Renate Niß Bürgerbus Disponentin
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Renate Niß fährt seit 2011 Bürgerbus und ist die Disponentin des Vereins.

Bürgerbusverein Fehmarn sucht dringend neue Fahrer

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Der Bürgerbusverein Fehmarn sucht dringend neue Fahrer. In diesem Jahr feiert der Verein sein 25-jähriges Bestehen.

  • Im Winter auf Anruf, ab 1. April bis Ende Oktober im Linienbetrieb.
  • 15 Fahrer und acht Fahrerinnen derzeit.
  • Austausch über WhatsApp.

Fehmarn – Der Bürgerbusverein Fehmarn feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Seit 1998 setzen sich Ehrenamtler für Einheimische und Gäste hinters Steuer – im Winter auf Anruf und ab 1. April bis Ende Oktober im Linienbetrieb. Eigentlich ein Grund zum Feiern, aber den Verantwortlichen des Vereins treibt die aktuelle Lage Sorgenfalten ins Gesicht. Es fehlen Fahrer – und alters- oder gesundheitsbedingt scheiden immer wieder Ehrenamtler aus dem Fahrdienst aus. „Wir brauchen Nachschub“, betont die Vorsitzende des Vereins, Beate Burow.

Wir würden unser Angebot auch gerne erweitern.

Vorsitzende Beate Burow

Fahrzeuge gibt es hingegen genug. „Wir würden unser Angebot auch gerne erweitern“, so Burow. Was sagen die nackten Zahlen? 15 Fahrer und acht Fahrerinnen hat der Verein zurzeit. Von den 23 Personen fahren zwölf regelmäßig, elf stehen auf Abruf bereit. Für den Sommerfahrplan mit sechs Touren bräuchte es eigentlich mindestens 27 Fahrer, wenn jeder einmal pro Woche eine Schicht für knapp vier Stunden übernehme, rechnet Burow vor.

Im Übrigen sind die Voraussetzungen niederschwellig, um Bürgerbus zu fahren. Es braucht einen Pkw-Führerschein, man muss mindestens 21 Jahre alt sein, und für den Führerschein zur Fahrgastbeförderung muss man einen Gesundheitscheck und einen Eignungstest bestehen.

Burow und ihre Mitstreiter vermuten, dass es gerade der Erwerb der Fahrerlizenz in Kiel ist, was Interessierte abschrecken könnte. Burow versichert, dass der Test unproblematisch sei, sie selbst habe ihn gerade wieder absolviert, denn alle fünf Jahre muss aufgefrischt werden. „Alle Kosten – auch Hin- und Rückfahrt – übernimmt der Verein“, betont die Vorsitzende, die unter 04371506654 kontaktiert werden kann. Auf buergerbus-fehmarn.de gibt es zudem weitere Informationen.

Wir könnten gut zehn Fahrer mehr gebrauchen.

Renate Niß, stellvertretende Vorsitzende und Disponentin

„Wir könnten gut zehn Fahrer mehr gebrauchen“, sagt Renate Niß, die nicht nur stellvertretende Vorsitzende des Vereins ist, sondern auch eine weitere wichtige Rolle innehat. Fahrerin wurde sie 2011, aber seit ein paar Jahren ist sie auch Disponentin. Das heißt, Niß teilt die Fahrer ein, sorgt für einen reibungslosen Ablauf. „Ich verschicke den Plan – findet sich keiner, kontaktiere ich die Fahrer auf Abruf. Der Austausch findet per WhatsApp statt. Reißen alle Stricke, muss ein Fester einspringen“, muss Niß gut jonglieren – und im Zweifel auch selber einspringen.

Eine feste Tour in der Woche fährt die 72-Jährige, die froh ist, körperlich und geistig fit zu sein. „Gefühlte 50“, sagt sie lächelnd. Ein Bekannter habe sie auf das Angebot hingewiesen. „Ich habe dann schnell den Schein gemacht. Seitdem fahre ich kontinuierlich.“ Niß ist vom Konzept des Bürgerbusses hundertprozentig überzeugt. „Es ist optimal für alle Menschen auf Fehmarn.“ Zudem gehe bei ihr ohne Ehrenamt nichts. „Ich kann Menschen helfen. Das ist mir wichtig.“

Das Fahren bereite ihr keinen Stress. „Ich bleibe entspannt.“ Zumal die Bürgerbusfahrer „situiert und rücksichtsvoll“ unterwegs seien, so Niß und betont das Wichtigste: „Es macht viel Spaß – das geht uns wohl allen so.“

Kein bestimmtes Pensum: Jeder fährt, was er kann 

Bürgerbusfahrer seit 2020 ist Artur Rüger aus Burg. Der 63-Jährige ist im Ruhestand und hat nach eigener Aussage Zeit zur Verfügung, die er sinnvoll einsetzen wolle fürs Ehrenamt: „eine Säule unserer Gesellschaft“. Das Fahren bringe ihm zudem Spaß. Das Gespräch mit den Fahrgästen sei „interessant und abwechslungsreich“. Nur wenige Situationen würde er als problematisch beschreiben. „Das ist die Ausnahme.“

Artur Rüger fährt seit 2020 Bürgerbus.

Rüger fährt ein bis zwei Touren in der Woche, in der Hauptsaison auch mal drei. „Wenn wir zu wenige Fahrer haben, müssen wir öfter ran.“ Aber auch er betont: Druck oder die Verpflichtung, ein bestimmtes Pensum zu fahren, gebe es nicht. „Wenn jemand wenig fahren möchte, ist das völlig okay.“ Viel wichtig sei, einen großen Fahrerpool zu haben. „Das ist eine Erleichterung für alle“, so Artur Rüger, der auf neue Fahrer hofft. „Ein ehrenamtliches Angebot braucht auch Ehrenamtler. Wir brauchen Unterstützung, sonst können wir das Angebot auf Dauer nicht aufrechterhalten“, gibt der Fehmaraner zu bedenken.

Seit letztem Sommer gehört Wiebke Mau aus Klausdorf zur Bürgerbus-Crew. Die 42-Jährige ist per Zufall und durch ein Schicksal in ihrem Dorf zur Fahrerin geworden. „Eine ältere Dame hatte kein Auto mehr und fuhr deshalb mit dem Rad, ist dann aber irgendwann gestürzt“, erinnert sich Mau. „Es muss doch eine Alternative geben“, habe sie sich gedacht und dann zufällig vom Bürgerbus erfahren. „Das ist eine gute Sache – vor allem für Fehmaraner im Winter, da doch der Großteil der Infrastruktur in Burg ist.“

Das Fahren sei abwechslungsreich, man komme, vor allem im Sommer, mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch. „Ich komme auf der Insel rum und entdecke Ecken, die ich vorher gar nicht kannte“, sagt Mau, die auch den Klönschnack mit den Einheimischen schätzt.

Da sie beruflich eingebunden ist mit Bauernhof und Ferienvermietung, zudem drei Kinder hat, muss sie sich auf zwei Touren im Monat beschränken, da sonst die Belastung zu groß sei. Auch sie wiederholt, was ihren Kollegen wichtig ist: „Wir brauchen mehr Fahrer, um alle zu entlasten.“

Fahren Bürgerbus aus Überzeugung: Wiebke Mau und Holger Hooke.

Holger Hooke ist einer, der weiß, wie man Menschen befördert. Der 71-Jährige Wahlfehmaraner, der 2013 auf die Insel kam und 2014 beim Bürgerbus einstieg, fuhr vorher 35 Jahre für die Hamburger Hochbahn. „Es ist etwas kleiner, aber im Prinzip das, was ich immer gemacht habe“, so Hooke, der seinen Beförderungsschein bereits hatte. Er habe über den Bürgerbus gelesen – eine Woche später sei er bereits Fahrer gewesen. Hooke fährt nur im Sommer, einen festen Tag in der Woche. „Manchmal springe ich auch ein.“

Für den Burger ist es ein Ehrenamt, das Spaß bringt. „Ich komme raus, es ist nicht anstrengend und es hilft der Gemeinschaft.“ Auch er wünscht sich, dass der eine oder andere sich vom Aufruf angesprochen fühlt. „Wir brauchen dringend Fahrer.“

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