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Carsten Marquardt beim Düngen, das dank satellitengestützter Technik viel effizienter durchgeführt werden kann als früher.

Grüne Diskussionsrunde zur Düngeverordnung / Müller erwartet Bewegung auch bei Politik

Dialog statt Konfrontation

Fehmarn – Von Andreas Höppner Fehmarns Grünen-Chef Falko Siering hat am Sonnabend (24. Oktober) zur bereits dritten landwirtschaftlichen Diskussionsrunde in diesem Jahr eingeladen. Sie findet um 16 Uhr in Avendorf auf dem Hof von Carsten Marquardt statt. Neben örtlichen Vertretern der Landwirtschaft wird der europa- und agrarpolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen, Bernd Voß, zu Gast sein.

  • 3. Diskussionsrunde in diesem Jahr
  • Praxisnah auf einem Hof
  • Fehmarns Bauernchef Gunnar Müller hält Düngeverordnung für kontraprodutiv

Zentrales Thema ist einmal mehr die am 1. Mai in Kraft getretene neue Düngeverordnung. Man wolle aber auch „einen Blick auf die gemeinsame Agrarpolitik der EU werfen und erörtern, welche Herausforderungen vor allem im Zuge des Green New Deal auf die Landwirtschaft zukommen“, umreißt Falko Siering das Diskussionspotenzial. In den Dialog eintreten wollen auch die Fehmaraner Gunnar Müller, Bezirksvorsitzender des Bauernverbandes, und Schweinezüchter Falk Voß-Hagen sowie Holger Kroll vom Zweckverband Ostholstein.

Siering hofft auf reges Interesse der Öffentlichkeit an der Diskussion, die sicherlich kontrovers geführt werden dürfte. Sie findet auf dem Hof im Freien statt, bei Regen wird in eine große Scheune ausgewichen.

Falko Siering, Vorsitzender des Grünen-Ortsverbandes Fehmarn.

Gunnar Müller: Der richtige Weg

Gunnar Müller, Bezirksvorsitzender des Bauernverbandes.

Mit der Veranstaltung praxisnah auf einen Hof zu gehen, sei aus Sicht des

Bauernverbandes

„der richtige Weg“, findet

Gunnar Müller

. „Wir merken, wie wenig elementares Wissen über Landwirtschaft vorhanden ist und haben nichts zu verstecken“, hat

Fehmarns Bauernchef

gegen einen fairen Meinungsaustausch, der auch kontrovers geführt werden kann beziehungsweise muss, nichts einzuwenden. „Das Interesse an unserem Berufsstand tut gut und hilft dem Gegenüber, einen Einblick zu erlangen.“ Das Wissen über Landwirtschaft und deren Interaktion mit der Natur sei aber leider auch schon bei anderen Parteien Mangelware, hat Müller für sich festgestellt. Zudem habe er den Eindruck gewonnen, dass die Vertreter der grünen Seite gerne unter ihresgleichen diskutierten und „im eigenen Saft schmoren“ würden. Ein Fehler, den der landwirtschaftliche Berufsstand „vor einer halben Generation“ ebenfalls gemacht habe.

Die Bauern akzeptierten inzwischen ein Stück weit den Wandel, versuchten sich weiterzuentwickeln und nähmen gerne Kritik und Unterstützung an, ist Gunnar Müller überzeugt. Umso dankbarer sei er, dass Falko Siering „ehrliches Interesse an der Landwirtschaft und der Bearbeitung der aktuellen Problemfelder“ habe.

Kritische Diskussion – ja; plumpes „Bauern-Bashing“ – nein. Für Gunnar Müller schießen vor allem Umweltverbände wie Greenpeace oder ähnliche Organisationen zu oft übers Ziel hinaus. Teilweise würden sie sogar des Recht für eigene Interessen beugen. Als ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit führt Fehmarns oberster Landwirt das von Greenpeace vorgenommene Versenken von Findlingen vor der Westküste Fehmarns an (wir berichteten).

Zurück zur Landwirtschaft. Hier gibt es aus Sicht von Gunnar Müller zahlreiche Problemfelder, die die Landwirte nicht in Abrede stellen würden, sich bei der Problembewältigung aber eine größere Kompromissbereitschaft der Politik wünschten. Denn die Landwirte würden sich mit den Problemen vor Ort am besten auskennen. „Jäger und Landwirte sind nicht die schlechtesten Naturschützer“, so Müller und verweist auf deren ureigenes Interesse, eine intakte Umwelt vorzufinden.

Er stelle die Düngeverordnung „grundsätzlich nicht infrage“, in einzelnen Punkten sei sie aber kontraproduktiv, habe er festgestellt. So führe beispielsweise die Begrenzung für Hochertragsstandorte zu einer schlechten Nährstoffausnutzung. Das Verbot der Düngerausbringung bei Frost könne er gerade für den Standort Fehmarn mit seinen ebenen Flächen nicht nachvollziehen. Ganz im Gegenteil, vielmehr sei es auf Fehmarn das Beste, was der Umwelt passieren könne: effektive Ausnutzung der Nährstoffe, keine Bodenverdichtung, saubere Straßen, wenig Touristen.

Eine „weitere Fehlentwicklung grüner Politik“ sei die Populationsexplosion bei vielen Wasservogelarten. Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft seien von Jahr zu Jahr stärker geworden. Ackerflächen im Küstenbereich könnten mitunter ohne intensiven Vergrämungseinsatz kaum noch beackert werden. Und gleichzeitig würden Jagdzeiten sogar noch eingeschränkt, gibt Müller zu bedenken.

Eine Reihe von politischen Entscheidungen hätte den Naturschutz „einfältig, teuer und ineffizient“ werden lassen. Vieles passe einfach nicht zusammen. Auf der einen Seite im Rahmen des Baus der Festen Fehmarnbeltquerung ein Amphibienschutz, der „ausartet“, auf der anderen Seite der Verzicht auf einen Wildzaun entlang der zukünftigen Schnellstraße, um Geld zu sparen. Blühflächen und Baumpflanzungen entlang der Straßen erfreuten die Menschen, geeignete Flächen abseits der Straßen würden hingegen die Gefährdung des Verkehrs verringern und den Nutzen für die Natur vergrößern. Allein im Falle der Blieschendorfer Allee seien in den letzten zwei Jahren rund 250 tote Hasen, Fasane und Rehe gezählt worden, listet Müller auf.

Ausreichend Stoff zur Diskussion gibt es also am Sonnabend. Doch Gunnar Müller schickt im Vorwege nicht nur an die Grünen die Botschaft, sich bewegen zu müssen. Selbst bei der CDU, nach eigenem Bekunden „der politische Hafen der Landwirte“, fehle ihm beim Naturschutz ein „eigenes Profil“.

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