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Edelbrandpioniere von Fehmarn: Im Inselnorden soll eine Destille entstehen

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Von: Andreas Höppner

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Die Rübenbrandpioniere von Fehmarn (v.l.): Hauke und Ludwig Dittmer sowie Reinhard Beyer bei der Verköstigung des von ihnen produzierten Edelbrands aus der Zuckerrübe. © Mathilde Dittmer

Auf Fehmarn soll auf dem Hof Johannisberg im Inselnorden eine Destille entstehen. Aus der Zuckerrübe soll ein Edelbrand entstehen.

Fehmarn – Für ideenreiches Unternehmertum ist Fehmarn offenbar ein idealer Nährboden. Seit einigen Jahren wird in Wulfen im Inselsüden Wein angebaut und nur einen Katzensprung weiter in Avendorf Bier gebraut. Jetzt bringt sich auch der Inselnorden mit Vehemenz ins Gespräch: Hof Johannisberg wird Standort für eine Destille. Aus der Zuckerrübe wollen Reinhard Beyer (55), Hauke (58) und Ludwig Dittmer (29) einen Edelbrand herstellen und vermarkten. Ein erster Testbrand verlief vielversprechend.

Einen zugkräftigen Namen für die edle Spirituose gibt es zwar noch nicht, doch der dürfte sich bis zum anvisierten Verkaufsstart zu Ostern 2023 finden lassen. Die weitaus größeren Hürden haben die drei Rübenbrandpioniere bereits genommen, die Firma Fehmarn Destillerie GmbH ist auch schon gegründet.

Erste Überlegungen, einen Edelbrand aus der Zuckerrübe herzustellen, seien vor etwa zwei Jahren entstanden, berichtet Reinhard Beyer, der den Hof seit 2007 im Vollerwerb bewirtschaftet. Weiteres unverzichtbares Fachwissen in das Hofprojekt bringen Schwager Hauke Dittmer und dessen Sohn Ludwig ein, die ebenfalls auf dem Hof zu Hause sind. Hauke Dittmer ist Diplom-Ingenieur und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Herstellung von Maischeprodukten, während Ludwig Dittmer derzeit im Bereich Physikalische Chemie an der Uni Kiel promoviert.

Erdgeschmack herausgefiltert

„Es war eine große Herausforderung, die Rezeptur zu entwickeln“, berichtet Hauke Dittmer, denn „wenn die Maische nicht in Ordnung ist“, könne kein Edelbrand produziert werden. „Das ist die Basis.“ Die allgemeine Schwierigkeit bei der Verarbeitung der Zuckerrübe bestehe darin, den Erdgeschmack herauszufiltern, so Dittmer. Das ist ihm offenbar gelungen, denn alle, die schon einmal am Testprodukt genippt haben, „waren extrem positiv überrascht“.

Es soll nicht nur ein klarer Brand hergestellt werden, der „sehr fruchtig“ schmeckt und laut Hauke Dittmer an einen Obstler erinnert, ein Teil der Destillate soll auch in Holzfässern reifen. Dieses Produkt bekommt dann eine typisch bräunliche Färbung. „Die Destillate werden milder und nehmen, je nach verwendeter Holzart, die unterschiedlichen Aromen auf“, weiß Ludwig Dittmer. Geschmacklich erinnere das Destillat dann an den Rum. Doch Rum wird aus Zuckerrohr hergestellt – der Edel-Brand von Fehmarn aus der Zuckerrübe.

„Ein ideales Produkt für Fehmarn“, ist Reinhard Beyer überzeugt und wirft Schlagworte wie Regionalität, kurze Wege und nachhaltige Produktion in den Raum. Und die Transportwege werden richtig kurz sein, wenn die 400 Liter fassende Destille erst einmal auf Hof Johannisberg errichtet ist. Derzeit befindet sich das Projekt laut Beyer verwaltungsseitig noch in der Genehmigungsphase, sodass bislang noch eine Kooperation mit einer Brennerei im Alten Land besteht.

Schaudestille auf Hof Johannisberg

Ist die Destille dann vor Ort in Betrieb, sollen Produktion und Lagerung in den historischen Gebäuden von Hof Johannisberg stattfinden. Das Motto der drei Rübenbrandpioniere: „Vom Feld in die Flasche.“ Als Erweiterung des Angebots sollen die Destille und die Lagerung der Fässer zur Schau gestellt und Besichtigungen für interessierte Touristen und Einheimische durchgeführt werden.

Noch reift der Edelbrand aus der Zuckerrübe auf Hof Johannisberg nur in ersten Testfässern, doch sind Reinhard Beyer, Hauke und Ludwig Dittmer überzeugt und optimistisch, dass sie mit ihrer noch namenlosen Spirituose „eine Marke von und für Fehmarn etablieren“ können, „die weit über die Insel hinaus Bekanntheit erlangen wird“

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