Unternehmer-Duo in Avendorf baut Mikrobrauerei / Schon ab Ostern 2019 könnte der Gerstensaft fließen

Craft-Beer made auf Fehmarn

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Symbolischer Spatenstich auf dem Gelände in Avendorf, wo die Knust-Braumanufaktur errichtet wird. Die Jung-Unternehmer Kerstin Serck-Scheel und Jonathan Grünitz mit Jörg Weber, Oliver Behncke, Matthias Amelung und Julia Prange (v.l.).

FEHMARN -mb- Auf Fehmarn wird im Laufe des nächsten Jahres wieder Bier gebraut. Was früher gang und gäbe war, holen Kerstin Serck-Scheel und Jonathan Grünitz als Gründer der Craft-Bier-Braumanufaktur Knust zurück auf die Insel. Das in Handarbeit hergestellte Getränk liegt seit Jahren im Trend. Das Start-up wird von der EU mit über 200000 Euro gefördert. Das Motto der Brauerei „Reif von der Insel“.

Beide luden nun zum Spatenstich nach Avendorf ein. Der erste war es sicherlich nicht. „Wir wollen so schnell wie möglich mit der Produktion beginnen, da konnten wir nicht bis zur offiziellen Vorstellung warten“, betonte Grünitz. Keine Zeit verlieren – das passt zur ganzen Unternehmung. Das Duo peilt den Beginn der Produktion zu Ostern 2019 an, allerdings spätestens bis zur Hauptsaison.

Um möglichst wenig Zeit zu verlieren, wird die Brauanlage parallel zur Fertigstellung des Gebäudes installiert. Entstehen wird die Anlage auf dem Hof von Kerstin Serck-Scheel. Während Serck-Scheel voranging die finanziellen Aspekte und die Vermietung von Ferienwohnungen im Blick hat, wird sich Grüntiz den landwirtschaftlichen Aufgaben widmen. Beide werden sich hingegen um die Brauerei kümmern – das gemeinsame „Herzensprojekt“ wie sie es unisono bezeichneten.

„Wir bauen hier eine Mikrobrauerei“, erklärte die Unternehmerin mit Verweis auf die Produktionsmenge. 500 Liter sollen pro Durchgang gebraut werden. Drei bis vier Hauptsorten können sich Serck-Scheel und Grünitz vorstellen, dazu werde es besondere Saisonangebote geben. Darüber hinaus verorten sich beide unter dem Kernthema Erlebnisbrauerei. „Wir werden Braukurse anbieten.“ Da Qualität bekanntlich ihren Preis hat, werden sich die Biere der Knust-Braumanufaktur im höheren Preissegment ansiedeln.

„Die Herstellung von Craft-Bier verlangt einen qualitativ hochwertigen und vor allem aufwendigen Prozess“, verdeutlichten beide. Auch einen Teil der Rohstoffe wie Getreide für die Malzgewinnung werde man selbst anbauen. Erste Feldversuche seien bereits erfolgt. Zudem soll der Energiebedarf der Brauerei weitestgehend über eine hof-eigene Biogasanlage gedeckt werden. Nachhaltig und mit enger Verbundenheit zur Heimat: „Prinzipien, die sowohl Einheimische als auch Touristen ansprechen“, so Grünitz.

Noch wird das Knust-Bier – ein Ale und ein Pils – in Österreich gebraut.

Wer nicht warten möchte, bis auf Fehmarn die Produktion startet, kann bereits jetzt ein Pils und ein Ale trinken, denn die beiden betätigen sich längst als sogenannte Kuckucksbrauer. „Das Bier wird momentan noch in Österreich gebraut, mit norddeutscher Kante“, schmunzelte der Unternehmer. „Wir werden die gleiche Anlage auf Fehmarn verwenden“, ergänzte er. Beide Biere gibt es daher bereits im Sortiment von Edeka, im Hofcafé Klausdorf und im Hotel „Sonneninsel“, direkt gegenüber der zukünftigen Brauerei. „Wir wollen unsere Biere natürlich über die Grenzen Fehmarns hinaustragen“, machten die Knustbier-Gründer sofort deutlich.

Behncke: Ich finde das grandios

Ehrgeizig sind beide Jungunternehmer, und so zog auch Tourismusdirektor Oliver Behncke symbolisch den Hut. „Das hat mich überrascht, da wir hier eher in der Peripherie sind. Das braucht gutes Marketing und Durchhaltevermögen.“ Der Tourismus-Service verstehe sich auch als Wirtschaftsförderer, gerade für Start-ups. Man werde entsprechend unterstützen, so Behncke, der seinen ersten Eindruck so zusammenfasste: „Jung, frisch, Fehmarn-like – ich finde das grandios.“ So zeigte sich auch Bürgermeister Jörg Weber vom Unternehmertum in Avendorf entzückt und zog einen Vergleich. „Ich bin erst seit knapp zehn Jahren auf der Insel und schon fast vier Jahre Bürgermeister. Die Fehmaraner sind offen für Neues, man muss sie bloß mitnehmen.“

An der Stelle hörte das überaus positive Feedback für die beiden angehenden Bierbrauer nicht auf. Voll des Lobes war außerdem Julia Prange vom Ostsee-Holstein Tourismus, die mit Blick auf die Saisonverlängerung kulinarische Bereicherungen für wichtig erachtet. Dazu junge Unternehmer, die regionale Produkte anbieten – „das passt sehr gut“. Das befand auch Matthias Amelung, Regionalmanager der Aktivregion Wagrien-Fehmarn. „Es entstehen Arbeitsplätze, und es dient der Entwicklung des ländlichen Raumes aus der Region heraus. Das passt zu unserer Zielsetzung, Eine Brauerei kann Identifikation und Markenkern einer Region sein.“

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