Scandlines verliert Rechtsstreit mit Femern A/S – Reederei reagiert mit Videospot

Dreimal aussetzen bleibt erlaubt

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Reise nach Kopenhagen heißt das Brettspiel, das letzter Auslöser dafür war, dass Scandlines gegen Femern A/S Klage erhob.

FEHMARN –hö- Die deutsch-dänische Reederei Scandlines und die staatliche dänische Projektgesellschaft Femern A/S treffen sich in jüngster Zeit häufiger vor Gericht. Im letzten Monat durfte sich Scandlines vor dem Europäischen Gericht in Luxemburg als Sieger fühlen, als es um EU-Beihilfen ging, jetzt ist Femern A/S der Gewinner. Das dänische See- und Handelsgericht hat keinen Verstoß gegen das dänische Marketing-Gesetz durch Femern A/S festgestellt.

Im Sommer 2017 hatte die Reederei Klage eingereicht. Von Femern A/S herausgegebenes Marketingmaterial würde Scandlines in negativem Licht erscheinen lassen und damit letztendlich gegen das dänische Marketing-Gesetz verstoßen, hieß es. Das Fass zum Überlaufen gebracht hatte ein Brettspiel in einer Infobroschüre für Kinder. Gelangen die Mitspieler auf die Puttgarden- und Rødby-Felder mit der Fähre, müssen sie drei Runden aussetzen. Kommt der Mitspieler hingegen auf ein Tunnelfeld, dann heißt es: vier Felder vorrücken.

Bei allen von Scandlines angeführten Punkten gegen Femern A/S konnte das Gericht keinen Verstoß gegen das dänische Marketing-Gesetz erkennen, da die Inbetriebnahme des Tunnels in so ferner und unbestimmter Zukunft liegt. Das Gericht gebe Scandlines aber Recht, dass Femern A/S Informationsmaterial ausgearbeitet und verteilt habe, das laut Urteil „notorisch auf völlig fehlerhaften Informationen beruht“, so Scandlines in einer Stellungnahme.

„Es ist natürlich in Ordnung, die eigenen Vorzüge zu loben, aber wir wundern uns sehr darüber, dass Femern A/S einen Freifahrtschein erhält, um sich jahrelang negativ zu Wettbewerbern und deren Geschäft zu äußern. Dass die üblichen Bestimmungen im dänischen Marketing-Gesetz außer Acht gelassen werden können, ändert die Spielregeln für die Debatte über das Fehmarnbelt-Projekt und zwingt uns dazu, unseren Kurs zu ändern“, reagiert Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen.

Dieser Kurs ist zumindest schon im Internet sichtbar. Scandlines habe nun eine alternative Informationskampagne zum Fehmarnbelt-Projekt lanciert, heißt es vonseiten der Reedereisprecherin Anette Ustrup Svendsen. Mit „Mens vi venter“ („Während wir warten“) ist der gut zwei Minuten lange Spot betitelt. In ihm werden unter anderem die Minuten runtergezählt, bis die nächste Fähre abfährt, sowie die Stunden, bis der Tunnel frühestens eröffnet wird – am Dienstagnachmittag waren es noch über 83200 Stunden.

Bei Femern A/S sind die Verantwortlichen sehr zufrieden mit dem Urteil. „Wir freuen uns natürlich, dass das Gericht uns in allen Anklagepunkten freigesprochen hat. Das Urteil stellt klar, dass wir das Recht haben, die Menschen über den längsten Absenktunnel der Welt und die Vorteile für dessen Nutzer zu informieren”, sagte Lars Friis Cornett, Direktor von Femern A/S in Deutschland.

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