Jecken waren außer Rand und Band, feierten Prinzenpaar und Herold und tanzten durch die Nacht

Büttenreden mit Jacke und Geld

Sie hatten den goldenen Schlüssel, hatten die Staatsmacht für eine lange Narrennacht: das Prinzenpaar Beate Lehmberg und André Haye sowie Herold Sönke Thomsen. „Euer Bürgermeister findet’s sehr gut, kann er beruhigt schlafen, ganz ohne Disput“, freute sich Otto-Uwe Schmiedt (r.) mit der Jeckengemeinde im Rathaus. Hier wurde geschunkelt, gesungen und gelacht.

BURG (nic) • Statt Narrenkappe stieg Otto-Uwe Schmiedt mit Feuerwehrhelm in die Bütt. Sicher ist sicher. „Für den Bürgermeister geht es nun ins letzte Drittel, noch steht er gut, der Bürgermeisterkittel, doch ab und zu gibt’s Druck von oben, da hilft der Helm, das muss man loben.“

Ach so. Daher wehte der Wind. Klar, war ja auch nicht anzunehmen, dass am Sonnabend von anderer Seite etwas zu befürchten gewesen wäre. Das Jeckenvolk, das sich zu Scharen im Rathaus eingefunden hatte, um sich bei Sekt und Karnevalsmelodien bis zu den Büttenreden in Stimmung zu bringen, führte eindeutig nichts im Schilde. Die einzigen karnevalistischen „Angriffe“ der ausgelassenen Gesellschaft, die sang und schunkelte, kamen in Form von Luftschlangen und Konfetti daher.

"Echtes Geld, keine Farbkopien"

Der Helm hatte seine Bewandtnis, es ging, richtig, um die Wehr. Und ihren bekanntlich aktuellen Wunsch: eine Wärmebildkamera. Nur seien die Kassen leer, so Schmiedt, und reimte: „Die Wehren, die sammeln nun volle Pulle, auch der Bürgermeister spendet aus der Privatschatulle.“ Sprach’s, und heftete Burgs Wehrführer Friedrich Rathjen den am Sonnabend wohl begehrtesten „Orden“ an die Brust. Ein Fächer Geld, „echtes, keine Farbkopien“, wie Schmiedt ausdrücklich darauf aufmerksam machte und Rathjen damit gleichermaßen „den Ernst der Lage“ der anstehenden Narrennacht aufzeigte. Denn gleich ob Friedrich Rathjen nun der beste Tänzer unter der Sonne sein möge oder nicht – mit Geldorden an der Brust wäre er mit Sicherheit der begehrteste Mann des Abends. Das wurde ihm schnell klar, als der „Orden“ mit Verwendungszweck Wärmebildkamera angesteckt war. „Ich will mit dir tanzen“, schmiss sich augenblicklich eine Närrin verbal an Rathjen ran. Der hielt den Ball flach: „Tanzen können wir gerne, aber Finger weg von meiner Brust.“ War das auch geklärt.

Ein dreifach „Fehmarn Helau“, und weiter ging’s. „Unser Chef, der Bürgermeister, hat zwar schon einen Helm, der ihn schützt, aber für Brust und Rücken wenig nützt“, so der Wehrführer wenig später. Und half Schmiedt in seine neue gelbe Jacke. Hinten drauf steht „Bürgermeister“. „Steht da wirklich Bürgermeister drauf?“ Aber ja. Schmiedt war begeistert, ließ die Jacke noch ein wenig an.

Kurtaxe, Windkraft und Denkmalschutz

Welche Themen hatten sich Schmiedt und Rathjen mit Blick durch die Narrenbrille wohl diesmal vorgenommen? Die Jecken waren gespannt.

Gesundheitsreform und Mehrwertsteuer hatte der Bürgermeister am Wickel. „Stürmisch“ ging er die jüngsten Orkane an. „Nun gab es nach ‚Kyrill‘ Disput, was tut dem Küstenschutz nur gut, Fehmarn ist nun mal Insel aus Gottes Hand, und Sylt ein Wellenbrecher für das Schleswig-Holstein-Land. Deshalb reist die Landespolitik nach Sylt zum Strand, und setzt Millionen in den Sand, aber hallo, wir auf Fehmarn haben auch Probleme, schön wäre, wenn auch einer mit Geld hierher käme.“

Ein dreifaches Fehmaraner „Helau“ auf die Kieler Politiker. Das gab es auch für die „karnevalistischen Entwicklungsländer am Rhein, in Düsseldorf und in Aachen“.

Recht so, diese kleine Spitze, denn besser als im Burger Rathaus hätte die Stimmung dort auch nicht sein können.

Zu den Klängen von Heinz Oeverdiek schunkelten sich die zahlreichen Närrinnen und Narren, die bereits die Treppe hinauf zum altehrwürdigen Sitzungssaal mit Beschlag belegten, in Rage.

Noch ein Sektchen, Prösterchen, und dann noch mal kräftig „Helau“.

„Das Klima wird sich verändern“

Nach dem Jahr der Fußball-WM im deutschen Land und Bronze, nun Gold für die Handballer, „made in Germany“. Und zum Abschluss noch das Klima. „Das Klima wird sich bald verändern, die Palmen wachsen dann in nördlichen Ländern, den Skiurlaub kann man sich dann spar’n, und gleich nach Fehmarn in Urlaub fahr’n.“ Schmiedt erwarte als Tourist hier dann so manchen Scheich, „die haben Dollar und machen uns reich.“ Mit der Aussicht, dass dann alle Steuern komplett gestrichen würden, machte Schmiedt die Bütt für Wehrführer Friedrich Rathjen frei. Und der hielt „Geschichten von der Insel, von Politik und aus aller Welt“ für die Narrenschar bereit.

Zuerst die Welt, dann Fehmarn. Das Thema Klima nahm er sich zur Brust, warf ein Schlaglicht auf den jüngsten Gipfel. „Dazu haben sie sich neulich alle getroffen und festgestellt, wenn’s so weitergeht, ist die halbe Welt bald abgesoffen.“ Doch wer könnte der Retter sein? Ede Stoiber aus dem Bayernland vielleicht? „Hört mal seinen Kommentar: Ja, äh, ich äh meine hm Welt, Klima was was was äh soll soll das äh sein? Gibt’s außer Bayern noch anderes, das wird nicht leicht“, parodierte Rathjen.

Er zog in dieser Angelegenheit noch ein wenig Michael Jackson und Angela Merkel durch den Kakao – bis er bei George W. Bush landete. Der meistere das Problem mit

Sicherheit grandios. „Eine Rede an das Volk vor Flagge mit Stars und Stripes, ein Krieglein hier, ein bisschen Gottvertrauen da, und schon wird das Wunder wahr. Die Winter sind wieder kalt wie früher, der Wind bläst nur noch halb so stark, ach, wie ich doch Amerika so gerne mag.“

Doch schnell von dort auf den Knust gejettet und dem vergangenen Insel-Jahr noch einmal den Spiegel vorgehalten. Hier einige Auszüge.

Januar: „Die Windmüller repowern unterm Sund ein Kabel für ganz viel Geld, ob da ach was für uns Bürger abfällt?“

Im März ging’s um die Kurtaxe: „Im Grünen bei frischer Luft nach Raps und Gras, bringt der Urlaub doppelt Spaß. In der Stadt bei Lärm und Verkehr, erholt man sich aber mehr. Also Kurtaxe dann ganz gerecht, der Burger Gast auch mehr blecht. Das versteh’ wer will. Hatten wir vielleicht doch schon – April?“ Hier erinnerte Rathjen an das 150-jährige Bestehen des Feh- marnschen Tageblattes, hatte für Mai das Thema zentrale Abwasserversorgung durch den ZVO auf dem Kieker, freute sich in seiner Juni-Rückbetrachtung über die Fußball-WM im eigenen Land und das Costa Rica-Spiel auf dem Mellenthinplatz, erwähnte, für Juli, die Modelleisenbahn am Ortseingang.

„Vernarrt in eine Betonmauer“

Die verregnete „Carmen“-Aufführung aber vor allem die Post hatten im August seine Aufmerksamkeit erregt: „Die Post macht zu, da geht nichts mehr, zu wenig Personal, da fällt das Arbeiten schwer. Privatisierung heißt der Einspar-Clou, macht die Post vielleicht bald ganz zu?“

Im September das Jimi-Hendrix-Revival und im Oktober – das Thema Denkmalschutz: „Im Oktober, da wurde es richtig hart, die Denkmalschützer waren in eine Betonmauer vernarrt. Am Schwimmbad in Burgtiefe längst entfernt, soll sie jetzt an gleicher Stelle wieder hin, erkennt da jemand einen Sinn?“ „Nein“ und „Helau“ schallte es ihm entgegen. Und im November? „Und mit Donnerschlag kommt ein Interessenverband, von wo, natürlich von Fehmarn-Land. Kurtaxe blechen, Gästezahlen offenlegen, das kann nicht gehen. Da muss man sich doch wehren. Mit einer Idee neu und frisch, ist die Kurtaxe schnell vom Tisch. Freiwilligkeit statt Verwaltungssumpf, das ist der große Trumpf, 500000 Euro eingesammelt und überwiesen, hilft dem Kurbetrieb aus den Miesen, ich muss sagen, das hat Stil, das ist toll, das macht unsere Kasse voll.“

Apropos voll. Das Stichwort. Es war der 125. Inselkarneval, zu dem die Burger Wehr am Sonnabend eingeladen hatte, und das wollte sich einfach niemand entgehen lassen. Schon die Kleinsten verstanden es am Nachmittag ausgelassen im Festzelt zu feiern. Rund 600 kleine Närrinnen und Narren in großer Begleitung „hotteten“ so richtig zum Programm von Stephan Nanz auf der Tanzfläche ab.

Bis zum Eintreffen des Spielmannszuges, des Kinderkarneval-Prinzenpaares und der Kinderfunken unter der Leitung von Tanztrainerin Katja Heym gab es Tanzspiele, Schokokuss-Wettessen und immer wieder unters Volk gebrachte Süßigkeiten.

Dann hatten sie ihren Auftritt, gehörte die Showbühne Prinzessin Hanne Neuwohner und Prinz Mika Stiehr. Die Kinderfunken Jule Spohr, Jenny Schäckermann, Melanie Lenhard, Suzan Kloos, Christin Hahn und Manou Bartels zeigten ebenso wie eine Kindertanzgruppe des Großenbroder Fitnessstudios „Enorm in Form“, ihre einstudierten Choreografien. Schon da war ordentlich „Remmidemmi“ im Zelt. Hier übernahmen am Abend und in der Nacht die großen Jecken das Zepter der fröhlichen Ausgelassenheit. Es  wurde gefeiert, bis die Schwarte krachte. Und

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