Burger Klassiktage in der St.-Nicolai-Kirche
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Ian Mardon (l.) und Andrea Merlo sind in der St.-Nicolai-Kirche in ihrem Element beim ersten Konzert der diesjährigen Burger Klassiktage.

Burger Klassiktage: Start mit Violin- und Klavierkonzert

  • Simone Walper
    VonSimone Walper
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In der St.-Nicolai-Kirche feierten die Burger Klassiktage ihren Auftakt. Geiger Ian Mardon und Pianist Andrea Merlo verzauberten die Ohren der nur wenigen Zuschauer mit ihrem Können.

  • Nur etwa 40 Zuschauer sind zu der Auftaktveranstaltung gekommen.
  • Das Thema an diesem Abend war die Stadt Leipzig als Zentrum der Musik.
  • 34 Sponsoren machen die Burger Klassiktage möglich

Fehmarn – Am Sonnabendabend war die Burger St.-Nikolai-Kirche wieder einmal Schauplatz für exquisiten Hörgenuss. Zum Auftaktkonzert der Burger Klassiktage unter dem Motto „Musikalische Metropolen“ hatte der Tourismus-Service Fehmarn (TSF) den kanadischen Geiger Ian Mardon und den italienischen Pianisten Andrea Merlo auf die Insel gebeten. Leider wurde die Anzahl der Besucher dem hochkarätigen Konzert in keinster Weise gerecht. Es hatten sich nur etwa 40 Zuhörer auf den Weg gemacht.

Für Ian Mardon war es nicht der erste Besuch auf Fehmarn. Wie er in nahezu perfektem Deutsch wissen ließ, sei er schon zuvor zu Konzerten auf der Insel gewesen. Bevor die beiden Musiker ihr Können unter Beweis stellten und das Publikum mit ihrer Leidenschaft für die Musik in ihren Bann zogen, gab Musikwissenschaftlerin Dr. Andrea Susanne Opielka, wie bei den Burger Klassiktagen üblich, in ihrer Konzerteinführung Einblicke in die zu hörenden Werke und deren Komponisten sowie eine musikgeschichtliche Einordnung.

Auf dem Programm stand an diesem Abend Leipzig. So erläuterte Dr. Opielka, dass sich die Handels- und Messestadt im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Zentrum der Musik entwickelt habe und für die Romantik stehe. Auch habe das Gewandhausorchester der Stadt einen Ruf als kulturelle Metropole verliehen. Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) habe das musikalische Leben in Leipzig sehr geprägt, fuhr die Musikwissenschaftlerin fort. Schon mit elf Jahren habe er 60 Stücke geschrieben und sei bereits mit 26 Jahren Direktor des Gewandhausorchesters geworden. Weiter führte sie aus, dass das Leipziger Konservatorium junge Musikstudenten angezogen habe, darunter den Norweger Edvard Grieg (1843-1907), dessen Vater ein wohlhabender Kaufmann und dessen Mutter eine bekannte Pianistin und Klavierlehrerin gewesen sei. Bereits mit 15 Jahren sei er zum Studium des Klaviers und der Komposition nach Leipzig gekommen und Zeit seines Lebens, obwohl er sich später negativ über seine Ausbildung am Konservatorium geäußert habe, immer wieder gern zurückgekehrt. In Leipzig habe er auch Brahms und Tschaikowsky kennengelernt.

Auch Stücke des Komponisten Heinrich Wilhelm Ernst

Der dritte Komponist im Bunde beim Auftaktkonzert war der Österreicher Heinrich Wilhelm Ernst (1814-1865), der, so Dr. Opielka, zu seiner Zeit ein gefeierter Violinvirtuose gewesen sei, aber auch komponiert habe. Zum ersten Mal öffentlich aufgetreten sei er als Neunjähriger. Paganini sei sein Vorbild gewesen. Dazu berichtete im Laufe des Konzerts Ian Mardon von der Anekdote, dass Ernst es geschafft habe, sich in einem Hotel im Nebenzimmer von Paganini einzuquartieren, und dessen musikalische Vorbereitung auf ein Konzert minutiös aufgeschrieben und selbst so gut geübt habe, dass er das Stück nach einer Woche beherrscht habe.

Als musikalischen Auftakt spielten Ian Mardon und Andrea Merlo Mendelssohns erste Sonate für Violine und Klavier in F-Dur, die er bereits als 17-Jähriger komponiert hatte, die jedoch nie veröffentlicht wurde. Der berühmte Geiger, Bratschist und Dirigent, Yehudi Menuhin, hat sie 1953 wiederentdeckt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jener Lord Yehudi Menuhin, der, viele Fehmaraner erinnern sich, 1998 selbst bereits auf Fehmarn weilte. Seinerzeit mit einem Konzert, auf Tour mit dem Sinfonieorchester Sinfonia Varsovia, mit Justus Frantz im 2008 abgebrannten Sportpark Burgtiefe. Rund 2000 restlos begeisterte Klassikfans nahmen es dem Weltstar seinerzeit nicht krumm, dass er sein Publikum hatte warten lassen: Yehudi Menuhin hatte in Burgstaaken ein leckeres Fischbrötchen gegessen und dabei die Zeit vergessen.

Zurück zum Konzertabend. „Warum Mendelssohn diese Sonate nicht veröffentlichen wollte, wird wohl ein Rätsel bleiben“, so Dr. Opielka.

Nach dem wunderschönen Beginn – es fragte sich ein jeder jetzt wohl selbst, warum Mendelssohn seiner Sonate kein öffentliches Gehör verschaffen wollte – leitete Ian Mardon über zu Heinrich Wilhelm Ernst und erklärte, dass seine Elegie op. 10 zu Lebzeiten sein beliebtestes Werk gewesen sei, das er überall spielen musste. Einmal sei er bei Königin Victoria von England zum Essen eingeladen gewesen. Diese habe ihn bei seiner Ankunft gefragt, wo denn seine Geige sei. Er habe geantwortet, dass er doch zum Essen und nicht zum Spielen bei ihr eingeladen sei. Im Laufe des Abends habe er schließlich nach gutem Essen und einigem Wein dann doch noch gespielt

„Der Erlkönig“ als Solo

Zunächst spielten die beiden Musiker Ernsts Rondo grazioso, bei welchem man sich nur allzu lebhaft die tanzenden Paare bei Hofe vorstellen konnte. Die schwermütigere Elegie im Anschluss war nicht minder schön. Wie es Dr. Opielka in ihrer Einführung formuliert hatte: „Ernsts Musik ist voll Wärme, Poesie und Geist.“

Vor einer kleinen Pause brillierte Ian Mardon mit seinem Solo „Der Erlkönig“, für das Ernst Schuberts Vertonung des gleichnamigen Gedichtes von Goethe für die Violine arrangiert hatte.

Der letzte Konzertteil war Edvard Grieg gewidmet, und so fühlte man sich bei der Sonate für Violine und Klavier in c-Moll denn auch ins Land der Feen und Trolle versetzt. Gefühlvoll, schwungvoll ließen Ian Mardon und Andrea Merlo ihre Finger über die Saiten und die Tasten gleiten, laufen und hüpfen. Ein genussvolles musikalisches Feuerwerk. Nach viel Applaus verabschiedeten sich die begnadeten Musiker mit einem wunderschön interpretierten „Nocturne“ von Chopin.

Tourismusdirektor Oliver Behncke bedankte sich bei den 34 Sponsoren, die die Burger Klassiktage erst möglich machten, und bei der Kirchengemeinde St. Nikolai, dass sie auch in diesem Jahr die Kirche als Konzertsaal zur Verfügung stelle.

Für die kommenden beiden Konzerte im Rahmen der Burger Klassiktage wünschen sich die Veranstalter mehr Zuspruch. Als Nächstes steht am Sonntag (8. Mai) um 19.30 Uhr ein Klavierkonzert der russischen Pianistin Anna Khomichko auf dem Programm. Karten sind beim TSF sowie in den beiden Buchhandlungen Niederlechner und Sonnenseiten erhältlich.

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