Martin Specht im Porträt
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Der kommissarische Ortsvorsitzende der CDU Fehmarn, Martin Specht.

CDU Fehmarn im FT-Gespräch 

„Wir haben uns kurz geschüttelt“

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Das Corona-Jahr 2020 ist für die CDU Fehmarn nicht gut gelaufen. Auch der Start in 2021 verlief mit dem Rückzug von Raphael Ackermann von allen politischen Ämtern nicht gut. Der kommissarische Ortsvorsitzende Martin Specht und Fraktionsvorsitzender Werner Ehlers im FT-Gespräch.

  • CDU Fehmarn nach ersten Personalentscheidungen optimistisch.
  • Bezahlbarer Wohnraum ganz vorn auf der Agenda.
  • Anmietung von Gebäuden für die Verwaltung lehnt die CDU ab.

Fehmarn – Für die CDU Fehmarn ist das Corona-Jahr 2020 nicht gut gelaufen, und das Jahr 2021 ist auch nicht besser gestartet, eher schlechter. So legte CDU-Ortsverbandschef Raphael Ackermann Anfang Januar aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen nicht nur seine politischen Ämter nieder, er zog auch seine drei Wochen zuvor bekannt gegebene Bürgermeisterkandidatur zurück. Ein ziemlicher Schlag für die CDU Fehmarn. „Wir haben uns kurz geschüttelt, aber schnell gehandelt“, machte Martin Specht (44), der den Ostverbandsvorsitz kommissarisch übernommen hat, im Gespräch mit dem FT deutlich. Innerhalb der Partei und der Fraktion habe man sehr intensive Gespräche geführt, so Specht, der die CDU Fehmarn wieder „innerlich gestärkt“ sieht. Fraktionschef Werner Ehlers (69) gibt sich nicht minder optimistisch. Bei den ersten Personalentscheidungen, die getroffen wurden, habe man gute Lösungen gefunden: Christian Muus soll Raphael Ackermanns Posten als Tourismusausschussvorsitzender übernehmen, Gitte Struck rückt für Ackermann in die Stadtvertretung nach (wir berichteten).

Das politische Tagesgeschäft geht weiter.

Martin Specht

Doch nicht nur personell hat die CDU erste Entscheidungen getroffen, auch inhaltlich wollen Partei- und Fraktionsspitze die Zügel anziehen. „Das politische Tagesgeschäft geht weiter“, so Specht. Coronabedingt habe es natürlich Einschränkungen gegeben, doch nicht nur ein Blick auf die Tagesordnung des nächsten Bau- und Umweltausschusses, der am Dienstag (16. Februar) zusammenkommt und 30 Punkte zu beraten hat, zeigt die Themendichte.

CDU-Faraktionschef Werner Ehlers.

Ganz vorn auf der Agenda der Christdemokraten steht die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Da unterscheide man sich nicht viel von den anderen Parteien, sagt Ehlers, doch bei der Umsetzung von Projekten gehe es einfach „viel zu langsam“. Beispiel Gorch-Fock-Straße: Das Grundstück sei von der Stadt für „gutes Geld“ erworben worden, seit drei Jahren werde geplant, passiert sei noch nichts, bedauert Specht. Jetzt werde auch noch ein Architektenwettbewerb nachgeschoben, ergänzt Ehlers. So verstreiche weitere Zeit.

Zwei weitere Jahre werden verstreichen

Specht befürchtet, dass noch einmal zwei Jahre ins Land ziehen, bis es dann zum Bau der dringend benötigten Wohneinheiten kommen kann. Man hätte schon vor zwei oder drei Jahren einen Wettbewerb ausloben müssen, findet Ehlers, oder aber auf Fehmarn ohnehin tätige Planer mit Projektentwürfen beauftragen können, meint Specht und erinnert daran, dass die CDU vor geraumer Zeit Vorschläge zur Entwicklung des Geländes unterbreitet habe.

Die Verwaltung werde sich auf jeden Fall an ihrer Aussage, vielleicht Ende 2021 Baurecht vorliegen zu haben, „messen lassen müssen“, so Werner Ehlers.

Aber auch auf anderen Flächen müsse es einfach schneller vorangehen. An der nördlichen Reiterkoppel in Burg ebenso wie in Landkirchen. Die Wohnraum- analyse habe es deutlich gezeigt, dass kleine 1- bis 2-Zimmer-Wohnungen, aber auch 4- bis 5-Zimmer-Wohnungen für Familien fehlten, verweisen Specht und Ehlers auf die Ergebnisse des Gutachtens, aber auch auf Investoren, die Wohnraumprojekte selbst in die Hand nehmen und für Mitarbeiter bauen. 6 bis 8,50 Euro/m² – mehr dürfte bezahlbarer Wohnraum nicht kosten, so Ehlers. Ein weiteres Problem aus Sicht von Martin Specht sei der fehlende Wettbewerb auf dem Wohnungsmarkt, nur wenn ein größeres Angebot zur Verfügung stehe, würde auch Druck auf die Preise entstehen.

Politik muss sich darauf einstellen, dass jedes Projekt hinterfragt wird.

Werner Ehlers

Werner Ehlers sieht die Politik in der grundsätzlichen Verantwortung, schnellere und verlässlichere Entscheidungen zu treffen. Denn auch Investoren bräuchten Planungssicherheit. „Politik muss sich darauf einstellen, dass jedes Projekt hinterfragt wird“, so Ehlers und führt den Bürgerentscheid gegen den geplanten Hotelneubau in Meeschendorf als Beispiel an. Der kritische Blick der Bürger auf einzelne Maßnahmen dürfte zunehmen, sind beide überzeugt.

Wo die CDU in den nächsten Wochen und Monaten nicht lockerlassen wolle, sei der gemeinsam mit den Freien Wählern vor rund einem Jahr eingebrachte Antrag auf Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes mit Tourismus-Zentrale und Veranstaltungsraum im Stadtpark. Martin Specht schwebt mit Blickrichtung auf die angestrebte Klimaneutralität ein Null-Energie-Gebäude vor. Seit einigen Jahren könne so etwas gebaut werden. Verwaltung müsse in städtischem Eigentum bleiben, eine Anmietung von Gebäuden lehne die CDU ab.

Bau der Beltquerung: CDU plädiert für Nachnutzung des Arbeitshafens

Auf Zustimmung trifft bei Werner Ehlers die im jüngsten Hauptausschuss getroffene Entscheidung, mit Femern A/S wieder den Dialog aufnehmen zu wollen. Im Rückblick müsse er aber sagen, dass das vermutlich zu spät sei, um wirkliche Erfolge feiern zu können. „Es bleiben wohl nur die Brotkrumen“, bedauert Ehlers, der selbstkritisch sagt, dass sich die CDU bei den Klagen gegen den Fehmarnbelttunnel zu sehr auf die Gerichtsurteile verlassen habe. Auf jeden Fall plädiere die CDU für eine Nachnutzung des Arbeitshafens, deshalb sei die Wiederaufnahme des intensiven Dialogs gut.

Zurück zum Personal: Wie es an der Spitze des Ortsverbands weitergeht, darüber soll eine Mitgliederversammlung entscheiden. Sobald Corona es wieder zulasse, werde sie einberufen, so Specht, der sich zu eigenen Ambitionen noch keine Gedanken gemacht habe.

25 Jahre Kommunalpolitik sind genug, jetzt sind die Jungen dran.

Werner Ehlers

Überlegungen, die seine Person betreffen, hat indes Werner Ehlers angestellt. Für ihn ist nach dieser Legislaturperiode Schluss. „25 Jahre Kommunalpolitik sind genug, jetzt sind die Jungen dran.“ Vielleicht werden in dieser Hinsicht ja schon erste Weichen auf der nächsten Mitgliederversammlung gestellt.

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