Medien, Politiker und Wirtschaft jenseits des Belts reagieren enttäuscht auf das Berliner Querungs-Gespräch

Dänen-Frust über deutsches Angebot

Werden die Dänen bereit sein, einen Großteil des finanziellen Risikos einer Beltquerung zu tragen?

Werden die Dänen bereit sein, einen Großteil des finanziellen Risikos einer Beltquerung zu tragen?

Von Thomas Borchert (dpa)

KOPENHAGEN/FEHMARN • „Deutsches Nein zum Brücken-Vorschlag“, titelte „Berlingske Tidende“ am Mittwoch über das Berliner Treffen zwischen Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und seinem dänischen Kollegen Flemming Hansen zur Ostsee-Querung über den Fehmarnbelt. Dabei hatte Tiefensee am Vortag offiziell die „grundsätzliche“ deutsch-dänische Einigkeit über das 5,5 Milliarden Euro teure Projekt verkündet. In Dänemark aber reagierten Medien, Politiker und Wirtschaft mit unverhohlener Enttäuschung. „Hier breitet sich Frust aus. Man muss fürchten, dass die ganze Sache jetzt stecken bleibt“, sagte Bjarne Palstrøm vom dänischen Industrieverband.

Als ausschlaggebend benannte er die Aussage Tiefensees, der Brückenbau habe für die deutsche Seite nicht dieselbe Priorität wie für Dänemark. Die Finanzierungsvorschläge sind zwar noch vertraulich, enthalten aber nach übereinstimmenden Medienangaben höhere Belastungen für den gut gefüllten Kopenhagener Staatshaushalt als für die gähnend leere deutsche Kasse.

Alles in allem empfanden maßgebliche Verkehrspolitiker im Kopenhagener Folketing dies nach dem bisher schon auffällig langen deutschen Zögern als den berühmten Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen bringt. „Warum soll ein kleines Land wie unseres mit 5,5 Millionen Bürgern eine größere Verpflichtung übernehmen als Deutschland mit 80 Millionen?“, fragte Walter Christophersen von der rechtspopulistischen DVP. Nach endlosen Jubelmeldungen ohne Substanz über eine angeblich bevorstehende deutsch-dänische Einigung solle man einen Schlussstrich ziehen.

Was die durch Ausländerfeindlichkeit und ausgeprägten Nationalismus stark gewordene Partei meint, ist für den selbst nach wie vor vom Brückenbau begeisterten Ministerpräsidenten Anders Fogh Rasmussen von Belang: Seine Minderheitsregierung hängt von der parlamentarischen Unterstützung der DVP ab.

Als Brückenbauer in die Geschichte?

Auch aus anderen dänischen Parteien meldeten sich Politiker mit der Forderung, nun im eigenen Land andere Projekte vorrangig zu behandeln. „Die verkehrspolitischen Schwerpunkte können sich jetzt durchaus in andere Regionen wie Jütland und Fünen verlagern“, befürchtet Bjarne Palstrøm von „Dansk Industri“.

Die Wirtschaft in dem seit Jahren boomenden skandinavischen Nachbarn Deutschlands hat massive Lobbyarbeit für den Bau der Fehmarnbelt-Querung betrieben. Dabei ging es weniger um die Verkürzung der Fahrzeit für Touristen zwischen Kopenhagen und Hamburg von gut vier Stunden inklusive Fähre auf etwas über drei Stunden. „Mit der Fehmarnbelt-Querung hätten wir ein Loch in der europäischen Infrastruktur gefüllt und Wachstum erzeugt“, sagt Palstrøm schon leicht im Ton einer Grabesrede.

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