Plötzlich wieder überall zu sehen – Wahlkampfplakate sind ein fester Bestandteil eines jeden Urnengangs

Eine Tradition, der alle nachgehen

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Kündigen die Kommunalwahl an: Die Formate sind identisch – die Gestaltung der Plakate bricht sich hingegen in ganz unterschiedlichen Darstellungen Bahn.

FEHMARN -mb- Demnächst wird wohl wieder gewählt – selbst politisch uninteressierten Bürgern kann dies kaum entgangen sein. Denn was vor jeder Wahl zum guten Ton gehört, sind Wahlkampfplakate allerorten. Auch auf Fehmarn sind sie fast überall zu sehen, kündigen die Kommunalwahl am 6. Mai an und gehören für die nächsten Wochen zum Bild der Insel. Über deren Relevanz ließe sich vortrefflich streiten, andererseits gehören sie als ein Mittel des Stimmenfangs wohl irgendwie dazu – dies war auf FT-Nachfrage mehr oder weniger von allen Parteien und Wählergruppen der Insel in unterschiedlich starker Betonung zu vernehmen. Entsprechend haben sich auch alle an der Plakatierung beteiligt.

„Wir haben über das Thema gesprochen, aber für uns war klar – andere machen es, wir machen es auch“, so Rolf Reijnders, 1. Vorsitzender der Wählergruppe Wir Unternehmen Was (WUW), der dem Ansinnen durchaus Wirkung beimisst. „Es muss auffallen. Die Kandidaten und die Themen sollen sich in den Köpfen der Bürger festsetzen.“

Für Raphael Ackermann, den Vorsitzenden der CDU Fehmarn, keine selbstverständliche Wirkung. „Die gewollte Wirkung kann sich schnell abnutzen, und dann ist der Effekt, auf sich und sein Anliegen aufmerksam zu machen, relativ schnell verbraucht.“ So habe es in seinem Ortsverband die Diskussion gegeben, erst vier Wochen vorher zu plakatieren. Nichtsdestotrotz sei das Aufhängen von Plakaten ein Muss.

Auch für die Freie Wählervereinigung Fehmarn (FWV) stand die Frage nicht im Raum. „Es mag konventionell daherkommen, aber es hat unserer Meinung nach eine hohe Relevanz, gerade als Wählergruppe, die nur vor Ort tätig ist“, beurteilt Claudia Parge, 1. Vorsitzende der FWV, die auch den Wiedererkennungswert nicht unterschätzt wissen will.

Grüne und SPD zeigen sich da wesentlich weniger überzeugt. Zweifel an der Relevanz sind zu hören, die Daseinsberechtigung wird der traditionellen Form des Werbens jedoch nicht gänzlich abgesprochen. „Wir haben darüber gesprochen und ein Verzicht wäre sicherlich nett gewesen, aber andererseits hätten wir dann auf anderen Ebenen intensiver Wahlkampf betreiben müssen. Das kann ein Ortsverein kaum leisten“, meint Grünen-Chef Falko Siering, der insgesamt der Thematik „zwie­ge­spal­ten“ gegenübersteht.

Andreas Herkommer, 1. Vorsitzender der Sozialdemokraten auf Fehmarn, kann sich nicht daran erinnern, dass über das Thema im Ortsverein im Vorwege ernsthaft diskutiert wurde. „Persönlich halte ich die Plakatierung für überbewertet, aber die Menschen erwarten es zu Wahlen.“ Für wichtiger erachtet Herkommer den direkten Kontakt an der Haustür und das Verteilen von Flyern. „Das persönliche Gespräch kommt bei den Menschen besser an“, so der Sozialdemokrat.

Für Fehmarns FDP-Vorsitzenden Peter Meyer gehören Plakate zum Wahlkampf dazu. „Wir haben flächendeckend plakatiert – eine kurzfristige Maßnahme für sechs Wochen bis zur Wahl, die auf unsere Kandidaten und die Wahl selbst aufmerksam machen.“ Letzteres erwähnten alle Vorsitzenden als positiven Aspekt von Plakaten.

Kritik übt Meyer hingegen an der Reglementierung. „Plakatieren ist nur im unteren Teil der Straßenbeleuchtung und der Straßennamenschildern erlaubt – das ist doch lachhaft und scheint nur hier ein Problem zu sein. Im Rest Deutschlands geht es doch auch.“ Insgesamt sei es nach drei Wahlen Zeit, so Meyer, die Strenge der Vorgaben zu überdenken.

Dass wiederum alles mit rechten Dingen zugeht, wird natürlich auch kontrolliert. „Die Bauhofmitarbeiter achten bei ihren Rundfahrten verstärkt auf die Plakate und die damit verbundene Einhaltung aller Vorgaben“, sagt Jan Stender, Leiter im Fachbereich Ordnung und Soziales der Stadt Fehmarn. Bei Verfehlungen würden die Plakate vom Bauhof auf Kosten der jeweiligen Partei oder Wählergruppen entfernt. „Das Szenario ist aber eher selten zu sehen, vielmehr kontrollieren sich die Plakatierer eher untereinander und geben bei Verstößen der Verwaltung Bescheid“, meint Stender.

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