Unser Leser Michael Lippert betrieb Studien auf dem Großen Belt und auf dem Øresund

"Brücken-Test" in Dänemark

Die imposante Øresundbrücke zwischen Malmö und Kopenhagen, weidende Schafe.

FEHMARN • Wieviel Zeit lässt sich beim Überqueren des Fehmarnbelts durch eine Brücke sparen ? Die Probe machte jetzt ein Fehmaraner.

Michael Lippert fuhr an einem Tag über die Große Beltbrücke von Fünen nach Seeland sowie über die Øresundquerung von Malmö nach Kopenhagen und am Schluss mit der Fähre von Rødby nach Puttgarden. Lippert ist spätestens seit diesem Tag ein bekennender Querungsbefürworter. Die FT-Redaktion hat sich entschieden, seinen Erlebnisbericht den Leserinnen und Lesern zu präsentieren.

„Nach Jahren der Diskussion über das Für und Wider einer Festen Fehmarnbeltquerung und der daraus resultierenden Verunsicherung, wollte ich einen eigenen Eindruck vor Ort von den seit Jahren in Betrieb befindlichen Brücken in Dänemark beziehungsweise zwischen Dänemark und Süd-Schweden gewinnen. Diese Erfahrung sollte durch Fotos und Notizen festgehalten werden und so machte ich mich am Mittwoch, dem 1. August 2007, mit meinem Begleiter (Fahrer) über Flensburg, Jütland, Fünen, Seeland und Süd-Schweden auf den Weg. Die Tagesreise dauerte zwölf Stunden, die Strecke betrug 721 km. Die Rückfahrt führte mit der Fähre von Rødby nach Puttgarden.

Zum besseren Verständnis dieses Berichtes kurz zusammengefasst die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Querungen über den „Großen Belt“(Store-Beltbrücke) innerhalb Dänemarks und der „Øresund-Brücke“ zwischen Dänemark und Süd-Schweden: Beide Bauwerke verlaufen in Ost/West-Richtung, durch die Inseln Sprogø (im Großen Belt) und Peberholm (im Öresund) werden sie praktisch unterteilt. Die „Große Beltbrücke“ beginnt auf Fünen mit einer 6,6 km langen Balkenbrücke (West-Brücke), auf der parallel die vierspurige Autobahn und die zweigleisige Eisenbahnstrecke bis zur natürlichen Insel Sprogø verläuft. Auf der Insel Sprogø teilt sich der Verkehr in einen acht Kilometer langen Tunnel nur für die Eisenbahn und der vierspurigen Hängebrücke mit einer Länge von 6,8 km. Die „Øresund-Brücke“ besteht ebenfalls aus zwei Teilen: Von Kopenhagen (West) aus führt ein Tunnel (3,7 km lang) auf die künstliche Insel Peberholm (4 km lang), wo die eigentliche „Øresund-Brücke“ beginnt. Diese Schrägseilbrücke hat zwei Plattformen: auf der oberen befindet sich die Autobahn, darunter verkehren die Züge.

Die Gesamtlänge der Hochbrücke von der Insel Peberholm bis Malmö beträgt ca. 8 km. Über elektronisch gesteuerte Lichtzeichen werden die Geschwindigkeiten angezeigt, auf den Brücken max. 110 km/h, in den Tunneln 90 km/h. Die Mautstationen sind mit vielen Spuren ausgelegt und gewährleisten eine zügige Abfertigung.

Fahrt über den Großen Belt

Um 10.30 Uhr erreichten wir die Stadt Nyborg auf Fünen, und bei Knudshoved war die westliche Balkenbrücke der Startschuss für das Brückenabenteuer. Bei einem von Touristen und Lkw bestimmten Sommerverkehr war die Überfahrt nach 13 Minuten beendet. Die Streckenlänge von Knudshoved über Sprogø und die östliche Hochseilbrücke bis zur Mautstation Halskow/Korsør beträgt 20 Kilometer. Die Fahrzeit beinhaltete den Kauf des Tickets für die einfache Überfahrt (27 Euro) durch Kreditkarte.

Nach diesem kurzen Brückenerlebnis schloss sich in der südlichen Umgebung von Korsør ein Betrachten der gesamten Store-Belt-Brücke von unterschiedlichen Standorten an. Das Bauwerk in seiner Ganzheit ließen wir mit seiner flachen Balkenbrücke (West-Brücke), der Insel Sprogø und der gewaltigen Hochseilbrücke (Ost-Brücke) bei guter Sicht auf uns Betrachter wirken. Hinter dem ehemaligen, teils abgebautem Fährhafen von Korsør erhob sich die Rampe, die den Übergang von Land zur Ost-Brücke darstellt. Der Fährhafen von Korsør gab ein trauriges Bild ab, aber die Fährlinie Korsør-Nyborg bot nach der Fertigstellung der Brücke im Jahr 1998 (politisch gewollt) keine Alternative mehr.

Fahrt über den Øresund

Gegen 12 Uhr erreichten wir den Großraum Kopenhagen, der sich ähnlich Hamburg, durch sechsspurige Autobahnen und entsprechenden Verkehr und boomender Wirtschaft auszeichnet. Am Flughafen Kastrup vorbei fuhren wir um 13.10 Uhr in den Tunnel Richtung Peberholm ein. Bei flüssigem Verkehr (90km/h im Tunnel), 110km/h über Peberholm und die anschließende Schrägseilbrücke, wo Straßen- und Schienenstrang übereinander auf zwei Ebenen geführt werden, erreichten wir um 13.21 Uhr nach 19 km/h die Mautstation auf schwedischer Seite. Die Kosten für die Überfahrt betrugen € 33 Euro.

Um auch diese Brücke aus einer anderen Perspektive in Augenschein zu nehmen, wählten wir die Landzunge Sud-Klagshamn. Auch hier entschädigte uns gute Sicht für den persönlichen Aufwand. Von Süd-Schweden aus reichte der Blick über den Øresund bis zur Silhouette von Kopenhagen. Da die Küstenformation in Süd-Schweden einen leichten Steilküstencharakter aufweist, sind die Eingriffe in die Natur, was den Dammbau betrifft, von geringer Bedeutung. Auffällig sowohl auf dänischer wie auf schwedischer Seite der Øresundquerung sind die vielen industriellen, wirtschaftlichen sowie privaten Neubauten. Gegen 14.30 Uhr machten wir uns auf den Rückweg von Süd-Schweden, wiederum in zwölf Minuten über die Øresund-Brücke, vorbei an Kopenhagen.

Im Bereich des Großraums Kopenhagen war auf Grund von regem Verkehr und Baustellentätigkeit Geduld angesagt. In Richtung Süden (Rødby) normalisierte sich die Verkehrsdichte und um 16.45 Uhr erreichten wir Rødby. Keine Wartezeit beim Bezahlen des Tickets Rødby-Puttgarden für € 57 Euro. Da die Wartespuren nicht übermäßig durch Autos und Lkw frequentiert waren, erwarteten wir, gegen 18.30 Uhr auf Fehmarn zu sein. Probleme im Beladen der Fährschiffe (nur vier Einweiser) ließen das nicht zu. Die Ankunft auf Fehmarn war letztendlich 19.15 Uhr.

Abwägen zwischen Chancen und Risiken

Fazit: Der Tagesausflug nach Dänemark und Süd-Schweden hat sich gelohnt. Das „Erleben“ und „Erfahren“ dieser beiden Verbindungen in Skandinavien zusammen mit der Nachbetrachtung der 150 Fotos von beiden Bauwerken haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zusammen mit den Informationen aus Presse und Fernsehen, Gesprächen mit Befürwortern und Gegnern hat sich ein Gesamtbild für meine Beurteilung ergeben. In der Abwägung zwischen Risiko und Chance für Fehmarn durch eine „Fehmarnbeltbrücke“ überwiegt für mich die Chance, unsere Heimatinsel Fehmarn zukunftsicher zu machen. Ich bin dafür.“

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