Bürgervorsteherin Brigitte Brill, Brigitte Kempe und Bürgermeister Jörg Weber
+
Bürgervorsteherin Brigitte Brill und Bürgermeister Jörg Weber bedankten sich bei Brigitte Kempe (M.) für das langjährige Engagement bei der Fehmarn-Tafel.

Brigitte Kempe als langjährige Vorsitzende verabschiedet

Ein Jahrzehnt Gesicht der Fehmarn-Tafel

  • Reinhard Gamon
    VonReinhard Gamon
    schließen

Bei der Fehmarn-Tafel wurde Brigitte Kempe als Vorsitzende verabschiedet. Die 72-Jährige möchte sich nunmehr der eigenen Familie und fünf Enkelkindern widmen.

  • Amt kurzfristig niederlegt: Nachricht verbreitete sich schnell.
  • Nach einem Jahr zur Vorsitzenden gewählt.
  • Angelika Fleth folgt auf Brigitte Kempe.

Fehmarn – Ihr Name stand gute zehn Jahre für die soziale Einrichtung der Fehmarn-Tafel. Jetzt hat Brigitte Kempe einen Schlussstrich unter ihre vorbildliche ehrenamtliche Arbeit gezogen. Der Ausgabetag am Dienstag der Fehmarn-Tafel war für sie der letzte Arbeitstag bei der Fehmarn-Tafel, die 2005 von Pastorin Christiane Klinge gegründet wurde. Jetzt möchte sich die 72-Jährige aus Burg mehr der eigenen Familie und den fünf Enkelkindern widmen.

Die Nachricht, dass Brigitte Kempe ihr Amt als Vorsitzende der Fehmarn-Tafel kurzfristig niederlegt, sprach sich schnell auf der Insel herum, und das Bedauern über ihren Rücktritt ist groß. Bürgervorsteherin Brigitte Brill und Bürgermeister Jörg Weber ließen es sich nicht nehmen, sich bei der scheidenden Tafel-Vorsitzenden für ihre geleistete Arbeit zu bedanken. 

Brigitte Brill: „Du warst über viele Jahre das Gesicht der Tafel, und du hattest eine gute Mannschaft, die dich unterstützte. In den zehn Jahren deines Wirkens als Vorsitzende hast du viel erreicht. Man muss sich einmal vorstellen, was alles dazu gehört, damit die Tafel vernünftig funktioniert. Mit Herz und Seele hast du dich diesem Amt verschrieben. Die Bevölkerung dankt es dir.“

Weber: „Was die Tafel ist, ist Brigitte Kempe“

„Das, was die Tafel ist, ist Brigitte Kempe“, so Bürgermeister Jörg Weber, der ihr bescheinigte, dass er mit ihr immer gut zusammengearbeitet habe. „Wir haben immer positiv kommuniziert, nie hast du dir poltrig Gehör verschafft“, ergänzte Jörg Weber. „Im Namen der Stadt und der Politik möchte ich noch einmal Danke sagen“, so Weber, der nicht mit leeren Händen kam. Er überreichte Brigitte Kempe ein kleines Präsent und die Fehmarn-Nadel in Gold.

2011 war Brigitte Kempe in den verdienten Ruhestand eingetreten. Unter anderem arbeitete sie viele Jahre bei der Arbeiterwohlfahrt in Großenbrode. Kaum dass sie Rentnerin war, schloss sie sich der Fehmarn-Tafel an und stellte ihre ehrenamt-
liche Arbeitskraft der sozialen Einrichtung zur Verfügung. Bereits ein Jahr später wurde sie zur Vorsitzenden gewählt. Die Fehmarn-Tafel ist kein eingetragener Verein, die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sankt Nikolai ist Trägerin der sozialen Einrichtung.

Fragt man Brigitte Kempe, welche Ereignisse während ihrer Tätigkeit als Vorsitzende bei ihr in besonderer Erinnerung geblieben sind, nennt sie zwei Dinge, die ihr sehr wichtig waren. Zum einen die Anschaffung eines neuen Kühlwagens in 2016, der vom Lions-Club Oldenburg und der Lidl-Stiftung finanziert wurde, zum anderen, ein Jahr später, der Umzug der Tafel von der alten Garage in der Burger Priesterstraße ins Gebäude am neuen Friedhof in der Sahrensdorfer Straße. 

Kempe: Elend gesehen, viel Dankbarkeit erfahren 

Nie werde sie die Erinnerung daran verlieren, wie viel Dankbarkeit sie und ihre rund 25 freiwilligen Helferinnen und Helfer im Laufe der Zeit erhielten. „Ich habe das Elend gesehen, aber auch sehr viel Dankbarkeit erfahren“, sagte Brigitte Kempe. „Niemand muss sich schämen, als Kunde zur Tafel zu kommen, denn jeder kann von heute auf morgen in die Situation geraten, auf Hilfe angewiesen zu sein“, so Kempe. „Manchmal stehen an den Lebensmittelausgabetagen 30, manchmal auch bis zu 50 und mehr Personen vor der Tür. Da die Menschen meist für ihre ganze Familie Lebensmittel benötigen, gehen wir von bis zu 350 Tafelkunden aus. Zu der Zeit, als Fehmarn viele Flüchtlinge aufnahm, erhöhte sich auch die Anzahl der Tafelkunden. Während der Corona-Pandemie nahm die Zahl der Kunden sogar rapide zu. Viele Arbeitnehmer wurden in Kurzarbeit geschickt, und das machte sich schließlich auch in der Geldbörse bemerkbar“, berichtete sie.

Noch ist die Pandemie nicht Geschichte, und auch die Fehmarn-Tafel hat sich darauf eingestellt. Die Ausgabe der Lebensmittel ist daher besonders geregelt worden; statt eines größeren Helferteams dürfen momentan nur wenige der ehrenamtlichen Kräfte bei der Lebensmittelausgabe eingesetzt werden.

Kempe: Wir brauchen einfach die Tafeln

„Gut, dass es die Tafel gibt, doch schlecht, dass es sie geben muss“, sagt auch Brigitte Kempe, die darauf hinweist, dass wir ja eigentlich in einem reichen Land leben. „Wir brauchen einfach die Tafeln“, ergänzt sie abschließend. Als besonders traurig empfindet sie es, dass es so manche älteren Damen gibt, die eine viel zu kleine Rente beziehen, obwohl sie ein arbeitsreiches Leben hinter sich gebracht haben.

Brigitte Kempe hat aber auch viel Positives erlebt. Die Hilfsbereitschaft von Privatpersonen und Geschäftsleuten sei einmalig. Sie erinnert sich auch gerne an die warmen Mittagessen, zu denen die Tafelkunden eingeladen wurden, wie zum Beispiel das Nikolaus-Essen. „Gastronomen haben gekocht, und bei der Aktion ,Glüxxbringer‘ gab es für die Kinder schöne Weihnachtsgeschenke und dazu gesundes Essen für die Kleinen.“ 

Bei vielen Veranstaltungen hat Brigitte Kempe Vorträge über die Fehmarn-Tafel gehalten und dadurch für die gemeinnützige soziale Einrichtung Werbung betrieben, Geldspenden für Fixkosten gesammelt und auch neue ehrenamtliche Helfer rekrutieren können. Wie viele Tonnen Lebensmittel in all den Jahren an die Tafelkunden ausgehändigt wurden, könne sie aber nicht genau nachvollziehen. Auch wie viele Fahrten die beiden Fahrer des Kühlwagens zurückgelegt haben, sei für sie nicht genau zu ermitteln. Aber der Kühlwagen habe nach vier Jahren einen Tachostand von 29764 Kilometern.  

Wechsel an der Spitze der Fehmarn-Tafel: Angelika Fleth (r.) übernimmt von Brigitte Kempe.

Die Nachfolge als Vorsitzende und gleichzeitig Sprecherin der Fehmarn-Tafel ist bereits gefunden. Es ist Angelika Fleth aus Burg. Sie ist seit drei Jahren als ehrenamtliche Helferin dabei und hat zuletzt zwei Jahre als Stellvertreterin von Brigitte Kempe gewirkt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.