Ein Screenshot mit Akteuren aus Wirtschaft und Politik auf Fehmarn
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Über Zoom fand ein von Wirtschaftsförderin Steffi Breuer initiierter Gedankenaustausch mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung statt.

Wirtschaftsförderin initiierte Austausch

Corona: Sorgen und Nöte auf Fehmarn

  • Andreas Höppner
    vonAndreas Höppner
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Die Wirtschaftsförderin der Stadt Fehmarn, Steffi Breuer, hatte Akteure aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung der Insel zu einer Zoom-Zusammenkunft eingeladen. Sorgen und Nöte durch die Pandemie standen im Vordergrund.

Fehmarn – Der Gedankenaustausch zwischen Politik, Wirtschaft und Verwaltung wirkt für alle Seiten schon unter normalen Rahmenbedingungen belebend, in Corona-Zeiten erhält dieser Diskurs noch einmal zusätzliches Gewicht, da Zukunftsentscheidungen von großer Ungewissheit geprägt sind. Auf Einladung von Wirtschaftsförderin Steffi Breuer haben sich nun zahlreiche Teilnehmer zusammengefunden, die sich per Zoom-Konferenz ausgetauscht haben.

Zu den 21 Konferenzteilnehmern zählten neben den Bundestagsabgeordneten Bettina Hagedorn (SPD), Ingo Gädechens (CDU) und Gyde Jensen (FDP) sowie den Landtagsabgeordneten Sandra Redmann (SPD) und Peer Knöfler (CDU) auch Bürgermeister Jörg Weber und Tourismusdirektor Oliver Behncke.

Branchen gaben aufschlussreiche Einblicke in ihre Situation

„Die Veranstaltung stand angesichts der angespannten Situation in der Corona-Krise im Zeichen derselben“, so Steffi Breuer, die berichtete, dass Vertreter der unterschiedlichsten Branchen „aufschlussreiche Einblicke in ihre Situation in der Corona-Krise“ gaben. Die Touristiker seien sich einig gewesen, „dass die Hauptsaison 2020 sehr gut war und die Monate November und Dezember 2020 gut geworden wären“, hätte es nicht den zweiten Lockdown gegeben. Die Branche hoffe nun auf eine Öffnung ab Ostern und eine hervorragende Hauptsaison, so Breuer. Die Touristiker berichteten von einer vielversprechenden Buchungslage, doch es habe auch Kritik gegeben: „Bemängelt wurde, dass die Vorlaufzeiten vor der erneuten Öffnung und mit der anfänglichen Erstellung von Hygienekonzepten viel zu kurz war.“ Ingo Gädechens habe zu bedenken gegeben, dass es eine solche Situation vorher noch nicht gegeben habe und somit auch keine Erfahrungswerte vorgelegen hätten. Als ideale Vorlaufzeit bezeichnete Dehoga-Ortsvorsitzender Hans-Peter Wolf einen Zeitraum von sieben bis zehn Tagen. Beispielhaft erinnerte IFA-Hoteldirektorin Jutta Zimmermann an die Bestellung von ausreichend Lebensmitteln oder die Einbindung des Betriebsrats in einem größeren Unternehmen wie der IFA.

Sorge um Vereinslebe nund Veranstaltungen

Die Vorsitzenden der drei Fehmaraner Verkehrsvereine, Marion Schmidt, Holger Wilder und Rolf Reijnders, hätten von ihrer Sorge berichtet, dass das Vereinsleben durch die Pandemie nachhaltig leiden würde, und auch die Freude am Organisieren von Veranstaltungen sei bei den Ehrenamtlern angesichts der ungewissen Lage, ob und ab wann größere Veranstaltungen wieder stattfinden dürfen, geschmälert, so Fehmarns Wirtschaftsförderin. Den Ausführungen der gewerblichen Touristiker habe sich Tourismusdirektor Behncke angeschlossen. Auch ihm bereite das Veranstaltungsangebot Sorge. Zwei Großevents in 2021 hätte man auf Ende August und Ende September schieben müssen, eine wichtige Ausstellung in das Jahr 2021, habe Behncke mitgeteilt.

„Die Geschäftsführer der Core Kiteboarding GmbH, Jochen Czwalina und Philip Schinnagel, freuten sich, dass nach der schweren Zeit des Lockdowns im Frühjahr 2020 die Outdoorbranche boomte. Die Überlegungen von Tourismusdirektor Behncke, eine Wassersportampel auf Fehmarn einzuführen, begrüßten sie ausdrücklich“, so Breuer. Sorge bereiteten Czwalina und Schinnagel indes, dass es angesichts der weltweiten Einschränkungen durch die Pandemie zu Lieferschwierigkeiten kommen könnte.

Die Gewinner der Krise

Einzelhändler Martin Stolz habe auf die Schwierigkeiten des Handels in der Corona-Pandemie hingewiesen. „Neben den Schließungen des stationären Einzelhandels und dem fehlenden Absatz von Saisonware insbesondere zu Ostern und Weihnachten im Jahr 2020 machte der Inhaber der Kaufhauskette auf die Ungerechtigkeit der Unterteilung der Einzelhandelsbranche aufmerksam.“ Er habe zu bedenken gegeben, dass Einzelhandelsmärkte, Discounter und auch der Onlineversandhandel „als Gewinner aus der Krise hervorgehen“ würden, während der individuelle Einzelhandel leide, so die Wirtschaftsförderin, die darauf verwies, dass Bettina Hagedorn die Gelegenheit des Austausches dazu genutzt habe, auf die neuen Regelungen der Überbrückungshilfe III hinzuweisen.

Optimismus teilweise ungebrochen

„Insbesondere Anja Schmidt und Nadine Kissler, Inhaberinnen des Insel-Reisebüros, horchten auf, als es um die verbesserten Regelungen für die besonders betroffene Reisebranche ging“, so Breuer. Schmidts sowie Kisslers Optimismus sei ungeachtet der enormen Umsatzverluste ihres Betriebes jedoch ungebrochen, berichtet sie weiter. „Obwohl Anja Schmidt und Nadine Kissler frühestens im Herbst 2021 mit neuen Aufträgen rechnen, geben sie nicht auf und bleiben ihrem Standort am Markt im Ortsteil Burg treu.“

Bislang recht gut durch die Krise gekommen sind die Campingplatzbetreiber. Jörn Henning Kohlhoff, Vorsitzender des Camping-Paradies Fehmarn, habe sich im Rückblick auf das Jahr 2020 über den Trend zum Campingurlaub gefreut, wünschte sich jedoch einen schnellen Breitbandausbau, sodass auch Homeoffice im Wohnwagen zuverlässig möglich sei, so Breuer. Gunnar Müller, Fehmarns Bezirksvorsitzender des Kreisbauernverbandes und Geschäftsführer von Fehmarn Recycling, habe für die Landwirtschaft kaum pandemiebedingte Einschränkungen und eine sehr gute Nachfrage im Handwerk vermeldet. Detlef Scheel, Vertreter der Windenergie auf Fehmarn, habe ebenfalls berichtet, dass die Pandemie nur marginale Auswirkungen auf die Windbranche gehabt habe. Parallel habe Scheel die Gelegenheit genutzt, der Politik zwei Wünsche mit auf den Weg zu geben: „die Digitalisierung von Verwaltungsabläufen und die Entbürokratisierung“.

Viele nehmen Kurzarbeitergeld in Anspruch

Abschließend teilte Breuer mit, dass ein Großteil der Teilnehmer davon berichtet habe, während der Corona-Krise das Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen zu haben. Alle seien sich jedoch darüber einig gewesen, dass „finanzielle Hilfen wie beispielsweise die November- und Dezemberhilfe schneller fließen sollten und der Zugang vereinfacht“ werden müsse.

Am Ende der Veranstaltung seien alle Teilnehmer übereingekommen, ein solches Format zu wiederholen, ergänzt Breuer. Sie wolle hierzu auch weitere Branchen und Teilnehmer einladen. Ihre Hoffnung ist dabei, dass der nächste Termin als Präsenzveranstaltung stattfinden kann. 

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