Dr. Sebastian Möhle und Bürgermeister Jens Reise stehen vor dem Meerhuus
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Dr. Sebastian Möhle und Bürgermeister Jens Reise vor dem „MeerHuus“, das bald als lokaler Impfstützpunkt dienen soll.

Auch Hausärzte ab Mitte April

Impfstützpunkt in Großenbrode in Sicht

  • Simone Walper
    vonSimone Walper
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Ab Mitte April soll mehr Impfstoff zur Verfügung stehen, dann könnten auch die Hausarztpraxen in die Verimpfung einsteigen. Großenbrodes Hausarzt plant einen Stützpunkt.

  • Mitte April soll das Corona-Impfangebot in Großenbrode vorgehalten werden.
  • Immer dienstags im „MeerHuus“ impfen und Abstriche für die Schnelltests.
  • Praxis und Gemeinde sind auf der Suche nach weiteren Freiwilligen für die Organisation.

Großenbrode/Fehmarn – Schleswig-Holstein verfügt seit 1. März über 28 Corona-Impfzentren. Bisher ist es bundesweit meist schwierig, einen Impftermin zu bekommen. Das wird sich nach der neuen Impfverordnung, die am vergangenen Mittwoch in Kraft trat, hoffentlich bald ändern. Danach sollen spätestens Mitte April auch die Hausarztpraxen impfen dürfen. Dass der Nachfrage nach Impfungen und Testungen auch in und um Großenbrode zukünftig umfänglich nachgekommen werden kann, dafür will jetzt die Praxis am Dorfteich von Dr. Sebastian Möhle in Zusammenarbeit mit der Gemeinde sorgen.

„MeerHuus“ ab April als zentraler Corona-Impfort

„Wir haben im Team der Praxis überlegt, wie wir hier Abhilfe schaffen und die damit verbundenen Herausforderungen der Impf- und der Abstrichmenge bewältigen können“, so Dr. Möhle. Schnell sei man bei Bürgermeister Jens Reise vorstellig geworden und übereingekommen, dass sich das „MeerHuus“ ab April als zentraler Impfort gut eignen würde. Für den Bürgermeister ist es eine Selbstverständlichkeit, die ortsansässige Praxis zu unterstützen. „Es hat sich sogar bereits Personal vom Kindergarten bereiterklärt, mitzuhelfen“, ist er froh, dass das Projekt konkrete Formen annimmt.

Gemeinde stellt die Räumlichkeiten im „MeerHuus“ für Corona-Impfung zur Verfügung

Die Gemeinde stellt die Räumlichkeiten im „MeerHuus“ zur Verfügung, richtet sie für die Nutzung als Impfstützpunkt her und sorgt für eine gute Parkplatzsituation. Immer dienstags soll im „MeerHuus“ geimpft und sollen Abstriche für die Schnelltests vorgenommen werden. Für die Koordination der Abläufe und die Durchführung der Impfungen ist durchgängig ein Team, das aus einem Arzt und einer Medizinischen Fachangestellten besteht, vor Ort.

Freiwillige für Organisation und Corona-Hotline gesucht

Damit der Ablauf reibungslos vonstattengehen kann, sind Praxis und Gemeinde derzeit auf der Suche nach weiteren Freiwilligen für die Organisation: für die Patientenannahme und -verabschiedung sowie für die Abstrichnahme bei den Testungen. Ebenfalls werden ehrenamtliche Helfer für die mit Beginn der Impfungen in Großenbrode jeden Vormittag in der Woche geschalteten Corona-Hotline gesucht. Über diese Hotline sollen nicht nur die Anmeldungen für die Impfungen und Testungen entgegengenommen werden, sondern generell alle Fragen rund um die Corona-Pandemie, die Tests, die Impfungen und die Organisation beantwortet werden. „Selbstverständlich werden wir alle Helfer gründlich einweisen“, so Dr. Möhle. Wer also mithelfen möchte, wendet sich vorzugsweise per E-Mail an praxisamdorfteich@gmail.com, falls dies nicht möglich ist, gern per Telefon unter der Praxisrufnummer 043678141. 

Großenbrode und Fehmarn üben Schulterschluss

In Großenbrode übt die Praxis am Dorfteich, die mit dem Ärztehaus von Dr. Johannes Gerber auf Fehmarn den „PraxisVerbund FehmarnSund“ bildet, „mit der Gemeinde den Schulterschluss und stemmt den Impfstützpunkt, in dem neben den Impfungen auch gleichzeitig die Abstriche für die Schnelltests laufen sollen“, erklärt Dr. Möhle und ergänzt, dass auf Fehmarn die Lage anders sei. Anstelle eines zentralen Impfortes soll dort in den einzelnen Arztpraxen geimpft werden. Im Ärztehaus Fehmarn wird so bald wie möglich jeweils an mindestens zwei kompletten Nachmittagen geimpft werden. 

Aufklärungs- und den Anamnesebogen im Vorwege herunterladen, ausfüllen und mitbringen

Gemein hätten die beiden Praxen beim Impfprozedere die Tatsache, dass die Termine wochenweise vergeben würden, lässt Dr. Johannes Gerber wissen und ergänzt, dass jeweils dienstags die Impfkontingente, die eine Woche hielten, geliefert würden. Dann sei klar, wie viel Impfstoff vorhanden sei, und man könne optimal planen. Eine Bitte haben die Ärzte schon vorab an ihre Patienten, auch wenn momentan noch keine Anmeldungen möglich seien. So sollte unbedingt im Vorfeld der Impfung der Aufklärungs- und den Anamnesebogen von der Homepage Fehmarnsundcare herunterladen und ausgefüllt neben dem Impfpass zum Termin mitgebracht werden. Selbstverständlich wollen Dr. Gerber und Dr. Möhle die Details für die Impfungen rechtzeitig bekannt geben.

„Völlig überquellenden Bürokratie“ und keine adäquate Aufklärung der Bevölkerung

Daraus, dass sowohl die Ärzte als auch die Medizinischen Fachangestellten in der derzeitigen Situation, in der es neben einer „völlig überquellenden Bürokratie“ keine adäquate Aufklärung der Bevölkerung gebe, zu kämpfen haben, macht Dr. Möhle keinen Hehl: „Auf der einen Seite zeigen wir viel Engagement und bauen jetzt auch den Impfstützpunkt auf, der dazu dienen soll, unsere Patienten und ganz Großenbrode möglichst gut und schnell durchzuimpfen, auf der anderen Seite fehlt es an Unterstützung der Hausärzte vonseiten der Landes- und Bundespolitik sowie der öffentlichen Stellen.“ Für die Ärzte sei es selbstverständlich, dass sie in dieser Ausnahmesituation Mehraufwand leisteten und finanzielle Einbußen in Kauf nähmen, jedoch kämen die Impfungen jetzt „noch obendrauf“ und es gebe weder ein schlüssiges Konzept noch Unterstützung. 

Gebührende Wertschätzung für Medizinische Fachangestellte fehlt

Ebenfalls sei die Situation der Medizinischen Fachangestellten grenzwertig. Sie leisteten den Großteil der organisatorischen Arbeit und „puffern seit Monaten viel von dem Organisationschaos ab“, lässt Dr. Möhle wissen und bedauert, dass sie jedoch weder finanziell noch in der öffentlichen Wahrnehmung die ihnen gebührende Wertschätzung erführen.

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