Zwölf Vermieter der Insel nehmen an Pilotprojekt teil / Vorteile für Gäste, Vermieter und TSF

Die digitale Ostseecard kommt

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Digital ist besser: Oliver Behncke (v.l.) und Volker Aermes vom TSF setzen auf die App „WELCMpass“, die Björn und Michael Faltis entwickelt haben.

Fehmarn –mb Am Anfang war der manuelle Meldeschein. Noch 2015 arbeitete der Tourismus-Service Fehmarn (TSF) mit 120000 Durchschreibesätzen, dann kam er Online-Meldeschein (für den auch noch Papier bedruckt werden muss), und die Anzahl reduzierte sich auf rund 60000 pro Jahr. Jetzt der nächste Schritt: die digitale Ostseecard auf dem Handy.

  • Europaweites einmaliges Pilotprojekt
  • Kanon an Leistungen
  • Testphase läuft seit dem 1. Juni
Von einem „sehr innovativen und europaweit einmaligen Pilotprojekt“, sprach Tourismusdirektor Oliver Behncke am Dienstag bei einem Pressegespräch zusammen mit den Entwicklern der App „WELCMpass“, Michael Faltis und Björn Faltis von „Guide2“, hinter der sich die digitale Ostseecard versteckt. Schon im Herbst sei es denkbar, in einem fließenden Übergang in den Normalbetrieb überzugehen, führte Behncke weiter aus. Neben Fehmarn nehmen an der Testphase unter anderem Pellworm, Mölln, Nordstrand und Königstein im Taunus teil. Man sei zudem in Gesprächen mit Malta, den Balearen und Malaysia. Europaweit gebe es kein vergleichbares System, das die komplette Prozesskette digitalisiere, so die Entwickler. Gefördert wird das Projekt vom Bundeslandwirtschaftsministerium aus dem Programm zur Digitalisierung ländlicher Räume.

Zu sagen, es sei im Prinzip die Kurkarte auf dem Smartphone, ist vielleicht so simpel formuliert, wie es am Ende in der Anwendung für den Gast sein soll. Dahinter versteckt sich aber deutlich mehr. „Wenn ein Gast die Kurabgabe vor Ort zahlt, weiß er oftmals nicht, was er davon hat“, wirft Michael Faltis als Problem auf. „Wir haben den Prozess auf den Kopf gestellt. Wir zeigen, welchen erheblichen Kanon an Leistungen die Kommune zur Verfügung stellt.“

So kann die Kurabgabe nicht nur im Vorwege bezahlt werden – die Bezahlung gilt zugleich als digitale Unterschrift für den Meldeschein – auch die daraus erwachsenen Ermäßigungen und Vorteile wie Eintritte, Gutscheine und Rabatte in Restaurants oder Geschäften sind abrufbar. Die Kurkarten sind digital teilbar, also übertragbar auf die Smartphones der Familie. Zudem erkennt die App, wenn jemand im laufenden Jahr bereits 28 Tage Kurabgabe auf Fehmarn gezahlt hat und dann nicht mehr zahlen muss. Stornierungen sind ebenfalls kein Problem. Die Entwickler versprachen zudem einen hohen Schutz vor Missbrauch und einen ausgefeilten Datenschutz.

Die Testphase läuft seit dem 1. Juni, um Kinderkrankheiten in der Anwendung für Gäste und Vermieter auszumerzen. Zwölf Vermieter – vom großen Campingplatz, über Landgasthöfe bis hin zum kleineren Angebot – nehmen an der Testphase teil. „Bisher haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen und schon etliche weitere Anfragen“, ist der stellvertretende TSF-Chef und Projektverantwortliche auf Fehmarn, Volker Aermes, bisher zufrieden. Grundkosten fallen für den TSF nicht an. Die App-Entwickler werden aber mit einem Prozentsatz am Umsatz der Smartphone-Kurkarte beteiligt.

„Wir erwarten deutliche Einsparungen“, so Behncke, der die momentanen Kosten für eine Meldung auf ungefähr 50 Cent bezifferte. Am Ende des Tages sah der Tourismusdirektor nicht nur den erheblich reduzierten Arbeitsaufwand für Vermieter, die über eine Weboberfläche Möglichkeiten der Datenpflege und Kontrolle haben und QR-Codes für ihre Gäste erstellen können, sondern aufgrund der Zeitersparnis und der Nutzungsmöglichkeiten auch eine höhere Akzeptanz der Kurabgabe unter den Gästen. „Die Kurabgabe-Ehrlichkeit steigt und so auch die Refinanzierung unserer Kurabgabekosten“, brachte es Behncke auf den Punkt. Also doch alles ganz simpel.

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