Diskussionsrunde zur Landwirtschaft in Avendorf auf Fehmarn
+
Manchmal mehr, manchmal weniger nah beieinander: Landwirte Dirk Kock-Rohwer (l.) und Falk Voß-Hagen am linken Tisch und Landwirt Gunnar Müller (r.) mit Politiker Bernd Voß rechts. In der Mitte Moderator Falko Siering.

Diskussionsrunde in Avendorf

Transformation der Landwirtschaft: Der Verbraucher ist tonangebend

  • Manuel Büchner
    VonManuel Büchner
    schließen

Zur dritten Dialog-Veranstaltung Landwirtschaft hatte der Grünen-Ortsverein auf Fehmarn eingeladen. Thema: Welche Rolle spielt die GAP bei der Transformation der Landwirtschaft?

  • Diskussionsrunde zur Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union.
  • Von sieben Prozent Okölandbau auf 25 Prozent in 2030.
  • Drei Ökobauern auf Fehmarn.

Fehmarn – Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus? Viel hängt von der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union, kurz GAP, ab. Immerhin will die EU die Landwirte in den kommenden sieben Jahren mit 387 Milliarden Euro fördern, das sind fast 40 Prozent des EU-Haushalts, aufgeteilt auf 75 Prozent Direktzahlungen und 25 Prozent gezielte Förderprogramme für nachhaltig und umweltschonende Bewirtschaftung. An deutsche Betriebe verteilt die EU in der jetzigen Periode etwa sechs Milliarden Euro pro Jahr. Ergo: Die GAP bestimmt für viele Landwirte, was sich lohnt und was nicht.

Landwirtschaft und (grüne) Politik im Dialog

Auf dem Hof von Carsten Marquardt in Avendorf wurde am Sonnabend über die Sinnhaftigkeit der GAP und ihre zukünftige Lenkungswirkung für konventionelle und ökologische Landwirtschaft diskutiert. Es war die dritte Veranstaltung dieser Art, die vom hiesigen Ortsverband durchgeführt wurde. Motto: Landwirtschaft und (grüne) Politik im Dialog.

Drei Landwirte und ein Politiker

An den Stehtischen diskutierten Gunnar Müller, Ackerbauer aus Sahrensdorf und Fehmarns Bezirksvorsitzender im Kreisbauernverband, Falk Voß-Hagen, Landwirt mit Schwerpunkt auf Schweinezucht im Inselwesten, Dirk Kock-Rohwer, der seit 30 Jahren im Kreis Plön einen Ackerbau- und Milchviehbetrieb betreibt, und Bernd Voß, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Der Ortsverbandsvorsitzende Falko Siering moderierte und wollte wissen: Was ändert sich mit der neuen Förderperiode?

Das könne man noch nicht genau sagen, da sich Europäisches Parlament, Kommission und die Landwirtschaftsminister der Länder („das sind die größten Bremser“) noch nicht geeinigt hätten, antwortete Voß. Die zentrale Frage: Wie stark sollen die Direktzahlungen an Ökoregelungen (Eco-Schemes) geknüpft sein? Die Landwirte können frei entscheiden, ob sie mitmachen – tun sie es nicht, reduziert sich aber ihre Zahlung aus Brüssel.

Im Vorwege lieber keine großen Gedanken machen

Siering: Wie wirken sich die Verzögerungen bei der Reform vor Ort aus? Voß-Hagen: „Ich habe immer versucht, meinen Betrieb so aufzustellen, dass wir auch ohne Prämienzahlungen vernünftig bewirtschaften können.“ Eine gewisse Gelassenheit auch bei Müller. Die Erfahrung habe gezeigt, sich besser im Vorwege nicht zu große Gedanken zu machen. „Wir orientieren unser Handeln an den aktuellen Rahmenbedingungen. Schwierig wird es, wenn wir dabei in eine Richtung getrieben werden, die der Verbraucher nicht nachfragt.“

Anteil am Ökolandbau soll in der EU in 2030 auf 25 Prozent ansteigen

Was heute aus der Gesellschaft von den Landwirten gefordert werde, erbringe die ökologische Landwirtschaft schon längst, sagte Kock-Rower, der 200 Hektar bewirtschaftet. Momentan gibt es im Land rund sieben Prozent Ökolandbau, auch drei Betriebe auf Fehmarn. Ziel der EU ist für 2030 ein Anteil von 25 Prozent. „Ein riesiger Schritt, der Haushaltsmittel brauchen wird und ein begleitendes Marktwachstum“, sprach sich Voß für die Ökologisierung der Landwirtschaft aus.

Potenzial ist da, aber wir fördern etwas, was der Verbraucher nicht in der Masse im Supermarkt kauft.

Landwirt Gunnar Müller

„Potenzial ist da, aber wir fördern etwas, was der Verbraucher nicht in der Masse im Supermarkt kauft“, sprach sich der Sahrensdorfer gegen einen derartigen Eingriff in den Markt aus. Zustimmung für Müller von Voß-Hagen: „Wir passen unsere Produktion schon seit Jahren an. Der Prozess geht weiter, muss weitergehen.“ Allerdings dürfe man nicht einfach etwas ausweisen, sondern zunächst den Verbraucher überzeugen.

Neue Kunde für Ökolandbau-Produkte finden sich immer leichter

Neue Kunden zu finden, werde immer leichter, reagierte Kock-Rohwer, wichtig sei, diese verstärkt an regionale Produkte zu binden –aber auch auf den regionalen Markt zu setzen. Denn „jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel des Verbrauchers“, gab auch der Bio-Bauer aus Plön zu. Es liegt also am Verbraucher. Der müsse zwar sensibilisiert werden, aber selbst entscheiden, mahnte Müller.

Für eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung sprachen sich alle Diskutanten aus. „Das ist schon seit Jahren überfällig, um dem Verbraucher klar zu signalisieren, was er kauft“, sagte Voß-Hagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.