Marco Eberle im Porträt
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Marco Eberle, Grüne

Bürgermeisterkandidat für Fehmarn

Marco Eberle (Grüne): „Mithilfe der Verwaltung argumentativ Politik zum Umdenken bringen“

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  • Manuel Büchner
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  • Andreas Höppner
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  • Nicole Rochell
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Zur Wahl zum Verwaltungschef auf Fehmarn am 7. März hat die FT-Redaktion den Kandidaten, die ins Rathaus einziehen wollen, eine Reihe von Fragen ganz unterschiedlicher Natur gestellt. Die Antworten von Marco Eberle (Grüne) gibt‘s hier.

Nennen Sie Ihren Hauptcharakterzug?
Ich bin authentisch.
Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz auf Fehmarn?
In Katharinenhof und auf dem Burger Marktplatz beim Italiener.
Was bedeutet Ihnen Ehrlichkeit? Was bedeutet Ihnen Ethik?
Ehrlichkeit ist Voraussetzung für Zusammenarbeit. Die Moral baut sich jeder selbst zusammen. Jeder errichtet sein Gebäude von Verhaltensweisen, die er für richtig erachtet. Die Ethik als Analyse von Moralvorstellungen orientiert sich aus meiner Sicht an wesentlich allgemeingültigeren Werten wie Menschenrechte, Tugenden und Verhaltensweisen, die unabdingbar für menschliches Zusammenleben sind. Im Grunde, für jede/n absolut verpflichtend.
Wer oder was hätten Sie sein mögen?
Erfolgreicher Mittelstürmer eines sehr erfolgreichen bayerischen Bundesligavereins.
Welche ist Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Tischfußball
Mit wem würden Sie gerne einmal frühstücken? 
Barack Obama oder Herrn Buchholz (Minister für Wirtschaft in Schleswig-Holstein). Mit Barack, weil er ein Vorbild ist, mit Herrn Minister, weil er der Insel einiges schuldet.
Wer ist Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Marc Aurel, Feldherr und/insbesondere Philosoph.
Warum ist es ein toller Job, gerade auf Fehmarn Bürgermeister/in zu sein?
Sicher ist es auch reizvoll an anderen Orten operative Verantwortung als Bürgermeister zu übernehmen, doch da Fehmarn meine Heimat geworden ist, ich in zehn Jahren der intensiven politischen Arbeit die Menschen und das Land wertschätzen durfte, möchte ich hier, nur hier, diese Aufgabe wahrnehmen.
Was dürfen die Mitarbeiter der Verwaltung von Ihnen erwarten?
Die Frage zielt auf meine nicht vorhandene Verwaltungslaufbahn ab. Ich möchte an dieser Stelle ein lebensnahes Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit anmerken. Der erste Bürgermeister in Rostock (ohne deutschen Pass) wurde 2019 als Inhaber einer regionalen Möbelhauskette zum Verwaltungsoberhaupt gewählt. Von jetzt auf gleich wurde er Chef einer mehreren Tausend Mitarbeiter zählenden Verwaltung. Was ich damit sagen möchte? Nun, es ist offensichtlich, dass ich nicht wissen muss, wie ein Gebührenbescheid über Sondernutzung erstellt wird. Vielmehr geht es um den Respekt und die Wertschätzung und die Fähigkeit, dass sich Mitarbeiter als Teil eines Teams begreifen, das tagtäglich motiviert ihren Bürgerauftrag im Sinne einer Dienstleistung am Kunden auffassen. Hierfür bringe ich die nötige Menschenkenntnis, Empathie und Motivationsfähigkeit aufgrund meines Werdegangs mit ins Rathaus. In Einzelgesprächen auf Augenhöhe gilt es, zusammen mit den Mitarbeitern die richtigen Fragen zu stellen. „Woher komme ich? Wo stehe ich? Wo will ich hin? Warum tue ich das? Wo liegen meine Stärken? Wo meine Schwächen? Was kann ich verbessern?“
Was wäre Ihre erste politische Maßnahme? 
Aufhebung des Stadtvertreterbeschlusses zur Beltquerung und Neuformulierung mit Schwerpunkt auf proaktiver Verhandlungsaktivität. Gespräche mit allen Mitarbeitern. FachbereichsleiterWeiterbildung zum Thema nachhaltige Kommune. Gespräche mit Gewerbetreibenden (ABA et cetera) und Investoren. Bürgerversammlung einberufen lassen! Schaffung einer städtischen behindertengerechten Wohnung. Rettungskonzept Belt- und Sundquerung mit maximalen finanziellen und strukturellen Vorteilen für Fehmarn verhandeln (Einzelbefragung der Feuerwehr zur Bereitschaft/Planung/Umsetzung). Amalienhofer Behelfsbrücke verhandeln. Herrn Behncke wörtlich nehmen bei seiner Formulierung „sanfter Tourismus“ und das Thema sinnstiftender nachhaltiger Tourismus erörtern. Für ein inselweites Mobilitätskonzept (dies ist ein Prozess, der stetig überprüft werden muss) für ruhenden und fließenden Verkehr mit externen Anbietern sprechen. Abläufe und Priorisierungen im Bauamt hinterfragen.
Fehmarn wird zur Baustelle, steht in den kommenden Jahren vor bedeutsamen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Festen Fehmarnbeltquerung. Ziehen Sie gegenüber Vorhabenträgern, Land und Bund eher die Samthandschuhe an oder wollen Sie klare Kante zeigen?
Ganz klar: Klare Kante. Proaktiv mit den zuständigen Behörden/Vorhabenträgern alles für Menschen, Natur und Wirtschaft auch auf lange Sicht herausverhandeln.
Fachkräftemangel ist auch in der öffentlichen Verwaltung gerade in ländlichen Regionen längst ein Thema. Wie wollen Sie als Verwaltungschef als attraktiver Arbeitgeber beim vorhandenen Personal und der Suche nach neuen Mitarbeitern punkten?
Die Verwaltung zu einem attraktiven Arbeitgeber machen. Digitalisierung, Teamverbundenheit, Leidenschaft für die bestehenden und kommenden Aufgaben wecken, (Kreativ-)Potenzial der Mitarbeiter abrufen, Wertschätzung vermitteln, respektvollen Umgang pflegen.
Spätestens ab 2030 will Fehmarn klimaneutral agieren. In den nächsten sechs Jahren wird diese Maxime also das politische Handeln bestimmen. Welche Rolle spielt dabei der Chef im Rathaus? Was sehen Sie als Ihre vordergründigste Aufgabe, um das Ziel zu erreichen?
Mithilfe der Verwaltung argumentativ Politik zum Umdenken bringen. Das bedeutet konstruktive streitbare Gespräche. Politik an die „strategischen“ Ziele erinnern und dafür sorgen, dass diese durch sie selbst hervorgerufene Handlungsmaxime einhält. Priorisierungen im Bauamt hinterfragen.
Der Tourismus auf Fehmarn boomt, was Vor- und Nachteile mit sich bringt. Was sind in diesem Zusammenhang die zwei dringendsten Probleme, und wie können diese beantwortet werden?
Vor- und Nachteile sind für jede/n sicht- und spürbar. Wir müssen uns auf eine wirklich nachhaltige neue Tourismusstrategie mit allen Akteuren verständigen. Was versteht Herr Behncke unter „sanfter Tourismus“, den er fordert, gleichzeitig ein 800-Betten-Haus am Südstrand möchte. Das müssen wir klären.
Am Südstrand könnte auf der Spielwiese mittelfristig ein weiteres Hotel entstehen ebenso westlich der Strandburg. Auf der anderen Seite muss sich in Meeschendorf ein geplanter Hotelbau einem Bürgerentscheid stellen. Fehmarn braucht mehr Hotels. Stimmt die Aussage noch?
Nein.
Meeschendorf, ja, aber deutlich schlanker.
Südstrand, nein.
Fehmarns Verwaltung der Zukunft – wie sieht diese für Sie aus?
Digital und bürgerfreundlich. Der Bürger ist „Kunde“. Um diese muss ich/man kämpfen. Räumlich braucht es eine Raumbedarfsberechnung. Die Pandemie hat gezeigt, dass rund 30 Prozent im Homeoffice erledigt werden können. Demnach kann ich umbauten Büroraum einsparen.
Kann die Bürgerbeteiligung bei politischen Entscheidungsprozessen optimiert werden? Wenn ja, wie?
Also, grundsätzlich erhoffe ich mir weit mehr Bürgerbeteiligung. Dass Bedarf vorhanden ist, zeigen Initiativen und Bürgerbegehren. Ich möchte die Voraussetzungen hierfür schaffen. Das fängt an mit motivierenden persönlichen Gesprächen zur Einmischung, geht über Bürgersprechstunden und Bürgerversammlungen bis hin zu der Schaffung von der nötigen Infrastruktur dieses Prozesses. Grundlagen und Leitlinien findet man unter „Qualitätskriterien kommunaler Bürgerbeteiligungen“. Wir müssen das Rad in vielerlei Hinsicht nicht neu erfinden. Es braucht den politischen und gesellschaftlichen, mehrheitlichen deutlichen Willen, dass Veränderung möglich ist.
Wie sieht Ihre Vision für Fehmarn bis 2030 aus?
2030 ist Fehmarn auf einem von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit getragenen Weg. Grad der Mobilität steigt, nachhaltiger Tourismus wird umgesetzt, negative Auswirkungen der Belt- und Sundquerung sind „geräuschlos“, Klimaneutralität ist fast geschafft, Gesellschaft erfreut sich am Vereinsleben, Innenstadt blüht auf, Gesundheits- und Pflegesektor sind mittragende Säulen einer florierenden Wirtschaft, jede/r, der eine Wohnung sucht, findet auch eine für sie/ihn preislich passende.

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