VHS und SHUG mit vollem Programm – Zum Auftakt: Namensforschung mit Kieler Professor

Die Bildungssaison ist eröffnet

Nach den Herbstferien starten VHS und SHUG ihr Wintersemester. Die Vorsitzenden Werner Zeiss und Günther Schmoranzer, hier mit dem ersten Referenten der Bildungssaison, Professor Hubertus Menke.

BURG (aw) • Schade, dass dieser hoch interessante Abend nur ein kleines Publikum lockte, schließlich ging es um die Eröffnung des Herbst- / Winter-Semesters von Volkshochschule und Universitätsgesellschaft und – damit verbunden – um einen ganz besonders ansprechenden Vortrag über die Einführung in die bunte Welt der Familiennamen, für den die SHUG (Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft) Professor Dr.

Hubertus Menke von der Kieler Christian-Albrechts-Universität eingeladen hatte.

Werner Zeiss als Vorsitzender der SHUG und Günther Schmoranzer von der VHS gaben Einblick in die vielfältigen Bildungs- und Lernprogramme, mit denen die Fehmaraner über das Winterhalbjahr ihr Wissen bereichern können. Dass die Insulaner bildungsfreudig sind, dafür sprechen Zahlen. Zwanzig Prozent Steigerung bei Kursen, Dozenten und Teilnehmern verzeichnet die VHS, die allein fünf Sprachkurse anbietet.

„Krankheiten wie Anglizismen“

Um ein Thema, das jeden interessiert, weil niemand namenlos ist, ging es in dem Vortrag von Professor Menke: Guten Tag, Herr Butterbrot. Der Namensforschung auf der Spur, das ist eine höchst interessante Wanderung zurück in vergangene Jahrhunderte. Der Name ist das Individuellste, Unverwechselbarste, das der Mensch ein Leben lang mit sich trägt.

Welche Verantwortung der Eltern, wenn sie ihren Kindern Namen geben, möglicherweise einem norddeutschen Erdenbürger den eines Indianerstammes, gab der Referent zu bedenken, der sich überhaupt kritisch mit mancher „Krankheit“ ausein-andersetzte, die sich in unsere moderne Sprache einschleicht, von den Anglizismen bis hin zur modernen Rechtschreibreform. Professor Menke: „Wenn die Einstellung zu unserer Sprache, wie sie heute erkennbar ist, anhält, wird am Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr viel übrig sein; es ist geradezu jämmerlich, wie man diese Sprache schlichtweg vernachlässigt.“ Das Phänomen der Banalisierung der Sprache sei im Vergleich zu unseren Nachbarstaaten hierzulande besonders auffällig, sparte der Kieler Philologe vom Germanistischen Seminar der Kieler Uni nicht mit Kritik.

„Wackernagel“ und die Erotik

Ausgehend von der Einnamigkeit vor dem 12. Jahrhundert, schlug der Referent einen Bogen um die fünf Prinzipien, nach denen die Namen einst gebildet wurden. Zum einen durch die Benennung nach Vater oder Mutter, nach Herkunft und Wohnstätte. Der Begriff vom Übernamen vervollständigt die Reihe.

Auf den Spuren der Namensentstehung zu wandeln, das ist spannend und lehrreich und weckt Forschungsdrang. So stieg denn auch das aufgeschlossene Publikum Donnerstagabend im Senator-Thomsen-Haus ein und bat den Professor um Deutung des einen und anderen Familiennamens. Überraschung und verwundertes Schmunzeln, was da gedeutet wurde. Und manch einer mag dem Schicksal still gedankt haben, dass er nicht Wackernagel heißt oder Hahn, denn der Erstgenannte hat sich den Namen auf erotischem Wege verdient, während der Zweite schlicht und ergreifend hinnehmen musste, dass er als Angeber und Streitsüchtiger galt, als sein Name ihm auf den Leib geschrieben wurde.

„Wir erfassen mit dem Namen ein ungemein konstantes Sprachmaterial“, konstatierte der Kieler Professor nach seinem historischen Ausflug durch die deutschen Lande, auf der Suche nach den Namen und ihrer Bedeutung, „es wird noch existieren, wenn unsere Sprache längst nicht mehr vorhanden ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.