„Heute endet ein Stück Feuerwehrgeschichte“/Friedrich Rathjen tritt nach zwölf Jahren nicht mehr an

Dirk Westphal Burgs neuer Wehrführer

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Friedrich Rathjen (l.) gratuliert seinem Nachfolger Dirk Westphal.

FEHMARN  - nic - Burgs Kameraden haben einen neuen Wehrführer. Dirk Westphal, bisher der zweite Mann an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Burg, tritt die Nachfolge von Friedrich Rathjen an. „Heute endet ein Stück Feuerwehrgeschichte“, so Dirk Westphal am Sonnabend im Rahmen der Jahreshauptversammlung.

Rathjen, der zwölf Jahre lang an vorderster Front der derzeit 104 Mitglieder starken Wehr wirkte, hatte sich, wie bereits angekündigt, am Sonnabend nicht wieder zur Verfügung gestellt. Wer ihn künftig im Einsatz suche – „ich bin wieder da zu finden, wo es nach Rauch riecht, es heiß ist und das Feuer zu sehen ist“, so Rathjen, der sich darauf freue, wieder ein Strahlrohr in der Hand zu haben und das Feuer direkt bekämpfen zu können.

Der Fire-Chief auf Abschiedstournee wird die Amtsgeschäfte noch bis Ende nächsten Monats führen, um dann Dirk Westphal Platz zu machen, dessen eindrucksvolles Wahlergebnis (52 Jastimmen, eine Enthaltung) ihn am Sonnabend im Burger Feuerwehrhaus auf den bald frei werdenden Feuerwehr-Chefsessel katapultierte.

Dirk Westphal. Mit Sicherheit kein Leisetreter und bekannt dafür, sich vehement für die Belange der Feuerwehr einzusetzen, gewährte nach seiner Wahl sogleich einen kleinen Blick auf die Liste der Dinge, die in nächster Zeit zu klären oder anzupacken seien, um die Wehr gemeinsam mit den Kameraden „weiter nach vorne zu bringen“; darunter neben dem Feuerwehrbedarfsplan und dem derzeit noch mit Missständen behafteten Thema Wasserrettung auch erste Gespräche für die Errichtung eines neuen Feuerwehrhauses.

Das Amt des stellvertretenden Wehrführers, das Dirk Westphal innegehabt hatte, wird künftig Hauke Nerl mit Leben füllen. Zum Gruppenführer I wurde Kevin Kühl, zum Gruppenführer III Jan-Täve Albert gewählt. Als neuer Kassenführer wird nach Heiko Schäfer, der nach 18 Jahren im Amt am Sonnabend nicht noch einmal in die sechsjährige Verlängerung ging, Sven Baumgarn nunmehr mit Argusaugen über den Kassenbestand der Wehr wachen.

Apropos. Kameradschaftskasse. Ein Thema, das nach wie vor kräftig gärt in den Wehren und auch Friedrich Rathjen bei seinem elften und letzten Jahresbericht auf der Agenda hatte. Endlich sei die Kameradschaftskasse auf eine rechtlich einwandfreie Basis gestellt worden, „der untragbare widerrechtliche Zustand, der seit 1874 in der Feuerwehr Burg ohne jede Beanstandung oder Verfehlung bestand, ist beendet“, leitete Friedrich Rathjen ein. Die Burger Wehr habe einen Haushaltsplan, der der Stadtvertretung zur Genehmigung vorzulegen sei, „wir haben haushaltsrechtliche Vorschriften zu beachten, es gibt gegenseitig deckungsfähige Konten, über- und außerplanmäßige Ausgaben, die teilweise einer zusätzlichen Genehmigung bedürfen und noch viele weitere zu beachtende Vorschriften“.

Die Stadt unterstütze die Kameradschaftskasse der Burger Wehr mit jährlich rund 1700 Euro. Der überwiegende Teil der Mittel stamme von fördernden Mitgliedern oder werde von den Kameraden in ihrer Freizeit eigenständig erwirtschaftet. Das Geld sei nur für die Kameradschaftspflege zu verwenden: Essen, Trinken, Ausflüge ... „Wir wollen dieses Geld nicht nur für die Kameradschaftspflege einsetzen, wir wollen davon Ausrüstungsgegenstände anschaffen, die wir für sinnvoll erachten, aber aus dem städtischen Haushalt nicht angeschafft werden können“, so Friedrich Rathjen.

„Und natürlich werden wir nur Anschaffungen tätigen, die keine Folgekosten für die Stadt bedeuten, oder deren Folgekosten vorher mit der Stadt abgesprochen sind. So wie wir es seit 1874 gehandhabt haben“, so Rathjen, der hofft, dass ein Weg gefunden werde, der es den Wehren ermöglicht, weiterhin Ausrüstungsgegenstände anzuschaffen.

So wie die zweite Wärmebildkamera, die die Burger Wehr im vergangenen Jahr gekauft hat. „Eine sinnvolle Anschaffung für die Burger Wehr und die Bevölkerung. Wir haben das gemacht, was wir jetzt nicht mehr dürfen“, so Rathjen.

Auch Dirk Westphal fand in seinem Jahresbericht deutliche Worte. Er appellierte, den Wehren nicht noch mit mehr bürokratischen und anderen Vorschriften und Normen die eigentliche Feuerwehrarbeit zu erschweren. Davor habe er bereits auf der letzten Jahreshauptversammlung gewarnt. Niemand habe ragiert. Wenn nicht entschieden dagegen gesteuert werde, sehe er die ehrenamtliche Arbeit in großer Gefahr, ging seine Kritik auch in Richtung neues Brandschutzgesetz/Kameradschaftskasse. „Die Mehrarbeit mit der neuen Kassenführung kann noch so gering sein, aber sie ist Mehrarbeit, forderte er alle Verantwort.ichen auf, sich der Dache dringend anzunehmen. „Wir verwalten und regulieren uns kaputt“, so Westphal.

Das sah Rathjen ebenso. Der Papierkram werde mehr, das Feuerwehrhaus sei zwar optimal gelegen, entspreche aber längst nicht mehr den heutigen baulichen Ansprüchen, durch das Alarmierungssystem Cobra IV seien vielleicht manchmal etwas viele Feuerwehren alarmiert worden, formulierte Rathjen dezent, sich sicher, dass die Einführung des Digitalfunks „uns noch sehr viel Arbeit bringen wird“.

Neben „K“ wie Kameradschaftskasse brannte ihm noch ein weiteres unter den Nägeln. „K“ wie Karneval. Für Friedrich Rathjen eine Herzensangelegenheit. Rathjen, der den Inselkarneval 24 Jahre lang organisierte, machte am Sonnabend kein Hehl daraus, dass er die Neuausrichtung der Traditionsfeierei nicht gutheißt: „Der Verzicht auf ein Prinzenpaar, Funkenmariechen und die Schlüsselübergabe mit Büttenrede im Rathaus stellt aus meiner Sicht einen erheblichen Niveauverlust für den ganzen Inselkarneval dar. Diesen Niveauverlust werden die eingesparten Kosten nicht aufwiegen“, so Friedrich Rathjen, der während der Jahreshauptversammlung immer dann, wenn es das Thema zuließ, den Inselkarneval ins Spiel brachte. Der Abschied vom traditionellen Karneval fällt Friedrich Rathjen schwer. „Wie ein Kind, das man gehen lassen muss“, werde ihm der alte Inselkarneval fehlen.

Aber es gab auch Positives. So wird die Burger Wehr im Juli ein Vorführfahrzeug HLF 20 als Ersatz für das Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 in Dienst stellen können. Eine Arbeitsgruppe der Burger Wehr hatte das Anforderungsprofil für das TLF erarbeitet. Die Wahl eines Vorführfahrzeugs habe es ermöglicht, eine höherwertige Fahrzeugqualität und eine bessere, zukunftsweisende Ausstattung zu einem angemessenen Preis zu erwerben, so Rathjen, der auch das bereits im Februar in Dienst gestellte ELW 1 in seinem letzten Jahresbericht nicht außer Acht ließ. Ein Fahrzeug, das mit modernster Informations und Kommunikationstechnik die Einsatzleitung bei Großschadenslagen unterstützen soll. Rathjen gab jedoch eindring.ich zu bedenken, dass eine Führung von Einsätzen bis zu einer gewissen Größe für seinen Geschmack mit dem Blick auf das Geschehen erfolgen müsse. Eine vom Einsatzort abgesetzte Führung laufe Gefahr, nicht rechtzeitig auf die Lage reagieren zu können.

„Mir ist wohl bewusst, dass die Gemeindewehrführung und ich hier durchaus unterschiedlicher Meinung sind“, so Rathjen, der den Wunsch und die Bitte an die Gemeindewehrführung äußerte, zukünftig näher am Geschehen zu sein.

Rund 1200 Einsätze, davon rund 800 selbst geleitet – Friedrich Rathjen habe in zwölf Jahren einen enormen Opferdienst für die Wehr und die Bevölkerung erbracht. Als Dankeschön erhielt Rathjen nicht nur einen Präsentkorb und den kleinen, goldenen Feuerwehrhelm für seinen unermüdlichen Einsatz und sein Engagement in der Burger Wehr.

Von den Kameraden gab es auch einen Umschlag, in dem Monetäres für Rathjens großes Hobby, das Motorradfahren, steckte. Was man in dem Zusammenhang immer gebrauchen könne: „Reifen!“, musste Friedrich Rathjen gar nicht lange über eine geeignete Anschaffung nachdenken. Na bitte, wäre das auch geklärt.

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