Ab heute werden die sieben Klagen gegen den Fehmarnbelttunnel verhandelt

Den Blick nach Leipzig gerichtet

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Aus der Vogelsperspektive lässt sich die Dimension des neuen Arbeitshafens vor der Küste Lollands bereits erahnen

Fehmarn –hö– Ab heute sind die Augen der Befürworter sowie der Gegner einer Festen Fehmarnbeltquerung nach Leipzig gerichtet, wenn vor dem in der Kongresshalle am Zoo tagenden Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) die sieben Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den deutschen Teil des Fehmarnbelttunnels verhandelt werden.

  • Sieben Klagen anhängig
  • In Dänemark wird bereits gebaut
  • NABU kritisiert Mängel im Planfeststellungsbescheid

Während das europäische Infrastrukturprojekt auf deutscher Seite vor allem auf Fehmarn und entlang der geplanten Schienentrasse von vielen durchaus kritisch gesehen wird, ist der Daumen auf dänischer Seite schon seit Jahren in die Höhe gereckt. Für den dänischen Teil des Tunnels liegt seit 2015 die per Baugesetz erteilte Baugenehmigung vor.

So wird auf der anderen Seite des Fehmarnbelts bereits nach Kräften gebaut. Es handelt sich hierbei um sogenannte vorbereitende Maßnahmen, um 2021 endlich so richtig loslegen zu können. Dabei hat der dänische Bauherr Femern A/S bereits mächtig geklotzt, zuletzt mit dem Bau von 1,5 Kilometer langen Molen, die den zukünftigen Arbeitshafen der Tunnelelementefabrik vor Wellenschlag schützen sollen. Die Baustelle an Land ist auf Lolland schon weitgehend erschlossen.

Der Optimismus des dänischen Bauherren Femern A/S kennt kaum Grenzen. „Es freut uns, dass wir jetzt auch eine abschließende gerichtliche Prüfung des deutschen Planfeststellungsbeschlusses bekommen können. Wir gehen gut vorbereitet in das Gerichtsverfahren und wissen, dass intensive Wochen vor uns liegen“, sagt Claus F. Baunkjær, Vorstandsvorsitzender von Femern A/S.

„Die Mängel im Planfeststellungsbeschluss müssen aufgearbeitet werden“, ist hingegen Jörg-Andreas Krüger, Präsident des klagenden NABU, überzeugt. Die kritische Lage des Schweinswals im Schutzgebiet Fehmarnbelt müsse bei der Entscheidung angemessen berücksichtigt werden und schließe eine jahrelange Baustelle aus. „Die Kulisse wertvoller Riffe hat sich seit den ersten Tauchgängen, die der NABU im Sommer 2019 beauftragt hat, und den darauf folgenden Untersuchungen des Landes deutlich verändert“, fügt Dr. Kim Cornelius Detloff, NABU-Leiter Meeresschutz, hinzu. „Gleich vier neue Riffe liegen unmittelbar an oder auf der Trasse, blieben aber in der Genehmigung unberücksichtigt. Hier stellt sich die Frage, wie sich der drohende Umweltschaden dadurch verstärkt, und ob das Natura-2000-Schutzgebietsnetzwerk in den schleswig-holsteinischen Gewässern nicht angepasst und die Tunneltrasse unter Schutz gestellt werden muss.“

Der NABU als eine der sieben Klägerinnen erwartet gegen Ende des laufenden Jahres dieUrteilsverkündung.

„Auf deutscher Seite werden die Bauarbeiten erst beginnen, wenn das BVerwG in Leipzig grünes Licht gibt. Femern A/S respektiert selbstverständlich das deutsche Gerichtsverfahren“, versichert eine Sprecherin von Femern A/S. Allerdings waren die dänischen Bauherren auf Fehmarn bislang nicht gänzlich untätig. So wurden mit Erlaubnis des Amtes für Planfeststellung Verkehr einige bauvorbereitende und umweltrelevante Maßnahmen durchgeführt.

Doch nun ist Leipzig am Zug, wo der Richterspruch auch darüber entscheiden dürfte, ob der von Femern A/S angestrebte Eröffnungstermin für den Fehmarnbelttunnel auch gehalten werden kann – 2029.

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