Karsten Marzian im Porträt
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Karsten Marzian, Geschäftsführer Jobcenter Ostholstein, zieht eine positive Bilanz für 2020.

Jobcenter Ostholstein mit 2020er-Bilanz

Corona-Effekt trifft Fehmarn

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Das Jobcenter Ostholstein zieht für das Corona-Jahr 2020 eine positive Bilanz.

  • Stärkste Rückgänge von Leistungen in Schleswig-Holstein.
  • Fehmarn muss differenzierter betrachtet werden.
  • Ostholstein hat über 1000 Arbeitsplätze in der Medizintechnik.

Fehmarn – Das Jobcenter Ostholstein zieht für das Corona-Jahr 2020 eine positive Bilanz. So ging im Vergleich zu 2019 die Zahl der Haushalte sowie der Personen, die Leistungen vom Jobcenter bezogen, trotz Corona-Pandemie zurück. Während 2019 noch 10500 Personen in 5800 Haushalten Unterstützung erhielten, waren es im vergangenen Jahr nur 9800 Personen in 5500 Haushalten.

„Die Rückgänge lagen bei 6,7 Prozent und 4,9 Prozent, so stark wie in keinem anderen Kreis und keiner kreisfreien Stadt in Schleswig-Holstein“, berichtet Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein. Die Entwicklung auf Fehmarn muss jedoch etwas differenzierter betrachtet werden. Insel ist nicht gleich Festland.

Marzian: Nachholeffekt nach erstem Lockdown

Auf Fehmarn ist die Zahl der Haushalte, die Leistungen des Jobcenters beziehen, gestiegen. Im Oktober 2019 waren es 503 Personen in 308 Haushalten, ein Jahr später 505 Personen in 325 Haushalten. Das sei der Corona-Effekt, so Marzian. Dass die Pandemie nicht spurlos am Arbeitsmarkt vorbeigegangen sei, könne auch an der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten abgelesen werden. So habe es im Juni 2019 auf Fehmarn 5491 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gegeben, im Juni 2020 seien es lediglich 5158 gewesen. „Ein Rückgang um 6,1 Prozent, kreisweit lag dieser bei 0,6 Prozent“, bilanziert Marzian, der darauf verweist, dass noch kein aktuelleres Datenmaterial vorliegt. Der Stand Ende Juni zeige aber klar die Auswirkungen des ersten Lockdowns auf, sagt der Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein.

Handel und Gastronomie haben schon gelitten.

Karsten Marzian, Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein

„Handel und Gastronomie haben schon gelitten.“ In der Saison sei dann jedoch ganz viel Personal nachgefragt worden und ein „sehr starker Nachholeffekt“ eingetreten.

Zurück zur kreisweiten Entwicklung. Bedingt durch die Corona-Pandemie lag die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosengeld II 2020 um rund 400 höher als 2019. Insgesamt waren es knapp 2000 Neuanträge. Und am stärksten war die Zunahme mit rund 300 Anträgen im stark saisongeprägten Geschäftsstellenbezirk Oldenburg von Puttgarden bis Beschendorf und Barensdorf bis Süssau. Sie kamen laut Jobcenter zumeist von Soloselbstständigen im Tourismusbereich.

Bei Lohn und Gehalt ganz weit hinten

Positiv bewertet Marzian, dass 2020 etwas mehr als 100 Frauen und Männer weniger als 2019 Leistungen vom Jobcenter beziehen mussten, obwohl sie in Beschäftigung waren. Allerdings sei der Anteil der erwerbstätigen Leistungsbezieher an den erwerbsfähigen Leistungsbeziehern im Kreis Ostholstein mit aktuell 28,9 Prozent landesweit am höchsten, gibt der Jobcenter-Chef zu bedenken. „Grund ist, dass der Kreis Ostholstein beim Bruttoarbeitsentgelt der Vollzeitbeschäftigten unter allen westdeutschen Kreisen und kreisfreien Städten vor dem Landkreis Cloppenburg den vorletzten Platz belegt.“

Den Mitarbeitern des Jobcenters Ostholstein stellt Marzian ein gutes Zeugnis aus. So sei die Integration von Leistungsbeziehern in Berufsausbildung und Beschäftigung als zentrales Anliegen des Jobcenters sehr gut gelaufen. Mit 26,9 Prozent weise Ostholstein die höchste Integrationsquote im Land auf. So hätten im vergangenen Jahr 2050 Personen in Ausbildung und Arbeit integriert werden können. Die vom Bund für Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung gestellten Finanzmittel habe das Jobcenter 2020 zu 100 Prozent ausgeschöpft, berichtet Marzian.

Obwohl die Corona-Pandemie nicht spurlos am regionalen Arbeitsmarkt vorübergegangen ist und die Auswirkungen des zweiten Lockdowns in Zahlen noch nicht abgebildet werden können, schaut der Jobcenter-Geschäftsführer durchaus positiv auf die kommenden Jahre. Die Perspektiven seien gut. Die Zahl der Beschäftigten stagniere trotz Corona-Pandemie auf hohem Niveau, und fast jeder vierte Beschäftigte im Kreis sei im lebenswichtigen Bereich Gesundheit und Pflege tätig. 

Ferner gebe es allein in Ostholstein über 1000 Arbeitsplätze in der Medizintechnik mit weiteren Personalbedarfen, so Marzian. Weiterhin bleibe die Region ein interessantes Reiseziel für Urlauber, was zu einer entsprechenden Personalnachfrage im Tourismussektor führe.

Sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Und noch ein wenig weiter in die Zukunft geblickt: „Daneben wird der Bau der Festen Fehmarnbeltquerung und des Sundtunnels zusätzliche Arbeitsplätze bringen.“ Die demografische Entwicklung schlage in Ostholstein ebenfalls zu Buche, denn rund 6000 Beschäftigte würden in den nächsten fünf Jahren in Rente gehen. „Die meisten dieser Arbeitsplätze müssen nachbesetzt werden. Unser Arbeitsmarkt bietet also auch in Zukunft sehr gute Chancen. Hinzu kommen die Personalbedarfe zum Beispiel in Lübeck und Kiel, von denen auch Pendler aus Ostholstein profitieren“, betonte der Geschäftsführer des Jobcenters Ostholstein. 

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