Erinnerung an den Schleswig-Holstein-Aufstand vom 24. März 1848 – von Karl-Wilhelm Klahn

Denkmal-Anlage wird restauriert

Dieses Denkmal zur Erinnerung an den Schleswig-Holstein-Aufstand von 1848 wurde am 9. Mai 1872 auf Burgtiefe (heute Strandburg) errichtet, verschwand in der Sturmflut des 13. November 1872 unter Geröllmassen und wurde vorsichtshalber am Hafen von Burgstaaken wieder aufgebaut.

FEHMARN • Die Auswirkungen der Schleswig-Holstein-Erhebung vom 24. März 1848 durch die verfassungsmäßige Eingliederung des Herzogtums Schleswig an Dänemark, erreichten bereits am 15. April mit dem Auflauf zweier dänischer Kriegsschiffe vor Burgtiefe auch unsere Insel Fehmarn.

Der dänische Kommandant, Kapitänleutnant Baron von Dircking-Holmfeldt, setzte mit zwei Begleitern beim Oberlotsenhaus an Land, um im königlichen Auftrage die „treuen Untertanen der dänischen Krone“ zur Neutralität zu ermahnen.

Beim Erscheinen des Küsten-Hauptmanns Baron von Leesen wurde Dircking-Holmfeldt von diesem gefangen genommen: „Krieg der Barone!“ Hierbei kam es zu einer Schießerei, bei dem der dänische Marine-Constabel Snydstrup tödlich getroffen wurde.

Dieses Ereignis sollte nach der entscheidenden Schlacht am 25. Juli 1850 bei Idstedt, nordwestlich von Schleswig mit 6000 Toten – die Schleswig-Holstein-Armee war durch den außenpolitisch erzwungenen Abzug des preußischen Offiziercorps (England-Russland) nahezu führungslos – 1853 ein Aufsehen erregendes gerichtliches Nachspiel haben.

1500 Soldaten zogen singend in Burg ein

Dänische Truppen waren bereits am 17. Juli 1850 bei Catharinenhof gelandet und zogen mit 1500 Soldaten und dem neuen Amtmann Broder Knudsen singend in Burg ein.

Anton Snydstrup wurde auf dem Burger Friedhof durch eine Kommission unter Charlotte Nieses Großvater, dem stellvertretenden Amtmann, Jus- tizrath Matthießen, und dem Physikus Dr. Kaestner exhumiert, die bezeugten: mehrere Schüsse gaben den Tod.

Es wurden am 2. November 1853 unter dem nunmehrigen Oberstadtdirektor von Burg und Amtmann von Fehmarn, Broder Knudsen, mehrere Zuchthaus- und Gefängnisstrafen ausgesprochen. Von Leesen zahlte ein hohes Lösegeld an die Familie Snydstrups und kam mit elf Monaten Fes-tungshaft in Kopenhagen glimpflich davon. 1855 verkaufte der Freiherr sein feh- marnsches Gut an Herrn Linde und übersiedelte nach Posen, wo er in unmittelbarer Nähe des Sohnes des als Landesherrn auserkorenen Herzogs von Augustenburg-Schleswig-Holstein sich die Großgüter Treben und Retschke kaufte; die bronzenen Standlöwen der 1844 von ihm aufgekauften Burger Bronzetaufe mitnehmend.

Nach der Eingliederung Schleswig-Holsteins 1867 in Preußen, errichtete der einstige Küsten-Hauptmann am 9. Mai 1872 am „Kampfplatz“ vor dem Gebäude des Oberlotsen Adam ein Denkmal der Ereignisse jenes 15. April 1848 mit eigener Idee und auf seine Kosten. In einer großen Feier mit Musikuntermalung und Festzeitschrift wurde das pyramidenförmige Sandstein-Monument mit kostbaren Tropfsteinen umrahmt, am Tiefe- strand eingeweiht. In Krögers Gasthof lud der Patriot seine einstigen „Mitkämpfer“ zu einem üppigen Vier-Gänge-Menü ein und belohnte sie mit Bargeld wie silbernen und goldenen Erinnerungs-Medaillen.

Der Gasthof verfügt über die römischen Ziffern der Erbauung von 1644 mit der noch heute den Giebelbalken zierenden Amphore eines Ägypten-Mitbringsels des bei der Dänenladung 1850 geflüchten Barons. Der stellte sich erst 1855 unter Einbindung seines Schutzherrn, dem Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, dem Gericht.

Burgtiefe dem Erdboden gleichgemacht

Genau sechs Monate und vier Tage überlebte das Prachtstück am Tiefestrand, dann setzte am 13./14. November 1872 eine gewaltige Sturmflut ein, die in Orth (Hochwassertafel an der Schleuse), Burgstaaken (siehe Hiss-Speicher) und auf Burgtiefe (Glambek) die 3,47-Meter-Marke über NN erreichte und 4527 Hektar Acker- und Wiesenland überschwemmte. Auf Burgtiefe überlebte von 14 Gebäuden nur das Lotsenknecht-Haus.

Unter tiefem Steingeröll –  Burgtiefe hatte in seiner ganzen Länge und mit rund acht Meter Breite den Geröll-Charakter von Gammendorf, erst Buhnen schafften 1921 den 25 Meter breiten Sandstrand – fand Oberlotse Wilhelm Adam das Leesen-Denkmal, wenn auch unzerbrochen, wieder. Die Insulaner bekamen eine ziemliche Furcht vor der Gewalt der entfesselten Wassermassen. Manche zogen weg von den Küstendörfern und die einstigen Bewohner der 12 Quadratkilometer großen Tiefe-Halbinsel (heute 14,5 qkm durch Aufspülung) zogen allesamt nach Neue Tiefe.

Als 1873 bereits wieder ein Hochwasser bei zwei Metern lag und am 9. Februar 1874 bei einem Orkan gar 2,12 Meter über NN gemessen wurde, zog man es vor, das Tiefe-Denkmal nach dem etwas sicheren Burgstaaken, östlich des Hafenbeckens, zu verlegen: hier in einer hübschen Bepflanzung, mit herrlichem Ziergitter und  Ruhebänken angelegt.

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