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Denkmalpflege beim Marktplatz in Burg bereitet Sorge

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Von: Andreas Höppner

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Fehmarn Marktplatz Burg Machtbarkeitsstudie
Das Kopfsteinpflaster verleiht dem Marktplatz in Burg Charakter, doch vor allem für viele ältere Einwohner erschwert der unebene Boden das Gehen mit dem Rollator und anderen Hilfen. © Hans-Jörg Meckes

Die barrierefreie Umgestaltung des Burger Marktplatzes scheint zu einer immer größeren Hürde zu werden. Probleme gibt es laut Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber gerade mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Fehmarn – Wenn bei einer Frühstücksveranstaltung des Seniorenbeirats das Geschirr zur Neige geht, bevor jeder Gast einen Teller auf dem Tisch vor sich hat, dann muss Vorsitzende Francesca Caci Jahn schon einen interessanten Gesprächspartner eingeladen haben. Gestern war die Ostdeutsche Stube im Haus im Stadtpark mit 50 bis 60 Personen bis auf den letzten Platz besetzt. Freiraum gab es eben nur auf den Tischen, mangels Geschirr. Zu Gast war Bürgermeister Jörg Weber, der ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte und vor allem die Fragen der Fehmaraner beantwortete.

Notfalls den Klageweg beschreiten

Nach seinen einleitenden Worten, in denen Weber auf die infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine nicht ausbleibenden gesamtwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen in Deutschland verwies, stand einmal mehr die geplante Umgestaltung des historischen Marktplatzes in Burg im Fokus. Hier scheint der Geduldsfaden der Stadt Fehmarn gerissen. „Da werden wir nicht lockerlassen“, versicherte Weber mit Blick auf den sich querstellenden Denkmalschutz. „Das war die schlimmste Veranstaltung, die ich je hatte“, wurde der Bürgermeister deutlich und berichtete von der Uneinsichtigkeit des Landesamtes für Denkmalpflege, deren Vertreterin bei einer Begehung, an der auch Behindertenbeauftragte Elwine Sievers-Tilsen teilgenommen hatte, gesagt habe, dass nicht jeder Mensch überall hinkommen müsse. Für ihn, so Weber, gelte jedoch die Devise „Barrierefreiheit geht vor Denkmalschutz“.

Man habe ja schon Geld für die Planung in den Haushalt eingestellt und werde nun auch beim Kreis Ostholstein einen Antrag auf Umgestaltung des Marktplatzes stellen, versicherte Weber, der allerdings befürchtet, dass „es ein Marathonlauf wird“, an dessen Ende auch eine Klage stehen könnte.

Weber: „Die stehen unter Naturschutz“

Ein weiteres Ärgernis, das die Bürger plagt, ist die Zunahme der Krähen, die sich vor allem in den Wipfeln der Bäume im Stadtpark eingenistet haben. Nicht nur der Lärm, sondern auch die Verunreinigung der Wege durch Vogelkot nervt die Bürger. „Die stehen unter Naturschutz“, unterstrich der Bürgermeister, dass den Vögeln nur schwer beizukommen sei. Allerdings kündigte Weber an, dass die Stadt Fehmarn nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises einige Nester der Krähen umsiedeln dürfe. Mithilfe eines Krans solle das Anfang Februar erfolgen. Es könne einfach nicht sein, dass dieser Vogelkot, ein Hygienerisiko, in eine angrenzende Arztpraxis hineingetragen werde, so Weber, der sich aber keinen Illusionen hingibt und sagt: „So lange die Krähen unter Naturschutz stehen, werden wir sie nicht in den Griff kriegen.“ Gleichzeitig versicherte er, dass die Stadt keinen Baum absägen und keine Vögel ohne Genehmigung vergrämen werde.

Die Besucher des Seniorenfrühstücks machten auch fleißig Gebrauch davon, den Bürgermeister mit ihren eher kleineren Sorgen zu konfrontieren. An erster Stelle: kleine oder auch große Schlaglöcher auf Fehmarns Straßen, mitunter vor der eigenen Haustür. Bei den Straßen, die in der Verantwortung der Stadt stehen, beispielsweise in der St.-Jürgen-Straße, versprach Weber Kontaktaufnahme mit dem Bauhof, bei anderen Straßen wie der Osterstraße – eine Landesstraße – bat Weber um einen längeren Atem, da hier das Land die Baulast trage und für die Instandsetzung zuständig sei.

Der Verwaltungschef sagte im Haus im Stadtpark aber auch, dass er damit rechne, dass in diesem Jahr mehr investiert werde. So sei die Stadt Fehmarn in der glücklichen Lage, aufgrund des positiven Haushalts der letzten Jahre und der guten Planzahlen für die kommenden Jahre, sich den Haushalt nicht durch die Kommunalaufsicht genehmigen lassen zu müssen und deshalb schon zu Beginn des Jahres loslegen zu können.

Brandschutz im künftigen Fehmarnbelttunnel sicherstellen

Zügig gehandelt werden müsse auch im Hinblick auf die notwendige Einrichtung einer hauptamtlichen Feuerwehr, um den Brandschutz im zukünftigen Fehmarnbelttunnel sicherstellen zu können. Das Positive: Das Land übernimmt die mit der Errichtung und dem Betrieb der Wache verbundenen Kosten. Dennoch bleibe viel Arbeit bei der Stadt Fehmarn hängen, so Weber, der an die heute Abend (19 Uhr) in der Mensa stattfindende Informationsveranstaltung erinnerte. Schließlich müssen 40 bis 50 hauptamtlich tätige Feuerwehrleute eingestellt werden. Nicht erst in einigen Jahren, sondern jetzt schon, da die Ausbildung „vier bis fünf Jahre dauert“, so Weber. Er erläuterte auch noch einmal, warum der Neubau der Wache auf einer Fläche zwischen Burg und Landkirchen geplant sei. „Weil die Wache nicht nur zuständig sein wird für den Fehmarnbelt- tunnel, sondern auch für den Sundtunnel.“

Standardthemen wie Hotelbau, bezahlbarer Wohnraum, Feste Fehmarnbeltquerung, Radwege oder auch die Parkplatzkosten wurden ebenfalls angerissen, wobei Weber den Besuchern empfahl, drei Monate vor der Kommunalwahl sich die Wahlprogramme der einzelnen Parteien genau anzuschauen, da die Entscheidungen letztendlich in den politischen Gremien getroffen werden und die Verwaltung diese in der Regel nur umsetze.

Fehmarns Bürgermeister Jörg Weber und die Vorsitzende des Seniorenbeirats Francesca Caci Jahn
Francesca Caci Jahn, Vorsitzende des Seniorenbeirats, konnte zur Frühstücksveranstaltung im Haus im Stadtpark Bürgermeister Jörg Weber begrüßen. © Andreas Höppner

Auch Seniorenbeirat wird im Mai gewählt

Stichwort Kommunalwahl: Francesca Caci Jahn erinnerte daran, dass am 14. Mai auch der neue Seniorenbeirat gewählt wird. Sie ermunterte dazu, sich einzubringen und zu kandidieren. Denn, so Caci Jahn: „Es muss wieder einen Beirat geben, wenn nicht, ist es eine Schande.“

Klare Worte von der Chefin des Seniorenbeirats, die überzeugt ist, dass beim nächsten Seniorenfrühstück ausreichend Geschirr zur Verfügung stehen dürfte, denn, so Caci Jahn, „der Bürgermeister will sich darum kümmern“.

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