Wirtschaftsminister, Landrat und Bürgermeister referierten über das Milliardenprojekt

Chancen und Risiken der Brücke bleiben eine Auffassungssache

Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU).

Von Heiko Witt BURG • Im Gepäck hatte der Wirtschaftsminister eine Fördermaßnahme. Burg werde ab Ende 2009 wieder einen Bahn-Haltepunkt haben, sagte Dietrich Austermann (CDU) gestern bei der Infoveranstaltung im IFA-Feriencentrum. Eine Pressemitteilung dazu lag bereits auf dem Tisch der Journalisten. Er habe entsprechende Planungen bei der Landesweiten Verkehrs-Servicegesellschaft in Auftrag gegeben.

Wenn durch den Bau der Festen Fehmarnbeltquerung der Bahnhof in Puttgarden wegfällt, ist Fehmarn also nicht ganz abgekoppelt. Austermann wolle sich auch dafür einsetzen, dass weiterhin Fernzüge auf Fehmarn halten.

Proteste und konstruktive Kritik scheinen erste Wirkungen auch beim Wirtschaftsminister zu zeigen. Austermann sagte: „Wir sind jetzt schon bereit, die Insel zu unterstützen.“ Doch er schränkte eben auch ein, dass man zunächst erkennen müsse: „Wo ist die Belastung ?“

Und die zweifelt Austermann in vielen Punkten an. In seinem langen Referat versuchte er die allgemein bekannten Argumente zu entkräften und präsentierte die 20-seitige Broschüre „Chancen nutzen“.

„Wegen der Beltbrücke werden keine Gäste kommen“

Austermann bezeichnete die Beltbrücke als Tourismusattraktion. Dass das für viele zutreffend sein wird, da widersprach niemand. Doch Elfriede Kleingarn („die Region Puttgarden-Bannesdorf ist besonders betroffen“) vom Fremdenverkehrsverein Puttgarden sagte: „Wegen der Beltbrücke werden aber keine Urlauber kommen.“ Eher würden viele durch die Baustelle vertrieben, vermutete IFA-Direktorin Waltraud Krapp.

Der Wirtschaftsminister sagte, die Fahrtzeit über den Fehmarnbelt werde sich für Autofahrer um eine Stunde und 15 Minuten verkürzen und für Eisenbahnreisende gar um 1 Stunde und 45 Minuten.

Heftige Kritik am Bundesverkehrsministerium übte Landrat Reinhard Sager (CDU): „Meine Damen und Herren, die Spitze des Ministeriums verzichtet bewusst auf eine Teilnahme an dieser Veranstaltung“, sagte er. Dies sei das völlig falsche Signal, zeige aber erneut, dass man in Berlin der Beltbrücke keine hohe Priorität einräume. „Das lässt mich zweifeln, ob man im Bundesverkehrsministerium mit den berechtigten Interessen der Ostholsteiner und Fehmaraner verantwortungsbewusst umgehen kann.“

Reinhard Sager stellte erneut den Forderungskatalog des Kreises Ostholstein vor. Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt präsentierte erneut die Positionen der Stadt Fehmarn. Beide fordern Maßnahmen zur Risikominimierung. Schmiedt will weiterhin einen Infrastruktur- und Ausgleichsfonds und besteht auf vertragliche Vereinbarungen. Er erinnerte an den Beschluss der Stadtvertretung von 2005, mit dem die Stadt die Beltquerung mehrheitlich ablehnt und auf dem Verhandlungsweg Kompensationsmaßnahmen durchsetzen will.

Schmiedt erklärte, dass er eine interfraktionelle Arbeitsgemeinschaft gründen werde und die Bürger über Einwohnerversammlungen einbinden wolle.

Viele Bürger bleiben konsequent gegen die Beltquerung, wie Carsten Micheel, Fraktionssprecher der Freien Wähler in der Stadtvertretung Fehmarn, der sich zu Wort meldete: „Man kann nicht sagen, hier habt Ihr Geld und nun seid mal ruhig.“

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