200000 Menschen sahen die spektakulären Artistik-Einlagen der Theatergruppe Fuerza Bruta am Obelisken, dem Wahrzeichen der Stadt, die sich mit grandiosen Lichteffekten und Feuerwerken abwechselten.

Aber auch die Stimmung auf den Sportanlagen und das internationale Flair, das die über 4000 jungen Sportler aus 206 Ländern verbreiteten, haben Eindruck auf Nick gemacht: „Das ist schon etwas Besonderes.“ Und es macht Lust auf mehr. Denn einen großen Traum hat der Insulaner schon: Die Teilnahme an den olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Eine schöne Perspektive.

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