April: Arbeitslosigkeit steigt / Betriebe flüchten in die Kurzarbeit

Corona trifft Arbeitsmarkt

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Seit mehreren Wochen geht in Restaurants und Gaststätten nichts mehr.

Fehmarn – hö – Die Corona-Pandemie hat im April deutliche Spuren hinterlassen auf dem Arbeitsmarkt. Geht sonst die Arbeitslosigkeit saisonal bedingt zurück, ist gegenüber dem Vormonat und dem Vorjahr jetzt im April ein Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Die allgegenwärtige schwierige Wirtschaftslage schlägt sich zudem nieder in der hohen Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit angemeldet haben.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit hat landesweit mittlerweile fast jeder dritte Betrieb Kurzarbeit angemeldet. Auf Kreisebene sind es nach Mitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sogar 36 Prozent der Betriebe. Danach haben bis Ende April 2263 der insgesamt 6323 Betriebe im Kreis Ostholstein Kurzarbeitergeld angemeldet. Dirk Himmelmann, Geschäftsführer der NGG-Region Lübeck, spricht von einer „Erschütterung auf dem heimischen Arbeitsmarkt“.

Gleichwohl ist die Kurzarbeit ein wichtiges arbeitsmarktpolitisches Instrument, das in Not geratene Betriebe dazu nutzen, ihre Fachkräfte nicht entlassen zu müssen, sondern sie zu halten.

Im Norden Ostholsteins (Oldenburg/Fehmarn) waren im April 1987 Arbeitslose gemeldet. Das sind fünf mehr als im Vormonat (+0,3 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr stieg ihre Zahl um 423 (+27,0 Prozent). Die aktuelle Arbeitslosenquote liegt bei 6,3 Prozent, vor einem Jahr hat sie lediglich 5,0 Prozent) betragen. Der unsicheren Wirtschaftslage geschuldet ist zudem der drastische Rückgang bei den neuen Stellen. Mit 60 wurden nur halb so viel Stellen neu zur Besetzung angeboten wie im April 2019.

Im Kreis Ostholstein waren Ende April 9585 Arbeitslose gemeldet. 356 mehr als im Vormonat (+6,4 Prozent) und 917 mehr als im Vorjahr (+18,2 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozentpunkte auf aktuell 5,6 Prozent.

Im Bezirk der Arbeitsagentur Lübeck, der auch den Kreis Ostholstein umfasst, sind nach Angaben der Arbeitsagentur im März und April 4263 Anzeigen zur Kurzarbeit für 43685 Beschäftigte eingegangen, elektronisch erfasst und geprüft worden. „Es sind vor allem kleine und mittlere Betriebe aus Branchen, die bisher noch nie großflächig von Kurzarbeit betroffen waren, wie zum Beispiel Friseurläden, Physiotherapiepraxen oder Hotel- und Gastgewerbe“, berichtet Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lübeck.

„Wie stark die angezeigte Kurzarbeit tatsächlich genutzt wird, wird sich erst später in den Abrechnungen zeigen. Dann steht fest, ob wirklich alle Beschäftigten im Unternehmen verkürzt gearbeitet haben oder nur ein Teil, weil sich zum Beispiel zwischenzeitlich Aufträge ergeben haben oder Vorsorgemaßnahmen gelockert wurden“, ergänzt der Arbeitsmarktexperte.

Die Gewerkschaft NGG richtet ihren Blick noch einmal auf das Gastgewerbe. Dirk Himmelmann: „Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben. Es ist gut, dass die Bundesregierung ein riesiges Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt hat. Aber für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät.“

So steige das Lohnausfallgeld erst nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 beziehungsweise 87 Prozent des Netto-Einkommens, kritisiert der Gewerkschafter. Für Köchinnen, Kellner und Hotelangestellte sei das eine enorme Durststrecke. „Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Jobcenter bleiben.“ Eine Mitverantwortung für die Lage trage auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband. Anders als etwa in der Systemgastronomie weigerten sich die Arbeitgeber bis heute, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken, moniert der Vertreter der NGG-Region Lübeck.

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