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Das Schöffengericht Oldenburg verurteilte einen 27-jährigen Böllerwerfer zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung.

Sechs Monate auf Bewährung

Böllerwerfer verurteilt

Oldenburg –lb– Das Schöffengericht Oldenburg verurteilte am Mittwoch einen 27-jährigen Mann wegen „des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion in einem minder schweren Fall“ zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Die Vollstreckung der Strafe setzte das Gericht zur Bewährung aus. Die Bewährungszeit beträgt zwei Jahre.

  • Geldauflage von 500 Euro
  • Landgericht urteilt im Zivilverfahren Schmerzensgeld von 11500 Euro aus
  • Böllerwerfer hätte mit Menschen im Wirkungskreis des Knallkörpers rechnen müssen

Ebenfalls ordnete das Gericht eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro zugunsten des Vereins Krebskranker Kinder an. Außerdem muss der 27-jährige Schichtleiter eines Chemieunternehmens die Kosten des Verfahrens tragen.

Keine gefährliche Körperverletzung

Vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung sah die Staatsanwältin Kathrin Karoß im Verlauf der rund dreistündigen Hauptverhandlung ab. Es erfolgte auf Antrag der Anklagevertreterin die Einstellung gemäß Paragraf 154 Absatz 2 der Strafprozessordnung.

Laut Anklage soll der 27-Jährige am 30. Dezember 2018 vor dem Hauseingang Strandpark 7 in Großenbrode einen Böller mit fünf Gramm Sprengstoff angezündet und in Richtung Straße geworfen haben. Der Sprengkörper explodierte zwei Meter neben einer vierköpfigen Personengruppe, die auf der Straße auf dem Weg zu einem Restaurant war.

Da bei dem Geschädigten ein dauerhafter Tinnitus festgestellt wurde, hatte das Landgericht Lübeck in einem ersten Verfahren den Böllerwerfer zu einem Schmerzensgeld von 11500 Euro verurteilt. Das Landgericht war von grober Fahrlässigkeit ausgegangen, was der Vorsitzende Richter Thore Böttger bei seiner Einführung in die Verhandlung ausschloss, da der Böller schließlich angezündet wurde und deshalb Vorsatz angenommen werden könne.

Den genauen Tathergang konnte das Gericht am Mittwoch nicht mehr rekonstruieren. Der Angeklagte will sich gemäß seiner Aussage mit dem Rücken zur Straße befunden und den Böller auf einen Grünstreifen geworfen haben. Der Geschädigte nahm den Böllerwerfer wahr und glaubte, dieser habe sich eine Zigarette anzünden wollen, als er plötzlich zwei Meter neben ihm eine brennende Lunte sah. Er warnte daraufhin seine Ehefrau und ein befreundetes Pärchen und versuchte, sich die Ohren zuzuhalten. Laut Ehefrau soll der Böllerwerfer auch erst um die Gruppe herumgelaufen sein.

Mithilfe eines weiteren Zeugen, der am Mittwoch krankheitsbedingt ausfiel, konnte der Angeklagte gestellt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden. Die Aussage des Anklagten waren für Richter Thore Böttger sowie die Schöffen Maren Marquardt und Reiner Wulf „zu schwammig“.

„Wir sind in einer Urlaubsregion am Vorabend des Silvesterabends. Ein Täter soll erkennen, dass die Explosion nicht vollständig beherrschbar ist und die Anwesenheit anderer Personen im Zeitpunkt der Explosion in deren Wirkungsbereich nahe liegt. Ein Naheliegen von Menschen im Wirkungskreis der Detonation, da sehen wir überhaupt keine Zweifel“, führte der Vorsitzende Richter in seiner mündlichen Urteilsbegründung aus. Und weiter: Der Angeklagte hätte mit Menschen zur Tatzeit gegen 19 Uhr rechnen müssen, und somit müsse das Gericht von bedingtem Vorsatz ausgehen.

Der Knallkörper sei zu einer Zeit explodiert, wo die Menschen zum Essen gehen oder allgemein rausgehen würden – und nicht um 2 Uhr nachts auf einer menschenleeren Straße. Dies hätte der Angeklagte berücksichtigen müssen.

In der Hauptverhandlung entschuldigte sich der Täter. „Es tut mir wirklich leid, ich hoffe, dass der Tinnitus noch heilen wird. Es war überhaupt nicht meine Absicht.“ Auch eine schriftliche Entschuldigung will der aus Rellingen stammende Mann, der den Silvesterabend 2018 wie die Pärchen aus Northeim gemeinsam mit zwei Freunden in einer Ferienwohnung verbrachte, gefertigt haben. Dieses Entschuldigungsschreiben habe den Geschädigten aber nie erreicht, sodass das Opfer dem Angeklagten prozesstaktisches Verhalten vorwarf. Die Entschuldigung will der Verurteilte im Juni 2019 verfasst und seinem Anwalt übergeben haben.

Die Entschuldigung in der Verhandlung am Mittwoch hielt Staatsanwältin Karoß für glaubwürdig. In ihrem Plädoyer beantragte die Anklagevertreterin eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung. Pflichtverteidiger Dr. jur. Sascha Böttner verzichtete bei seinem Schlussvortrag auf einen konkreten Antrag hinsichtlich des Strafmaßes.

Gegen das Urteil können Staatsanwaltschaft und Verteidigung innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen.

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