Kurabgabe bisher nur vier Prozent unter Vorjahresniveau / TSF braucht Nachtragshaushalt

Mit blauem Auge durch die Krise

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Rund 14400 Euro Kurabgabe habe der Tourismus-Service Fehmarn 2019 in Orth eingenommen, antwortete Tourismuschef Oliver Behncke auf eine Einwohnerfrage. Die Mittel würden in Orth wieder Verwendung finden, so Behncke.

Fehmarn –mb– Mit einem blauen Auge sei man bisher durch die Coronakrise gekommen, resümierte Fehmarns Tourismusdirektor Oliver Behncke am Dienstagabend, als es im Tourismusausschuss um die nackten Zahlen für das laufende Jahr ging. In Anbetracht der Umstände konnte Behncke durchaus Erfreuliches über die Kurabgabe von Januar bis Anfang September verkünden. Die liegt nämlich mit knapp 2,4 Millionen Euro nur vier Prozent unter dem Wert von 2019.

  • Fehmarn holt bei Übernachtungszahlen auf
  • Ausschuss beschließt einstimmig Nachtragshaushalt
  • Platznot im TSF-Veranstaltungsraum
„Wir sind ordentlich am Aufholen.“ Zu den Gäste- und Übernachtungszahlen konnte der oberste Touristiker der Insel noch nichts sagen, aber die müssten sich eigentlich analog zur Kurabgabe entwickeln, so Behncke und erinnerte zugleich an die Vorsaison mit einem Verlust von rund 50000 Gästen und 250000 Übernachtungen. „Wir hoffen, dass wir das bis zum Ende des Jahres aufholen können.“

Zwar reduzierte der TSF seine Aufwendungen um 400000 Euro auf 4,6 Millionen Euro, was Behncke als „Beitrag zur Konsolidierung“ des städtischen Haushaltes bezeichnete. Nichtsdestotrotz schloss sich auf der Tagesordnung nahtlos ein Nachtragshaushalt für den TSF an, den der Ausschuss einstimmig bejahte.

Einerseits hatte der TSF alle Investitionen (1,6 Millionen Euro) gestrichen, die nicht benötigt oder vertraglich bereits festgesetzt waren. Die für 2020 im Haushalt bereitgestellten Kreditmittel von 1.35 Millionen Euro werden daher nicht benötigt. Andererseits: Statt des angenommenen Jahresfehlbetrages von 384500 Euro rechnet der TSF nun mit einem Minus von 503700 Euro. Man habe versucht, erläuterte Behncke, es so zu rechnen, dass kein Nachtragshaushalt nötig sei. Aber unter anderem die pandemiebedingt eingeschränkte Wirtschaftlichkeit des „FehMare“ sorge für einen höheren Zuschussbedarf, so der Tourismuschef. Statt zeitgleich 1200 sind aktuell nur maximal 300 Besucher erlaubt.

WUW zieht „FehMare“-Antrag zurück

Gegenwind bekam passend zum Thema der Antrag der WUW-Fraktion auf Prüfung der Rentabilität des „FehMare“. Zuerst hatte die Fraktion bei fehlender Rentabilität die Schließung des Hauses zum Ende des Monats ins Spiel gebracht, dies aber in einem überarbeiteten Antrag auf das Spaßbad begrenzt. „Wir können das Wellenbad solo betreiben“, sagte Gunnar Mehnert (WUW) – nämlich für Schule, Vereinssport und

DLRG sowie alle Einheimischen. „Wenn es die Kapazitäten zulassen, auch für die touristische Nutzung“, schob Mehnert hinterher.

Oliver Behnckes Touristikerherz pochte ordentlich. „Wenn wir jetzt mit einer Zweiklassengesellschaft aus Einheimischen und Touristen anfangen, dann muss ich widersprechen. Das ist mein Job.“ Viele Partner habe der TSF – Vermieter die bezahlen würden, damit Gäste kostenlos ins Bad können. Allein die IFA, eine große Kundin des „FehMare“, habe im Juli 45000 und im August 47000 Euro an Kurabgabe eingezogen (2019 gesamt: 248000 Euro), gab Behncke zu bedenken. Zudem werde der Verlust des „FehMare“ zu 90 Prozent aus Mitteln der Kurabgabe finanziert, erinnerte er, was bei einer Schließung zu einer Anpassung der Kurabgabe führen müsste, da dies zu einer deutlichen Einschränkung des touristischen Angebotes führe. „Und das in einer beginnenden Jahreszeit, in der das Bad wieder verstärkt genutzt wird.“

„Sie wollen Dinge prüfen, die uns bekannt sind“

Marret Muhl (CDU), Mitglied im „FehMare“-Aufsichtsrat: „Wir hatten uns im Juni bewusst für die Öffnung entschieden – für Einheimische und Touristen und auch die Angestellten, damit sie wieder normal in Lohn und Brot kommen.“

Letztere hatte auch SPD-Fraktionschef Heinz Jürgen Fendt ins Auge gefasst, als er eine Stellungnahme seiner Fraktion zum Antrag verlas, die dem Protokoll der Sitzung angefügt werden soll. „28 Mitarbeiter hat das ‚FehMare‘. Sollen die Menschen entlassen werden?“, fragte Fendt und berichtete davon, dass bereits eine Person aus Angst vor der Schließung gekündigt habe – zwei weitere Mitarbeiter würden darüber nachdenken.

DieWUW hätte zu jeder Zeit bei der Geschäftsführung des „FehMare“ oder dem Aufsichtsrat Informationen einholen können, so Fendt, der beanstandete: „Sie wollen Dinge prüfen, die uns längst bekannt sind.“ Seit der Eröffnung wisse man, dass das Bad keine schwarze Null schreibe.

Gunnar Mehnert reagierte kurz und knapp: „Wir ziehen den Antrag zurück.“

Nur fünf Plätze für Einwohner vorgesehen

Eher suboptimal: Nur fünf Einwohner konnten direkt an der Sitzung teilnehmen – der Rest musste draußen über die offene Hintertür die Ohren spitzen.

Für Verärgerung sorgte die coronabedingte Platznot im TSF-Veranstaltungsraum. „Wir müssen die Corona-Regeln einhalten, und die Örtlichkeiten auf der Insel sind begrenzt“, sagte der Ausschussvorsitzende Raphael Ackermann (CDU). Der stellvertretende Tourismusdirektor Volker Aermes verwies darauf, dass es im Vorwege möglich gewesen sei, Fragen schriftlich einzureichen, wovon Einwohner auf Gebrauch gemacht hätten. Im Sitzungsraum durften nur fünf Einwohner Platz nehmen. Ein Großteil der Interessierten konnte dem Geschehen über die offene Tür bestenfalls bruchstückhaft folgen. Fragen in der Einwohnerfragestunde durften sie nicht stellen. „Die Einwohnerfragestunde fand damit quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt“, kritisierte Heinz Lange gestern gegenüber dem FT. Er hoffe darauf, dass das große Interesse der Bürger beim nächsten Mal mehr Berücksichtigung finden werde.

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