Hotels auf Fehmarn schließen ab Montag für Touristen

Branche schiebt Frust

+
Ab Montag werden Bastian (l.) und Hans-Peter Wolf den Betrieb im Hotel Restaurant Burg-Klause komplett herunterfahren.

Fehmarn – Von Lars Braesch Ab Montag kommt es bundesweit zu einem einmonatigen Lockdown, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Hotellerie und Gastronomie gehören zum zweiten Mal zu den Leidtragenden dieser Maßnahme. Folglich ist der Frust unter den Hoteliers und Gastronomen groß.

  • Bund will rund zehn Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung stellen
  • 75 Prozent des November-Umsatzes für Betriebe bis zu 50 Mitarbeiter
  • Schwarze Schafe ziehen gesamte Branche in Mitleidenschaft

DerBund will für die Betriebe mit bis zu 50 Mitarbeitern, die erneut schließen müssen, eine Unterstützung in Höhe von 75 Prozent des November-Umsatzes 2019 bereitstellen. Auch größere Betriebe sollen unterstützt werden. Hierfür stellt der Bund rund zehn Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung. Und was sagen die Betroffenen dazu? „Wir schließen am Montag das Haus“, erklärteJutta Zimmermann

IFA-Hoteldirektorin Jutta Zimmermann.

Hoteldirektorin des IFA Hotel & Ferien- Centrum in Burgtiefe. Zwei Abteilungen werden im Haus als Notbesetzung verbleiben. „Wir haben nur touristische Übernachtungen und können ab Montag niemanden mehr verpflegen“, so die IFA-Hoteldirektorin weiter. Für den zweiten Lockdown habe sie Verständnis, denn die Corona-Welle müsse irgendwie gestoppt werden. „Ob deswegen die gesamte Hotel- und Gastro-Branche geschlossen werden muss, kann ich schlecht sagen“, führte Zimmermann weiter aus. Es sei frustierend, denn das Ferien-Centrum habe sich mit seinen Gästen und 85 Mitarbeitern akkurat an das Hygienekonzept gehalten. „Wir haben extra die Essenszeiten auseinandergezogen und für weite Abstände gesorgt“, erläuterte Zimmermann die Maßnahmen. „Das ist einfach traurig. Durch schwarze Schafe wird die gesamte Branche in Mitleidenschaft gezogen“, meint die Hoteldirektorin weiter. Dies habe sie in Hamburg bei anderen Hotels und Gastronomen beobachten können. „Die geplanten Unterstützungszahlungen sind gut für Betriebe, die kurz vor der Insolvenz stehen“, findet Jutta Zimmermann. 

Auch das Hotel Restaurant Burg-Klause wird ab Montag den Betrieb komplett runterfahren. Am Donnerstag gab es bei der Betreiberfamilie Wolf bereits eine interne Zusammenkunft. „Mit einem zweiten Lockdown haben wir nicht gerechnet. Wir müssen uns erst einmal sortieren und gucken, was es für unseren Betrieb bedeutet“, sagte Hans-Peter Wolf in einer ersten Reaktion. Morgen soll es für die 35 Mitarbeiter ein Meeting geben. Auch werde derzeit viel über WhatsApp kommuniziert. Damit habe man schon beim ersten Lockdown gute Erfahrungen gemacht, ergänzte Sohn Bastian Wolf. Der Familienbetrieb hänge vor dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft in den Seilen, da niemand sagen könne, wie lange die zweite Schließung dauere. Erste Weihnachtsfeiern seien bereits abgesagt. „Unterstützungszahlungen wären für uns als ganzjähriger Betrieb schön“, meinte Hans-Peter Wolf. Die Burg-Klause habe auch sehr viel Geld in die Hygienekonzepte gesteckt, allein auch zum Eigenschutz für die Mitarbeiter. Durch die coronabedingten Auslandsreisebeschränkungen hatte die Familie Wolf auf einen höheren Novemberumsatz gehofft, um die Verluste aus dem ersten Lockdown kompensieren zu können – das Gegenteil ist nun der Fall. Wisser‘s Hotel wird sein Restaurant am Montag schließen und auf Außer-Haus-Verkauf umstellen. „Dafür werden wir extra noch eine Speisekarte fertigen“, erläuterte Thomas Weber auf FT-Nachfrage. Der Hotelbetrieb werde für Geschäftsreisende aber weiterlaufen. „Das ist ein riesiger Verlust für uns, da wir auch Busse stornieren mussten“, so Weber weiter. Viele Punkte seien einfach noch in der Schwebe. Dürfe Wisser‘s den Geschäftsreisenden ein Tellerfrühstück anbieten oder nicht. Hier hätte sich der Rezeptionist etwas mehr Vorlaufzeit gewünscht. „Wir hoffen, dass es bei den vier Wochen Schließung bleibt“, meinte Weber weiter.

Enttäuscht vom Ministerpräsidenten

Hoteldirektorin Agnes Dörfer vom Hotel Bene ist von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) enttäuscht. „Ich finde es nicht gut, dass der Ministerpräsident eingeknickt ist. Er wollte sich eigentlich für den Hotel- und Gastronomiebereich einsetzen“, schimpfte die Hotelchefin. „Wir haben alles erfüllt, als Dank dafür bekommen wir die Schließung. Es trifft immer einen Bereich“, so Agnes Dörfer weiter. Das hoteleigene Restaurant schließt ab Montag, beherbergt werden dann nur noch Geschäftsreisende. 40 Mitarbeiter sind von der zweiten Schließung betroffen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung des ersten Lockdowns und den daraus resultierenden Wegfall des Ostergeschäftes werde es ein schwieriges Jahr für das Bene, blickt Dörfer voraus. Die angekündigten Entschädigungszahlungen könnten ein bisschen helfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.