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Eine wertvolle Ressource: Bodenschutz auf der Baustelle des Fehmarnbelttunnels

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Von: Manuel Büchner

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Baustelle Fehmarnbelttunnel Fehmarn
Geowissenschaftlerin Celina Keidel hält eine wertvolle Ressource in ihren Händen. Sie hockt auf einem von vielen Oberbodenhalden auf der Baustelle für den Fehmarnbelttunnel zwischen Puttgarden und Marienleuchte. © Manuel Büchner

Die Umweltbaubegleitung nimmt auf der Baustelle des Fehmarnbelttunnels auf Fehmarn und auf dänischer Seite viel Raum ein. Am Beispiel Boden erklären die Experten, was es damit auf sich hat.

Fehmarn – Zum Bau der Festen Fehmarnbeltquerung gehört auch eine große Umweltbaubegleitung, die im Planfeststellungsbeschluss gefordert wird. Externe Generalisten und Spezialisten beraten den Bauherren Femern A/S und überwachen die Baumaßnahmen, sodass alle gesetzlichen Umweltvorschriften, Normen und Regelwerke eingehalten werden. Die Themen sind vielfältig: Abfall, Lichtverschmutzung oder Bodenschutz. Für Letzteres sind die Geowissenschaftlerin Celina Keidel und der Diplom-Ingenieur Thomas Weist vom Ingenieurbüro „Dr. Lehners + Wittorf“ zuständig. Sie berichten auf der Baustelle zwischen Puttgarden und Marienleuchte, wo seit Mitte November langgezogene Hügel in Reihe und Glied aufgeschüttet werden, über ihre Arbeit.

Was aussieht wie ein überdimensioniertes Spargelfeld, ist ein Bodenlager, rund 200 Meter entfernt vom zukünftigen Portal des Tunnels. Fein säuberlich, maximal zwei Meter hoch, so ist die gesetzliche Vorgabe, wird gelagert, damit das Wasser gut ablaufen kann. Später wird sogar Regiosaatgut ausgebracht, um zusätzlich vor Erosion zu schützen, wobei die Selbstbegrünung bereits langsam einsetzt – und das mitten im Winter. 

„Wir gehen mit dem Boden so schonend wie möglich um“, berichtet Keidel, denn der sei sehr hochwertig und nährstoffreich. „Das wollen wir erhalten.“ Letztendlich werden rund 300000 Kubikmeter (m3) Oberboden bewegt.

Boden – eine endliche Ressource

Alles wird genau markiert und dokumentiert bis zum Ende der Bauzeit. Das sei wichtig, denn dort, wo man Oberboden wegnehme, werde er später auch wieder angedeckt, erklärt Geowissenschaftlerin Celina Keidel. Bisher ist im östlichen Teil auf rund 40000 Quadratmeter (m2) Oberboden abgetragen worden, eine Fläche, die nach Ende der Bauzeit wieder Acker werden soll. Für die Lagerung stehen wiederum rund 107000 m2 zur Verfügung.

Abtrag auf einer Fläche von 130000 m2

Insgesamt abgetragen wird Oberboden auf einer Fläche von rund 130000 m2, auf davon 110000 m2 wird wiederum mariner Bodenaushub gelagert auf maximal acht Meter Höhe – und zwar insgesamt 730000 m3. „Dafür brauchen wir viel Platz“, weiß Keidel, deren Eindruck ist, dass das Thema Boden im Zuge der Umweltbaubegleitung bei großen Bauvorhaben immer mehr an Bedeutung gewinnt. „Bodenneubildung findet nur in sehr geringem Maße statt. Es ist eine endliche Ressource, die in den letzten 15000 Jahren entstanden ist, und die wir bestmöglich nutzen müssen“, erklärt ihr Kollege Thomas Weist.

Baustelle Belttunnel Fehmarn Bodenlager
Oberboden wird auf der Baustelle des Fehmarnbelttunnels ins Bodenlager transportiert. © Manuel Büchner

Was auf dem Baufeld anfällt, soll dort auch wiederverwendet werden

Dahinter stecke auch ein wirtschaftlich sinnvolles Konzept für Femern A/S, so Weist. Was an Boden im Baufeld anfällt, soll vor Ort auch wieder eingebaut – also wiederverwendet werden. So fällt möglichst wenig Abfall an und macht eine Fremdverwertung überflüssig. Der Massenausgleich gilt übrigens auch für den Meeresaushub, der für Dämme, Rampen und Überführungsbauwerke genutzt wird. „Das ist ein guter Baustoff“, betont Keidel.

Femern A/S Fehmarnbelttunnel Baustelle Fehmarn
Thomas Weist. © Manuel Büchner

Geplant ist, den Bodenabtrag bis spätestens Ende Februar zu beenden, da es sonst Probleme mit Brutvögeln geben werde, erklärt die Geowissenschaftlerin. „Schaffen wir es nicht, müssen wir mit Vergrämungsmaßnahmen arbeiten“, so Celina Keidel, was dann die Biologen auf den Plan rufe, weil es um artenschutzrechtliche Belange gehe. Auch das gehört zur Umweltbaubegleitung dazu.

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