Martin Kröger vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe: Vortrag auf Nautischem Essen

Deutsche Seehäfen boomen

Rechtsanwalt Martin Kröger hielt einen Vortrag zum Thema Ostseehäfen.

PUTTGARDEN (nic) • Die Zukunft liegt auf dem Meer. Und die Zukunft des Fehmarnbelts liegt auf den fahrenden Brücken“, hatte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt im Rahmen des „Nautischen Essens“ des Nautischen Vereins Vogelfluglinie am Freitagabend an Bord der „Schleswig-Holstein“ gesagt (wir berichteten).

Vor diesem Hintergrund rang ihm die Tatsache, dass der Verkehrsminister 250 Millionen Euro in Rastplätze stecken will, damit die Brummi-Fahrer ihre Lenk- und Ruhezeiten einhalten könnten, nur ein müdes Lächeln ab. Diesen Effekt gebe es beim Übersetzen mit der Fähre gratis. „Brücken verursachen Verkehr, den wir gar nicht haben wollen“, so Schmiedt und erhielt viel Beifall.

Kapitän Garrit Leemreijze, Ehrenmitglied des Nautischen Vereins Vogelfluglinie und in der Geschäftsführung des Deutschen Nautischen Vereins, sprach das 140-jährige Bestehen des Deutschen Nautischen Vereins an. Innerhalb dieser Zeit sei es gelungen, die Seefahrt gegenüber der Politik und der Verwaltung transparenter zu machen. Leemreijze sprach auch die Nachwuchsförderung an. Es müsse alles Erdenkliche getan werden, damit die Schifffahrt von Deutschland aus machbar bleibe. Leemreijze erinnerte an den 15. „Nautischen Abend“ in Berlin, der am 7. Mai stattfinden werde.

Das Thema „Umweltpolitik: Bremse oder Impulsgeber für die Ostseehäfen“ rückte Rechtsanwalt Martin Kröger vom Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe in den Mittelpunkt seines Festvortrages.

Die deutsche maritime Wirtschaft unterliege einem rasanten Wachstum, was es zu sichern und auszubauen gelte. Umweltpolitische As- pekte und der grundsätzliche ökologische Schutz der Ozeane wie auch der gesamte Klimaschutz gewinne zunehmend an Bedeutung bei der Verkehrsplanung und dem Ausbau der maritimen Wirtschaft, so Kröger.

• Umschlag soll bis • 2025 um 150 • Prozent zulegen

Die deutschen Seehäfen hätten 2007 kräftig zugelegt. 2006 hätten sie erstmals über 300 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Für 2007 werde mit einem Zuwachs um sechs Prozent auf 318 Millionen Tonnen gerechnet. Bis 2010 soll sich das Aufkommen der deutschen Seehäfen jährlich durchschnittlich um fünf Prozent erhöhen. „Nach der neuen Seeverkehrsprognose steigt das Aufkommen in unseren Häfen bis zum Jahr 2025 sogar um das eineinhalbfache auf rund 760 Millionen Tonnen“, so Kröger. Dabei werde sich der Fähr- und RoRo-Verkehr in deutschen Ostseehäfen auf über 70 Millionen Tonnen fast verdreifachen, der Gesamt-Containerumschlag in Norddeutschland werde sich auf rund 45 Millionen TEU sogar mehr als vervierfachen. Hamburg werde weiterhin größter Seehafen Deutschlands bleiben, gefolgt von Bremer- und Wilhelmshaven. „Bis zum Jahr 2025 wird erwartet, dass alleine in Hamburg mit über 330 Millionen Tonnen weit mehr Güter umgeschlagen werden als in allen deutschen Seehäfen im Jahr 2007 zusammen.“ Im Containerumschlag werde Hamburg 2025 voraussichtlich der größte Containerhafen in Europa werden und dann vor Rotterdam liegen, so Kröger: „Von der Wachstumsrate im Containerumschlag werden auch direkt die Ostseehäfen profitieren. Schon heute wird jeder dritte Container im Hamburger Hafen aus oder in den Ostseeraum befördert.“

Steigende Transportkapazitäten: Bund, Küstenländer und Hafenwirtschaft hätten schon auf der letzten 5. Nationalen Maritimen Konferenz erklärt, mittelfristig 12,6 Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastrukturen zur Stärkung des Seehafenstandortes Deutschland zu investieren. „Die Hafenwirtschaft ist in Deutschland ein Investitionsriese“, so Kröger.

„Die positive Bestandsaufnahme der maritimen Wirtschaft in Deutschland zeigt, die deutsche Küstenregion und damit der Norden Deutschlands bilden ein robustes und zukunftsfähiges Wirtschaftsprofil, dessen Kern die deutsche Seehafenwirtschaft als Schnittstelle zwischen Land- und Seeverkehr ist. Dies bedeutet für den norddeutschen Raum: Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze sowie Wertschöpfung für die gesamte Wirtschaft der Transportkette.“

Und wo bleibe der Schutz des Klimas und der Meeresumwelt ? Was das anbelange, könne eine Verbesserung des Klimaschutzes und der Meeresumwelt unter gleichzeitiger Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Seehafenbetriebe nur dadurch erreicht werden, dass international einheitlich abgestimmte Regelungen zum Meeresumweltschutz erlassen werden, so Kröger. „Regionale Sonderlasten – ob auf europäischer oder national deutscher Ebene –  sind Gift für den Schifffahrtsstandort Deutschland“, so Kröger. Der wies in seinem Festvortrag darauf hin, dass die Seeschifffahrt bei Weitem der umweltfreundlichste Verkehrsträger sei. „Kein anderes Verkehrsmittel ist in der Lage, Güter mit einem geringeren Energieaufwand und geringeren Schadstoff-Emissionen zu befördern.“ Auch wenn die Bemühungen, den Umwelt- und Klimaschutz weiter auszubauen, grundsätzlich zu begrüßen seien, bedürfe die Emissionsproblematik insbesondere im Ostseeraum einer ausgewogenen Betrachtung. „Denn eine moderne Umweltpolitik darf eben nicht zu einer Bremse der wirtschaftlichen Entwicklung einer Region werden, sondern muss vielmehr als Impulsgeber dienen. Vor diesem Hintergrund ist darauf zu achten, dass Bemühungen zur drastischen Reduzierung der Emissionen der Seeschifffahrt nicht dazu führen, dass sich Verkehre auf den wesentlich stärker emittierenden Transportträger Lkw verlagern. In diesem Punkt muss die Politik mit Augenmaß vorgehen“, appellierte Kröger. Würde sich die verladende Wirtschaft für einen gesteigerten Gebrauch des Lkw als Transportmittel entscheiden, wäre dies wesentlich kontraproduktiver gegenüber einem funktionierenden Umwelt- und Klimaschutz, als die Grenzwerte für Schiffsemissionen auf dem derzeitigen Stand zu belassen.

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