Die Kandidaten und der Moderator auf der Bühne
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Das Team um RSH-Moderator Carsten Kock war zur Kandidatenvorstellung in der Großsporthalle mit umfangreichem Equipment angereist.

Vorstellungsrunde der Bewerber aufgezeichnet

Bürgermeisterwahl Fehmarn: Bewerber stehen Rede und Antwort

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Am Sonnabend wurde die offizielle Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl auf Fehmarn aufgezeichnet. Die Fehmaraner wählen am 7. März (Sonnabend) einen neuen Verwaltungschef.

  • Coronabedingt war kein Live-Format möglich.
  • Moderator Carsten Kock sorgte für eine gelöste Stimmung.
  • Wahlleiter Jan Stender zog positives Fazit.

Fehmarn – Es ist der Höhepunkt eines jeden Bürgermeisterwahlkampfes – die offizielle Kandidatenvorstellung. Bevor Fehmarns Bürgerinnen und Bürger am 7. März (Sonntag) zur Wahlurne schreiten und darüber abstimmen, wer ab 1. Mai 2021 für sechs Jahre Chef beziehungsweise Chefin der Verwaltung wird, bestand am Sonnabend noch einmal die Gelegenheit, die Bewerber und ihre Ziele näher kennenzulernen. Coronabedingt war kein Live-Format möglich, sodass die rund 150-minütige Veranstaltung in der Großsporthalle aufgezeichnet wurde und das Video seit Sonnabendnachmittag auf der Homepage der Stadt Fehmarn unter www.stadtfehmarn.de abgerufen werden kann.

Moderator der Kandidatenrunde war wie schon vor sechs Jahren Carsten Kock, Chefkorrespondent von Radio Schleswig-Holstein. Vor sechs Jahren sorgte der prämierte Moderator in der Großsporthalle selbst für Schlagzeilen, als ihm im Laufe der Veranstaltung die Hosennaht platzte. Am Sonnabend hatte er vorgebeugt und sich in einer stabilen Jeans gezeigt.

Vier der fünf Kandidaten konnte Kock auf dem Podium begrüßen: Marco Eberle (Grüne), Doris Klemptner (parteilos), Amtsinhaber Jörg Weber (SPD) sowie Einzelbewerber Thomas Weber. Nicht dabei Manuel von Schalscha-Ehrenfeld (FDP), der im Vorwege abgesagt hatte, da die rund 10000 Euro kostende Veranstaltung dem Steuerzahler zu teuer kommen würde (wir berichteten). Kock vergaß natürlich nicht, den FDP-Kandidaten als eine der fünf Wahloptionen zu erwähnen. Hinsichtlich der Kosten verwies er aber auch auf das umfangreiche Equipment, das für solch eine Veranstaltung benötigt würde. Und in einem Nebensatz versicherte er, dass er auch nicht wieder mit einem Porsche von der Insel runterfahren würde.

Nervosität schnell verflogen

Ein gewisses Maß an Entertainerqualität gehört halt dazu, um in gelöster Atmosphäre den Kandidaten ein wenig auf den Zahn fühlen zu können. Kock gab sein Bestes, sorgte auf dem Podium für eine gelöste Stimmung, sodass die Anfangsnervosität der Kandidaten recht schnell verflogen war. Jeder der Bewerber um das Bürgermeisteramt bekam zunächst die Gelegenheit, sich in einem vierminütigen Beitrag kurz vorzustellen. Die Reihenfolge war zuvor per Los festgelegt worden, sodass Thomas Weber zuerst loslegte, gefolgt von Marco Eberle, Jörg Weber und Doris Klemptner.

Knapp die Hälfte der Fragen eingebaut.

Moderator Carsten Kock

Im Anschluss ging es dann ans Eingemachte, als vom Moderator die Themenkomplexe Wirtschaft, Infrastruktur und Tourismus  aufgerufen wurden. In jeden Block eingewoben waren Fragen der Bürger, die diese im Vorwege per E-Mail einreichen konnten. Rund 70 bis 80 Fragen hätten ihn erreicht, so Kock, der schätzt, dass er etwa „knapp die Hälfte“ in die Kandidatenbefragung hat einbauen können.

Es wurde schnell deutlich, dass die Themenblöcke nicht streng voneinander getrennt werden können, Wirtschaft und Tourismus auf der Insel sind eng verflochten, die Infrastruktur spielt ebenfalls in beide Bereiche hinein. So hält Marco Eberle verstärkte Investitionen in den Gesundheits- und Pflegebereich für zielführend, beispielsweise mit der Errichtung einer Pflegeschule, während Doris Klemptner sich viel verspricht von der Ansiedlung eines Mini-Campus. So könne sie sich vorstellen, eine Außenstelle der Kieler Uni zu implementieren, vielleicht in der Algenforschung. Bürgermeister Jörg Weber sieht große Chancen, digitale Dienstleister auf die Insel zu holen, wenn der mit dem Zweckverband Ostholstein (ZVO) forcierte Breitbandausbau abgeschlossen wird. Thomas Weber verspricht sich viel von der Sicherung der drei großen Säulen Tourismus, Handel und Landwirtschaft sowie Bereitstellung von Gewerbeflächen.

In Sachen Tourismus sehen Thomas Weber, Marco Eberle und Doris Klemptner hinsichtlich Quantität die „verträglichen Grenzen“ auf der Insel erreicht. Qualitativ gebe es weiterhin Verbesserungsbedarf. Marco Eberle mahnte zudem ein neues und nachhaltiges Tourismuskonzept an, Doris Klemptner forderte eine Bedarfsanalyse. Jörg Weber sieht noch Potenzial für die Vor- und Nachsaison, auch bei Hotelbetten, sagt jedoch, dass bei Ferienwohnungen ganz klar das Limit erreicht sei. Für alle wichtig: Dauerwohnraum darf nicht mehr umgenutzt werden für Ferienvermietung. Das gehe mit einer Erhaltungssatzung, wo ein B-Plan existiert. Doris Klemptner brachte ferner eine sogenannte „Zweckentfremdungssatzung“ ins Spiel.

Das Thema Infrastruktur ist ein weites Feld. Thomas Weber nannte neben weiteren Aspekten beispielhaft die Sanierung der maroden Straßen, Doris Klemptner wie Jörg Weber brachten unter anderem die Schaffung von Wohnraum ins Spiel, während Marco Eberle mit Sorge auf die begrenzte Wasserversorgung verwies.

Nach der Veranstaltung zog Wahlleiter Jan Stender ein positives Fazit. Besser hätte es aus Sicht der Stadt Fehmarn nicht laufen können, alle hätten bei diesem Online-Format das Beste herausgeholt. Und auch Carsten Kock blickte recht zufrieden in den Rückspiegel. Er hätte sich mitunter in der Runde zwar etwas mehr Reibung gewünscht, er verteilte unterm Strich aber die Note zwei für die Kandidatenvorstellung.

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