1. Fehmarnsches Tageblatt
  2. Fehmarn

Drei Wünsche frei: „Jeden Tag Geburtstag“

Erstellt:

Von: Nicole Rochell

Kommentare

Die Familie Wagener
Familie Wagener: Papa Sebastian, Michel und Leif sowie Nesthäkchen Skadi, bei Mama Birte auf dem Arm. Alle hatte am Mittwoch bei unserer Umfrage drei Wünsche frei. © Lars Braesch

Das FT fragte einmal nach, was es denn bei den Lesern sein dürfte, wenn sie denn drei Wünsche frei hätten.

Fehmarn – „Stellen Sie sich vor, Ihnen erscheint eine gute Fee und Sie können sich drei Dinge wünschen – welche sind das?“ Nein, keine Fangfrage eines Personalers in einem Bewerbungsgespräch, mit der man Sie auf die Probe stellen will, ob sie nur an sich denken oder auch Teamplayer sind. Wir wollten Sie tatsächlich einmal in den Märchenmodus manövrieren und fragten bei einigen Leserinnen und Lesern nach, was es denn bei ihnen sein dürfte, wenn sie denn drei Wünsche frei hätten.

Ich wünsche mir, blitzschnell lesen, schreiben und rechnen zu können

Michel Wagener

„Ich wünsche mir, blitzschnell lesen, schreiben und rechnen zu können“, sagt Michel Wagener, sieben Jahre. Superkräfte können nicht schaden, findet er, und wünscht sich, wo die Fee doch gerade schon mal dabei ist, als dritten Wunsch ein Spiderman-Kostüm, mit dem man, klar, an der Wand laufen und Netze schießen kann. Sein Bruder Leif, fünf Jahre, wünscht sich einen ferngesteuerten Monstertruck, ein Spiderman-Kostüm, wie es sich Michel bereits gewünscht hat, und ein ferngesteuertes Rennauto. Nesthäkchen Skadi, drei Jahre, wünscht sich einen Babypullover für eine Babypuppe und einen Kinderpullover für sich, den aber auch die Brüder mittragen könnten, gewährt sie großzügig. „Und dann wünsche ich mir noch, jeden Tag Geburtstag zu feiern.“ Wenn das mal kein klasse Wunsch ist.  

Weniger Krankenstand in der Familie wäre mal wieder ganz schön

Birte Wagener-Ehler

Einen stressfreien Urlaub für die gesamte Familie. Das gibt Mama Birte Wagener-Ehler, die zusammen mit Skadi die Stellung im Männerhaushalt hält, der Fee mit an die Hand. Unabhängig und losgelöst von Corona wünscht sie sich mal wieder eine Phase, wo niemand ein Zipperlein mit nach Hause bringt. Gerade ist so ein Zeitraum. Die eine hat dies, der andere das ... „Weniger Krankenstand in der Familie wäre mal wieder ganz schön“, so Birte Wagener-Ehler, die überwiegend glücklich und zufrieden ist und ihren dritten Wunsch deshalb unverbraucht an die Fee zurückgibt, damit sie ihn anderweitig einsetzen kann. Das hat die Fee bestimmt auch noch nicht erlebt.

Wir vergessen gerne mal, wie gut es uns eigentlich geht

Sebastian Wagener

Ein bisschen mehr Demut. Das bezieht Papa Sebastian Wagener selbstkritisch auch auf sich. Nicht nur in Zeiten von Corona, sondern allgemein. „Wir vergessen gerne mal, wie gut es uns eigentlich geht“, sagt er und findet, durchaus dankbar darüber sein zu dürfen, dass es so ist. „Dass wir hier aufwachsen durften und leben dürfen, nicht woanders auf der Welt, wo es nicht so ist.“ Und obwohl viele zufrieden sein könnten, habe man den Eindruck, der Tag habe noch nicht genügend Stunden, um alles zu schaffen, was man sich oftmals selbst auferlege. „Einfach mal viel mehr Zeit für sich und etwas Spaß haben“, wünscht er sich. Sein dritter Wunsch: Jederzeit umswitchen können, umschalten in den Modus, wieder Kind zu sein. Die Welt neugierig zu entdecken, wieder Spaß zu haben an den unglaublichsten Kleingkeiten, Emotionen in alle Richtungen frei und unverstellt zeigen zu können. Das wäre toll.

Pastorin Bettina Axt
Noch intensiver Menschen kennenlernen: Pastorin Bettina Axt. © Michael Kirchner

Das hört sich gut an. Sehr gut sogar. Einen milden Frühling mit Sonnenstrahlen und vielen Gelegenheiten, das Essen in fehmarnschen Cafés und Restaurants zu genießen. Das wünscht sich Burgs Pastorin Bettina Axt, die keine Priorisierung ihrer Wunschliste vornehmen möchte. 

Es ist das vierte Jahr, dass wir fest auf der Insel wohnen und uns wohlfühlen

Pastorin Bettina Axt

Bei ihrem nächsten Wunsch menschelt es ganz gehörig. „Es ist das vierte Jahr, dass wir fest auf der Insel wohnen und uns wohlfühlen“, sagt Pastorin Axt und wünscht sich, privat und dienstlich, noch intensiver und mit Muße Menschen kennenzulernen. Last but not least: „Ich wünsche mir, dass die Generationen noch immer weiter entdecken, dass sie sich gegenseitig bereichern können, in den Familien als auch unter dem Dach der Kirche.

Angelika Fleth
Wünscht sich, dass die Menschen offener und ehrlicher miteinander umgehen: Tafel-Leiterin Angelika Fleth. © Archiv

Sie ist stets im Einsatz, um anderen etwas Gutes zu tun. Jetzt ist auch Angelika Fleth, Leiterin der Fehmarn-Tafel, einmal an der Reihe, wenn‘s darum geht, eine gute Fee zu schröpfen. „Ich wünsche mir“, sagt sie, und benutzt diesen Wunsch nicht für sich, „einen jungen, kräftigen Fahrer“. Für die Tafel, versteht sich. Jemand, der, klar, einen Führerschein hat und ordentlich mit anpacken kann, wenn es darum geht, die Waren ein- und auszuladen und von A nach B zu bringen. Und bestenfalls, spinnt sie ihren Wunsch fort, sollte er montags und dienstags von 8 bis 11 Uhr Zeit haben – um montags Waren aus dem Inselwesten abzuholen und dienstags auf einer Burg-Tour die gebenden Lebensmittelläden abzufahren. 

Ich wünsche mir, dass der Winter nicht mehr kommt, das ganz schnell Frühling ist

Angelika Fleth

Auf ihrer Wunschliste steht außerdem, dass die Menschen offener und ehrlicher miteinander und zufriedener sind, mehr mitein-
ander statt übereinander reden. Und last but not least: „Ich wünsche mir, dass der Winter nicht mehr kommt, das ganz schnell Frühling ist. Denn dann kann ich wieder in den Garten, in den Schrebergarten, das ist mein Seelenbalsam“, so Angelika Fleth. 

Das schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht, heißt es doch so schön. Das dürfte sich doch wohl machen lassen, oder?

Materielles? – „Brauche ich nicht. Dahingehend bin ich wunschlos glücklich

Andreas Herkommer

Materielles? – „Brauche ich nicht. Dahingehend bin ich wunschlos glücklich“, sagt Andreas Herkommer. Aber in der Tat gebe es da etwas: Weniger Hass und Neid in den sozialen Medien würde ich mir wünschen“, so Herkommer, der nicht nur als Vorsitzender des insularen Bauausschusses durchaus weiß, wovon er spricht. 

Andreas Herkommer
Weniger Hass und Neid in den sozialen Netzwerken wünscht sich Andreas Herkommer. © Lars Braesch

Anfeindungen, egal in welchem Bereich, seien nicht selten, unaufgeregte, offene und sachliche Diskussionen und ein faires Miteinander hingegen oftmals leider schon, findet er. Was im Übrigen auch Politiker, auch ehrenamtliche, so wie er, die oftmals angegriffen würden, zu spüren bekämen, sagt er, und wünscht sich in diesem Zusammenhang auf der anderen Seite Menschen, die auch mal einschritten, sich positionierten und auch mal denen den Rücken stärkten, die vielleicht zu Unrecht im Netz angegriffen wurden.

Viel mehr Menschen, die sich in ehrenamtlichen Bereichen engagieren, würde sich Andreas Herkommer wünschen. Viel mehr Menschen, die, ohne daran zu denken, ob es für sie irgendeinen Vorteil hat, sich für andere einzusetzen. Das wäre großartig. Der dritte Wunsch, den er der Fee mit auf den Weg gibt: „Einfach mehr Zeit für meine Lieben.“ 

Für andere da zu sein – das stützt die Gesellschaft

Florian Stolte

Erst am Dienstag wieder die Situation beim Training: Der Kunstrasenplatz in Burg war von vier Mannschaften gleichzeitig besetzt. Training mit Anstehen. Ein Platz für alle, wobei alle meint: 13 Jugendmannschaften, fünf Herren-, zwei Alte-Herren-Mannschaften, eine Damen- und eine Juniorinnen-Mannschaft sowie der ESV Puttgarden, der auch den einzigen Kunstrasenplatz auf Fehmarn nutze.

Florian Stolte
Gesundheit, mehr ehrenamtliches Engagement und einen Kunstrasenplatz: Florian Stolte. © Archiv

Für Florian Stolte, Vorstandssprecher des RSV Landkirchen, also ein klarer Fall, was auf seine Wunschliste gehört: ein Kunstrasenplatz für Landkirchen. „Wir stehen mit der Politik im Austausch. Auch mit dem Kindergarten und der Schule, die sich übrigens auch einen Kunstrasenplatz wünschen“, so Stolte, der vorschlägt, den Bau des Kunstrasenplatzes mit dem Bau der Sporthalle zu verknüpfen. Doch: Wann wird die eigentlich gebaut, die Sporthalle? Anderes Thema. „Gesundheit“, sagt Florian Stolte, nach dem zweiten Wunsch befragt. „Gesundheit. Das muss man nicht weiter erklären, das steht für sich“, sagt er und nennt als dritten Wunsch, dass sich mehr Menschen fürs Ehrenamt engagieren sollten. „Für andere da zu sein – das stützt die Gesellschaft“, sagt er. 

Back to the roots

Lars Hviid

Zufriedenheit, Empathie, mehr Zeit, und diese sinnvoller einsetzen – die Wünsche von Lars Hviid, Geschäftsführer der Hviid GmbH, der gestern Abend zum Fototermin immer noch im Büro war. Zumindest mit dem dritten Wunsch hatte es gestern also noch nicht so ganz geklappt. „Ja, irgendwie scheitert man immer daran“, sagt er, und meint mit „man“ selbstkritisch „ich“. 

Lars Hviid
Zufriedenheit, Empathie und mehr Zeit wünscht sich Lars Hviid. © Lars Braesch

In diesem Zusammenhang appellierte er, das Umdenken auch einmal geschehen zu lassen, nicht nur nach ständigem Wachstum zu streben, sondern vielleicht auch selbst einmal den Schritt zu wagen, statt ständiger Reizüberflutung und dem ständigen „Höher, Schneller, Weiter“ mal einen Gang zurückzuschalten. 

Da resultierten die Probleme her, „obwohl es uns hervorragend geht“. Die Menschheit werde immer älter, erlebe keine Kriege, müsse nicht hungern – „ ... und trotzdem stellt sich keine Zufriedenheit ein, auch wenn wir reichlich und im Überfluss haben“, so Lars Hviid und appelliert: „Back to the roots“, seine Prioritäten neu zu sortieren und konsequent danach zu leben.

Auch interessant

Kommentare