Beobachten der Probebohrungen im Fehmarnsund für Pressevertreter musste wegen Wind ausfallen

Bootsfahrt statt Bohrplattform

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Noch steht die Bohrplattform auf der Westseite des Sunds, nach dieser Bohrung wird sie auf die Ostseite geschleppt und bohrt an weiteren fünf Stellen.

FEHMARN - Von Laura Oswald-Jüttner Eine Besichtigung der Bohrplattform im Sund hatte die Deutsche Bahn AG (DBAG) angeboten. Da ließ sich die Volontärin des FT nicht lange bitten, auch andere Medienvertreter sprangen natürlich sofort drauf an. Dass am Ende nur eine nette Fahrt auf der Ostsee dabei heraus kam – sei‘s drum.

Die DBAG wurde gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV SH) vom Bundesverkehrsministerium beauftragt, mögliche Varianten einer neuen Querung über den Fehmarnsund zu untersuchen. Zu diesem Zweck finden seit rund zwei Monaten Probebohrungen an Land und im Sund statt (wir berichteten). Wie genau auf der wasserseitigen Bohrplattform gearbeitet wird und was bei den Bohrungen so zutage gefördert wird, wollten Bahn und ausführende Unternehmen gestern gerne einmal zeigen. Bei dem Wunsch ist es geblieben ...

Montag, kurz vor 13.30 Uhr. Gegenüber einer Ferienanlage in Fehmarnsund steht eine kleine Gruppe von Menschen um einen schwarzen Geländewagen und wird mit Schwimmwesten und Schutzhelmen ausgestattet. Ohne ausreichende Protektoren darf niemand an Bord des Schleppers, der uns zur Plattform bringt. Nur vier Personen dürfen mit, also teilen wir uns auf, die Presse darf zuerst.

An diesem Standort wird 40 Meter tief in den Meeresboden gebohrt. Es handelt sich um Baugrunduntersuchungen, die Aufschluss darüber gegen sollen, welche Variante einer neuen Sundquerung überhaupt gebaut werden kann.

Uwe Fresenborg, Prokurist des mit der Bohrung betrauten Unternehmens Vulhop + Becker, gibt während der Fahrt Auskunft über das Prozedere der Bohrung. Oft sei er gefragt worden, warum denn die Bahn die Fehmarnsundbrücke abreißen wolle. „Eins ist mal klar: die Brücke wird nicht abgerissen“, sagt er energisch.

Leider muss er uns kurz darauf informieren, dass wir nicht auf die Bohrplattform hinauf dürfen – es ist zu windig und der Überstieg, wie er es nennt, daher einfach zu gefährlich. Dann hätten wir uns die Helme also schon mal sparen können, findet auch der Fotograf der Deutschen Presse-Agentur, der sich ein paar knackige Bilder erhofft hatte. Also fahren wir mehrere Runden um die Plattform, damit die Pressemeute auch was vor die Linse bekommt. Währenddessen winken die Arbeiter am Bohrer freundlich.

Das rostbraune Gebilde, hinter dem einer der Arbeiter auf der Bohrplattform so nett grüßt, ist eines der Rohre, die zur Bohrung verwendet werden.


Nun ist es nicht so, dass ein meterlanger Bohrkopf in den Grund getrieben wird, die verwendeten Rohre sind jeweils zwei Meter lang und werden miteinander verschraubt, so werden sie Stück für Stück vorangetrieben und können verschiedene Bodenproben nehmen. Wenn man ganz genau hinsieht, kann man die sich drehenden Rohre unter der Plattform sehen.

Sand und Mergel fördern sie hauptsächlich zutage. Mergel ist ein sehr festes Sedimentgestein. Die Grundschichten laufen dann in eine Art Förderschnecke, um so die Proben sichern zu können. Auch vereinzelte Feuersteine bringen die Rohre mit nach oben. „Den Feuerstein kennt man hier gut, wir finden häufig welchen mit Kreideeinschlüssen“, weiß Uwe Fresenborg. Diese Relikte der Eiszeit sind vor Fehmarn allerdings nicht so reichhaltig wie beispielsweise in der Mecklenburger Bucht.

Die Proben gehen anschließend ins Labor, wo sie eingängig von Geologen überprüft werden. Schließlich muss gesichert sein, dass der Untergrund im Fehmarnsund auch fest ist. Die Projektleiter Bernd Homfeldt und Bernd Preußner haben vor Abfahrt noch Witze gemacht, so nach dem Motto: „Wir bohren viele Löcher und dann läuft der Fehmarnsund leer“. Abgesehen davon, dass das natürlich völlig unmöglich ist, werden die Stellen, an denen Boden herausgenommen wird, auch wieder sorgfältig verfüllt.

Hier sind sie nun bald fertig. An der nächsten ausgewiesenen Stelle gehen die Bohrungen wieder bis in 80 Meter Tiefe. Anhand all der Bodenproben erstellen Fachleute dann ein Gutachten, das klären soll, welche neue Sundquerung infrage kommt. Während die Bohrungen im Wasser noch bis etwa Mitte Juni andauern, rechnen die Beteiligten damit, dass dies an Land länger dauern wird.

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