Kirchenkreis möchte interreligiösen Dialog stärken / Vierteilige Seminarreihe auch in Burg

Christen wollen Islam entdecken

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Propst Dirk Süssenbach und Pastor Michael Hanfstängl (r.) blicken der alles andere als alltäglichen Seminarreihe mit großer Spannung entgegen.

Fehmarn/Neustadt – Von Andreas Höppner Der Kirchenkreis Ostholstein beschreitet mit der Seminarreihe „Einführungen in den Islam“, die zum interreligiösen Dialog anregen soll, neue Wege. „Das ist ziemlich einmalig, was wir machen“, findet Propst Dirk Süssenbach, der offen von sich sagt, in dieser Hinsicht Nachholbedarf zu haben und „in dieser Seminarreihe selbst ein Lernender sein zu dürfen“.

Während seines Theologie-Studiums habe eher der christlich-jüdische Dialog im Mittelpunkt des Interesses gestanden, während der Islam eine untergeordnete Rolle gespielt habe, erinnert Süssenbach. Umso mehr freut er sich, dass das Thema unter der Regie der Pastoren Dr. Sönke Lorberg-Fehring (Beauftragter der Nordkirche für den christlich-islamischen Dialog), Michael Hanfstängl, im Kirchenkreis zuständig für Mission, Ökumene und Gerechtigkeit, sowie des kürzlich verstorbenen Prof. Thomas Vogel aus Timmendorfer Strand im Spätherbst des vergangenen Jahres aufgegriffen wurde.

Vorurteile abbauen, zum Austausch anregen

Herausgekommen ist eine vierteilige Reihe, in der Interessierte eingeladen sind, den Islam kennenzulernen und sich mit der Religion auseinanderzusetzen. Die Reihe solle dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und zum Austausch über Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum anregen, heißt es vonseiten des Kirchenkreises.

„Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland und ist als Menschenrecht auch eine Errungenschaft der Reformationszeit. Daraus leitet sich für mich auch die Verpflichtung ab, dass sich die großen monotheistischen Religionen in Deutschland in gegenseitiger Wertschätzung und mit wachsender Offenheit begegnen und sich gemeinsam für Frieden, Freiheit, Demokratie und das Gemeinwohl einsetzen“, so Propst Süssenbach.

Start am 23. Januar in Neustadt

Die Reihe startet am 23. Januar (Donnerstag) in Neustadt um 19 Uhr im Gemeindehaus, Kirchenstraße 7. Unter dem Titel „Einführung in den Islam aus muslimischer und christlicher Perspektive“ werden Imam Mounib Doukali, Beauftragter für den interreligiösen Dialog beim Rat der islamischen Gemeinden in Hamburg, und Pastor Dr. Sönke Lorberg-Fehring jeweils über den Islam sprechen – beide aus der Perspektive ihrer jeweils eigenen Religion.

Die zweite Veranstaltung unter dem Titel „Fragen an das Christentum aus islamischer Sicht – Fragen an den Islam aus christlicher Sicht“ findet am 20. Februar (Donnerstag) in Schönwalde im Gemeindehaus, Jahnweg 4, statt und beginnt um 19 Uhr. Zu Gast ist dann Abdulgafur Musliu, Leiter der muslimischen Hochschulgemeinde Osnabrück. Der Abend ist als Dialoggespräch geplant, bei dem Pastor Lorberg-Fehring und Pastor Michael Hanfstängl für den am 5. Januar verstorbenen Pastor Prof. Thomas Vogel auf dem Podium sitzen, der als ausgewiesener Kenner des Islam galt und die Konzeption der Reihe mitverantwortet hatte. „Wir hoffen in seinem Sinne zu handeln, wenn wir jetzt trotz seines Todes zu dieser Reihe einladen“, sagte Propst Süssenbach. Seiner Einschätzung nach ist es wichtig, mehr für den muslimisch-christlichen Dialog zu tun, denn immer häufiger begegne er in seinen Gemeinden und in der Gesellschaft Ängsten gegenüber dem Islam.

Bei der dritten Veranstaltung, die am 5. März (Donnerstag) um 19 Uhr in Burg im Gemeindehaus, Breite Straße 47, abgehalten wird, soll es um die „Geschlechterrollen im Islam anhand ausgewählter Korantexte“ gehen. Canan Bayram, Promovendin an der Akademie der Weltreligionen der Universität Hamburg, will in einem Workshop die Vielfalt der Aspekte des Männer- und Frauenbildes im Islam mit den Teilnehmenden erarbeiten. Pastor Hanfstängl wird die Referentin an dem Abend unterstützen.

Christlich-muslimische Dialogandacht

Den Abschluss der Reihe bildet eine christlich-muslimische Dialogandacht am 22. März (Sonntag) um 18 Uhr in der Schönwalder Kirche. Die Andacht wird von Imam Emir Faruk Kayahan, Leiter der Jugendabteilung der islamischen Gemeinschaft Millî Görüş Bremen, und Pastor Lorberg-Fehring gestaltet. „Barmherzigkeit im Islam und im Christentum“, so lautet der Titel des Abends, der in diesen Tagen vielleicht noch einmal ganz anders gelesen wird als noch vor wenigen Wochen. „Aus den USA und dem Iran haben uns in den letzten Tagen befremdliche Bilder erreicht. Wir leben – Gott sei es geklagt – in Zeiten mit starken religiösen Spannungen im gesamten Nahen Osten, die auch den Weltfrieden bedrohen“, sagte Propst Süssenbach, der ergänzte: „Wenn es den Religionen gelingt, im friedlichen Dialog Wege zu- und miteinander zu finden, gemeinsam zu Frieden und Versöhnung aufzurufen, dann ist das auch ein wichtiger politischer Beitrag.

Hanfstängl und Süssenbach hoffen nun, dass die kostenlose Seminarreihe dazu beiträgt, das Christen und Muslime nicht nur gegenseitig übereinander nachdenken, sondern vielmehr miteinander ins Gespräch kommen.

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