Umfängliche Diskussion / Jörg Weber hofft auf mehr sachliche Anregungen und Fragen

Bürgermeister stellt sich Bürgern

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Stellte sich den Fragen: Bürgermeister Jörg Weber (M.) diskutierte mit Bürgern. Eingeladen hatte ihn der SPD-Ortsverein, vertreten durch Marianne Unger (l.) und Gunnar Gerth-Hansen.

Fehmarn – Von Manuel Büchner – Die Bürger stellen Fragen – der Bürgermeister antwortet. Ein Format, dem Jörg Weber augenscheinlich eine Menge abgewinnen konnte, als er am Mittwochabend auf Bitten seines SPD-Ortsvereins im Schützenhof Platz nahm. „Diese Form des Bürgerdialogs kann ich mir auch öfter gut vorstellen – gerne auch auf Einladung anderer Parteien“, so Weber, der einer recht übersichtlichen Gruppe von knapp 20 Personen gegenübersaß. „Schade, dass nicht mehr gekommen sind, aber das hat den Charme, dass wir mehr Zeit haben, konkreter in den Dialog zu gehen“, konnte Moderatorin und Ortsvereinsvorsitzende Marianne Unger der eher mauen Beteiligung etwas Gutes abgewinnen.

Weber leitete zunächst mit einer kleinen Bilanz seiner immerhin schon viereinhalbjährigen Amtszeit ein. Wenn Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt Ende des Jahres in den Ruhestand geht, wird Weber der dienst- älteste städtische Bürgermeister in Ostholstein sein.

Er habe viel im Job gelernt, sei natürlich mit Ideen angetreten, aber auch das eine oder andere Mal ausgebremst worden – entweder durch die Politik oder auch Gesetze und Vorschriften. „Verwaltung ist nicht freie Wirtschaft, so wie ich es kannte.“ Vorantreiben werde er weiterhin die Zusammenführung der Verwaltung unter einem Dach. „Wir haben vier verschiedene Standorte. Das ist eine unsägliche Situation.“

Derweil sieht er die Entwicklung der Insel positiv. Altlasten könne man auch aufgrund guter Steuereinnahmen – sei es im Straßen- oder Kanalbau – abbauen. „Menschen, die behaupten, hier tut sich nichts, laufen blind über die Insel“, formulierte Weber bestimmt, wenngleich er als Verwaltungsleiter nur sehr wenig in der Sache entscheiden könne. Das sei Aufgabe der gewählten Kommunalpolitiker. „Wenn es um die wichtigen Dinge geht, arbeiten wir sehr gut zusammen“, formulierte Weber salomonisch. Die Bürger im Saal erinnerte er daran, dass Vorhaben nicht von heute auf morgen umsetzbar sind. „Mit 60 bis 70 B-Plänen und einem Bauamt wie in Heiligenhafen mit vielleicht zehn B-Plänen in der Mache kann es nicht immer so schnell gehen, wie es vielleicht sollte.“

Umgekehrt würden noch zu wenige Bürger die Möglichkeit sachlicher Anregungen und Fragen nutzen. „Wo drückt der Schuh? Kommen Sie ins Rathaus – meine Tür steht offen, auch meine Telefonnummer ist bekannt.“

Der Büergermeister nutzte auch die Gelegenheit, auf ein generelles Problem aufmerksam zu machen. In den nächsten fünf Jahren würden 20 bis 30 Verwaltungsmitarbeiter in den Ruhestand gehen. „Es wird schwer werden, Ersatz zu finden. Die Altersstruktur wird uns in den nächsten Jahren wehtun“, erklärte der Verwaltungschef.

Kleine Bühne – große Themen

Die Dauerbrenner wie Klima, Wohnungsbau und Feste Fehmarnbeltquerung samt Hinterlandanbindung durften natürlich nicht fehlen. Beispiel: Für Ersteres ist der Notstand ausgerufen – heißt, Fehmarn soll bekanntlich bis 2030 klimaneutral sein. Ein Bürger kritisierte, es würde zu langsam gehen. Weber: „Wir gehen kleine Schritte, aber wir gehen sie.“ Auch das Pflanzen von Bäumen sorgte für Diskussionsbedarf. Möglichst bienenfreundlich soll es sein. Die Kritik an den 70 Japanischen Zierkirschen, die die Landjugend gepflanzt hatte, wies Weber zurück. „Der Umweltrat erarbeitet gerade einen Katalog für Pflanzen, die auf die Insel gehören“, warf eine Besucherin ein. Zudem gebe es regelmäßig Klimaworkshops, an denen sich jeder beteiligen kann – eine Anmeldung beim Umweltrat vorausgesetzt.

Es waren in der Runde aber nicht nur die großen Themen, die zur Sprache kamen. Kaputte und verrottete Bänke auf dem Deich von Petersdorf nach Westermarkelsdorf, die Sperrung des Grünen Wegs auf beiden Seiten wegen Bauarbeiten, die eine Anwohnerin monierte, die Beleuchtung des Weihnachtsmarktes, die sich eine Bürgerin ein wenig dezenter wünschen würde, oder der analoge Kauf von Bahnfahrkarten, den sich ältere Menschen wünschen, der mittlerweile erst ab Oldenburg möglich ist.

Eine Fragestellerin hatte zudem gehört, dass an diversen Stränden Duschen errichtet werden sollen. Die am Südstrand sind so gebaut, dass man als Frau im Freien vor den Spaziergängern stehen würde. „Ich werde Tourismusdirektor Oliver Behncke informieren. Es ist sein Verantwortungsbereich“, versprach Weber. Herr Behncke möge mit seiner Frau mal dort duschen gehen“, ließ die Frau nicht locker. „Als dienstliche Anweisung“, scherzte der Verwaltungschef.

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