„Sprungbrett“ in ein normales Leben

WG in Burg: Letzte Chance für Süchtige

Das ATS-Team im Nordkreis (hinten v.l.): Annette Schwager, Minna Gerdes, Heiko Sievert; vorne: Arne Riedel, Team-Verantwortliche Julia Braun.

Von Peter LöbenbrückFEHMARN • Die Ambulante und Teilstationäre Suchthilfe (ATS) in Nord-Ostholstein hat im vergangenen Jahr ihre Präventions-, Beratungs- und Betreuungsangebote erweitert: In therapeutischen Wohngemeinschaften auf Fehmarn und – ganz neu – in Oldenburg sollen Suchtkranke wieder an einen geregelten Tagesablauf gewöhnt werden.

Nach oft jahrelangem Drogenkonsum, der fast immer in die Arbeitslosigkeit und nicht selten in die Obdachlosigkeit führt, ist eine Entgiftungskur der erste Schritt für die Betroffenen, wieder in die Gesellschaft zu finden. Aber was passiert danach? Kein Job, keine Wohnung, kein Antrieb, keine Perspektive – und wieder verspricht die Flasche, der Joint oder Härteres eine vermeintliche Linderung der Sorgen.

Das ATS-Projekt „Sprungbrett“ setzt hier an. Von Fachleuten teilstationär betreute Wohngemeinschaften in Segeberg, Plön und Ostholstein bieten den Suchtkranken nicht nur ein Dach über dem Kopf. Die „Klienten“ sollen bei der Verfolgung ihres Ziels unterstützt werden, clean zu werden bzw. zu bleiben, indem sie wieder an einen geregelten Tagesablauf mit Arbeit, Haushalt und Freizeit gewöhnt werden. Denn viele Süchtige haben keinen Bezug mehr zu Regelmäßigkeit, Verpflichtung, Verantwortung, Lebensfreude. Alle 75 Wohnplätze sind belegt.

Auf Fehmarn wird das vom Kreis finanzierte Projekt von der ATS und dem Rehabilitationszentrum „Life Challange“ gemeinsam betreut. Es gibt eine WG in Burg – hier leben seit Januar 2006 zwei alkoholkranke Fehmaraner – und eine in Dänschendorf, wo derzeit vier Männer leben.

Der Tag ist klar durchstrukturiert. Immer zur selben Zeit aufzustehen, und zwar nicht erst mittags – ein Novum für die Bewohner. Ein Haushaltsplan regelt bei Bedarf, wer wann die Küche oder das Bad, sein eigenes Zimmer, ja, sogar sich selbst zu reinigen hat. Einige Bewohner waren vor ihrem Einzug stark verwahrlost. Das so genannte Arbeits-training in den Werkstätten von „Life Challange“ soll den Sinn von Arbeit als Konstante im Leben – und somit als Alternative zu den Drogen – wieder vergegenwärtigen. „Die Klienten haben den geregelten Tagesablauf während ihrer Sucht schlichtweg verlernt“, sagt Diplom-Sozialpädagoge Heiko Sievert, der zusammen mit Suchttherapeut Arne Riedel und Diplom-Pädagogin Julia Braun die Burger WG betreut. Und auch in ihrer Freizeitgestaltung werden die Bewohner unterstützt. „Wir machen zum Beispiel gemein- same Ausflüge, um hoffentlich zu zeigen, dass so etwas Spaß macht“, so Sievert.

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