Zaun Brutgebiet Fehmarn Fastensee
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Der Elektrozaun für die Brutzone am Fastensee wird abgebaut.

110 Brutpaare erfasst

Der Fastensee auf Fehmarn – ein Paradies für Ornithologen

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
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Das Gebiet am Fastensee auf Fehmarn ist 2021 zu einem Hotspot für Ornithologen geworden. Der Verein Haff & Huk Nordfehmarn betreut das Gebiet und freut sich über die Entwicklung.

  • Verein hätte ohne Corona sein fünfjähriges Bestehen gefeiert.
  • Drei bis fünf Brandseeschwalbenpaare brüteten auf Fehmarn.
  • Zehn Fledermausarten bisher erfasst.

Fehmarn – Die Brutzone am Fastensee hat sich 2021 zum Hotspot für Ornithologen an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste entwickelt. „Wir sind begeistert“, sagt Mathias Krause, Vorsitzender des Vereins Haff & Huk Nordfehmarn, der für das Naturschutzgebiet (NSG) Nördliche Seeniederung Fehmarn zuständig ist und in diesem Jahr – wenn es denn normal verlaufen wäre – sein fünfjähriges Bestehen gefeiert hätte. 

110 Brutpaare am Ufer des Fastensees

Zurück zu Erfreulichem am Fastensee: Auf der 7500 m2 großen, eingezäunten Fläche inklusive Brutfloß auf dem Wasser konnten über 110 Brutpaare unterschiedlichster Vogelarten gezählt werden. „Es wuselt da wahnsinnig“, freut sich Krause und zählt auf: Allein über 60 Säbelschnäbler-Jungvögel sind vor Ort gesichtet worden, zudem Sturm- und Lachmöwen, Zwerg- und Flussseeschwalben, Rotschenkel, Austernfischer und Kiebitze. Und was es für Krause noch toppt: Drei bis fünf Brandseeschwalbenpaare hat der Verein erfasst mit Brutversuch, allerdings ohne Erfolg. „Allein das ist schon einzigartig an der Ostseeküste Schleswig-Holsteins.“

Ärgerlich: Die verflixte Webcam will nicht senden

Ein wenig „ratlos und enttäuscht“ sei man wegen der Webcam auf dem Fastensee-Floß gewesen. „Wir hatten technische Probleme und haben bisher jedes Teil umgedreht, aber noch nicht herausbekommen, woran es liegt.“ Als die Jungvögel zu schlüpfen begannen, habe man vor Ort auch nicht mehr stören wollen. Zum kommenden Jahr soll das Problem behoben sein, ist Krause zuversichtlich.

Lachmöwen haben das Brutfloß übernommen

Nachdenklich stimmt Krause zudem, dass „Lachmöwen das Brutfloß im Fastensee übernommen haben“, das eigentlich für Flussseeschwalben gebaut wurde. 50 Paare verdrängten die Hälfte der zwölf Flussseeschwalben. Natürlich seien aus ornithologischer Warte auch andere Bruterfolge wertvoll, weiß Krause, der es aus persönlicher Sicht dennoch schade findet.

Etwas weniger Euphorie herrscht im eingezäunten Strandbereich (knapp 0,5 Hektar) an der Markelsdorfer Huk. „Da funktioniert es noch nicht“, so Krause mit Blick auf den Bruterfolg, wobei sich das kleinere Floß im Wasser weiterhin großer Beliebtheit erfreut. 14 Flussseeschwalben brüteten erfolgreich.

Neben Seeadlern, die zwar Nachwuchs hatten, jedoch die ersten Wochen nicht überlebten, beobachtet der Verein auch Fledermäuse. Zehn Arten haben Margot Marquardt, die Monitoring federführend durchführt, und Unterstützer bisher erfasst. Drei sind in diesem Jahr hinzugekommen.

Horchboxen zur Erfassung der Fledermäuse auf Fehmarn

Zwei sogenannte Horchboxen für Fledermäuse hat der Verein angeschafft und im Herbst installiert. Die Tiere werden zur Erfassung also nicht beobachtet, sondern erhorcht. „Es sind richtige Profigeräte, die das Fangen der Tiere ersetzen und somit keinen Stress für sie verursachen“, erklärt Mathias Krause, Vorsitzender von Haff & Huk. Auch die zehn Fledermauskästen sind in diesem Jahr zum Teil auch mit den „richtigen“ Tieren bewohnt. „Wir erfahren viel Neues. Das Programm wird sich weiterentwickeln“, so Krause, denn die Datenerfassung müsse immer der Ideenentwicklung für die Lebensraumgestaltung vorausgehen.

Bestes Beispiel ist der eingezäunte Bereich am Fastensee: „Es ist eine sichere Zone für die Vögel. Gegen Prädatoren aus der Luft können sie sich gegenseitig verteidigen.“

Natur und Mensch zusammenbringen

Auch der gesellige Teil soll im Verein nicht zu kurz kommen. So werden übers Jahr Führungen angeboten und erstmals in 2021 auch eine Kaffeetafel an der Markelsdorfer Huk – gemeinsam organisiert mit dem Seniorenbeirat der Stadt Fehmarn. „Wir haben unsere Arbeit vorgestellt. Das war ein toller Nachmittag“, steht alles auf Grün für eine Wiederholung in 2022, so Krause – dann vielleicht zusätzlich für den Seniorenkreis der St.-Johannis-Kirche in Petersdorf.

Apropos Inselwesten: Wenn es denn in 2022 stattfindet, wäre Haff & Huk auch wieder beim Rapsblütenfest dabei. „Wir haben am Stand mit Kindern Nistkästen zusammengebaut“, erinnert sich Krause an 2019 zurück. Generell betrachtet, bedauert es Krause, dass die Arbeit des Vereins „oftmals im Verborgenen stattfindet“. Dabei könne man Naturinteressierten viel bieten. Immerhin sei es doch auch das Ziel, „Natur und Mensch auf vielfältige Weise zusammenzubringen“, so der Vereinsvorsitzende.

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