Neue Fehmarnsundquerung: Vorhabenträger haben die vier Vorzugsvarianten vorgestellt

Brücke oder Tunnel?

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Die kombinierte Brückenvariante für alle Verkehre. Die Pylonhöhe würde 180 Meter betragen.

Oldenburg/Fehmarn – ra – Was folgt auf die in die Jahre gekommene Fehmarnsundbrücke? Schon lange ist bekannt, dass das 1963 in den Dienst gestellte Bauwerk das erhöhte Verkehrsaufkommen nach Eröffnung der Festen Fehmarnbeltquerung nicht bewältigen kann. Am Mittwoch hat die Deutsche Bahn die vier Vorzugsvarianten für die zukünftige Querung des Sundes in einer Sondersitzung des Dialogforums erstmals vorgestellt.

Eine kombinierte Schrägseilbrücke mit Y-Pylon für alle Verkehre westlich der Bestandsbrücke wäre eine Option. Das Bauwerk hätte eine Länge von 2,1 Kilometern, wäre 72 Meter breit und würde über eine Pylonhöhe von 180 Metern verfügen. Zum Vergleich: Die jetzige Fehmarnsundbrücke ist an ihrer höchsten Stelle 75 Meter hoch. „Der Sund muss an einer deutlich breiteren Stelle überspannt werden, deshalb haben die Pylone eine andere Dimension“, sagte DB-Projektleiter Bernd Homfeldt.

Ebenfalls noch in der Verlosung sind getrennte Brücken westlich der Bestandsbrücke für den vierspurigen Autoverkehr, den Zugverkehr sowie den langsamen Verkehr (Trecker, Fußgänger und Radfahrer). Das Hauptbauwerk hätte in diesem Fall eine Länge von 1,9 Kilometern, die Pylonhöhe beträgt 170 Meter. Dritte Variante: ein 1,7 Kilometer langer Absenktunnel, der ebenfalls westlich der jetzigen Brücke entstehen könnte. Die Variante vier, der Bohrtunnel, wurde zwar auch vorgestellt, ist aber unrealistisch. „Der Bohrtunnel-Bau würde viel zu lange dauern“, sagte Homfeldt, der sich gestern Nachmittag generell nicht zu den Baukosten äußerte.

Für alle vier Varianten wird jeweils auch der Erhalt der Bestandsbrücke geprüft, die später einmal den langsamen Verkehr aufnehmen könnte. Brücken- oder Tunnelneubauten müssten also jeweils kleiner gehalten werden, sollte die Sundbrücke erhalten bleiben. „Wenn es eine sinnvolle Weiternutzung der Bestandsbrücke gibt, dann wäre es eine gute Idee, diese zu behalten. Allerdings befindet sie sich am Ende ihrer technischen und wirtschaftlichen Lebensdauer und müsste für eine 50-jährige Weiternutzung verstärkt werden“, so Bernd Homfeldt. Die Frage, wer sich um die Unterhaltung der Brücke kümmern soll, ist dagegen noch immer nicht geklärt. Fehmarn und Großenbrode werden es ganz sicher nicht tun wollen. „Die Großenbroder Gemeindevertretung hat sich bereits vor Jahren für einen Absenktunnel ausgesprochen. Was mit der Sundbrücke passiert, und da mögen alle Fehmaraner jetzt bitte weghören, ist mir egal“, fand Bürgermeister Jens Reise (CDU) deutliche Worte. Fehmarn hat sich dagegen noch nie öffentlich positioniert. Bürgermeister Jörg Weber (SPD) wolle aber versuchen, das Thema kurzfristig auf die Tagesordnung der Stadtvertretung am 12. Dezember zu bringen.

Wie sieht nun der weitere Fahrplan aus? Zunächst wird die Entscheidung fallen, ob weiter mit oder ohne Bestandsbrücke geplant wird. Das Schicksal von Fehmarns Wahrzeichen könnte sich noch Ende November entscheiden. Im Anschluss erfolgt die Vorstellung der finalen Vorzugsvariante nach Prüfung durch das Bundesverkehrsministerium. Hier wolle sich die Bahn aber noch nicht auf einen Monat festlegen.

Ob sich der am Mittwoch gegründete „Runde Tisch Fehmarnsundquerung“ noch in die Planungen einbringen kann, bleibt abzuwarten. Eine Infoveranstaltung für Bürger findet am 28. November (19.30 Uhr) im Großenbroder „MeerHuus“ statt.

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