Conni und Gerhard Sievert aus Burgstaaken haben britisches Weltumsegler-Ehepaar zu Gast

Einmal um die ganze Welt gesegelt

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Bob und Elaine Hazell mit ihren Gastgebern Conni und Gerhard Sievert (v.l.)

FEHMARN -wa- Illustren Besuch hatte vor Kurzem Familie Sievert aus Burgstaaken. Ein britisches Ehepaar – Elaine und Bob Hazell – war auf der Suche nach einer Unterkunft, nachdem sie ihr Segelboot vom Hafen zum Überwintern aus dem Wasser geholt hatten, als sie zufällig das Schild „Ferienwohnung frei“ vor dem Haus von Conni und Gerhard Sievert sahen. Da ihnen gefiel, was sie sahen, zögerten sie nicht zu klingeln.

Und dann erzählten sie ein bisschen von sich. Dass sie sich 2008 zu einer Weltumsegelung entschlossen hätten und das 15 Meter lange Segelboot „Pipistrelle“ kauften. Am 1. Juni ging es dann auf eine sechsmonatige Probetour. „Mit einem Boot, das man nicht kennt, muss man vor einer großen Tour auf jeden Fall eine längere Testfahrt machen“, erläutert Bob, und Elaine ergänzt: „Selbst als erfahrene Segler muss man ein Boot, das man nicht kennt, auf Herz und Nieren prüfen.“ Also starteten sie in Southampton und segelten erst einmal nach Norden die Westküste Schottlands hoch, wo sie eine Destillerietour machten, dann ging es nach Süden bis Portugal, wo die „Pipistrelle“ ihren ersten Winter auf der Weltreise verbrachte. Nachdem das Boot die Testfahrt bestanden hatte, ging es im April 2009 weiter durchs gesamte Mittelmeer und zurück in den Atlantik zu den Kanarischen Inseln. Von dort startete die erste Langstreckentour. Nach 18 Tagen auf See und 3000 Seemeilen kamen die beiden auf St. Lucia in der Ostkaribik an.

„Wir haben jedes Jahr neu entschieden, welche Routen wir nehmen“, erzählt Bob. Die Wege seien auch ein bisschen durch die Versicherung des Boots bestimmt gewesen. So sei zum Beispiel vorgegeben gewesen, dass sie nicht länger als drei Monate in der Ostkaribik blieben oder die Gebiete vor der Nordküste von Südamerika wegen der Piraten vermieden. Nach der Ostkaribik segelten sie weiter bis zu den San Blas Inseln im Nordwesten von Panama. „Hier war es wunderschön“, schwärmt Elaine. „Die einheimischen Kuna haben uns freundlich empfangen.“

Und überhaupt seien die Inseln mit ihren tollen Stränden und vielen Riffen ein Paradies.

„Jedoch“, ergänzt Bob, „war das Navigieren hier sehr schwer. Die Seekarten sind ungenau. Glücklicherweise hatten wir vorher den ,Panama Cruising Guide‘ von Eric Bauhaus studiert.“

Aber es habe sich auf jeden Fall gelohnt. „Die Leute in der Westkaribik sind freundlich, nicht so aufdringlich wie im Osten. Und die Natur ist faszinierend“, freut sich Elaine noch heute. Weiter ging es über den Panamakanal innerhalb von 36 Stunden in den Pazifik. „Es war sehr abenteuerlich und zum Teil auch beängstigend, wie unser Boot gemeinsam mit riesigen Containerschiffen, nur durch Schlepper gehalten, durch die Schleusen manövriert wurde“, erinnert sich Elaine, und Bob ergänzt: „Einmal wären wir fast gegen ein anderes Schiff gekracht, weil die Schlepper nicht aufgepasst haben.“

Vor der Pazifiküberfahrt – eine Reise von 7000 Seemeilen Länge – hatten Elaine und Bob eine vier Seiten lange Einkaufsliste mit Essensvorräten, aber auch Ersatzteilen für das Boot. „Wir stehen zwar mit anderen Seglern, die wir so unterwegs treffen, in Kontakt, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du dir selbst helfen musst, wenn auf hoher See etwas am Boot kaputtgeht“, erklärt Bob. Und natürlich muss man sich vorher schon sehr gut auf so ein Abenteuer vorbereiten. So hatten die beiden viele Bücher gelesen und Kontakt mit Seglern aufgenommen, die schon einmal eine Pazifiküberquerung gemacht haben. „Auch das Wetter hatten wir natürlich immer im Blick und checkten täglich morgens, was die beste Route zu unserem Ziel ist“, betont Elaine.

Start der Pazifiküberquerung waren die Perleninseln südlich von Panama. Von dort ging es zu den Galapagosinseln, die das Ehepaar mit ihrer großartigen Tierwelt beeindruckten. Ein weiteres Highlight der Reise sei der Moment gewesen, als sie nach 19 Tagen auf See, nur mit Wasser und dem Boot um sich herum, im Morgengrauen die traumhaften zu Französisch-Polynesien gehörenden Marquesas-Inseln erreicht hätten.

Weiter ging die Weltreise über Neuseeland, Papua-Neuguinea, Indonesien, Singapur, Malaysia, Vietnam, Kambodscha, Thailand, Laos, Myanmar, Sri Lanka, die Malediven, Südafrika und Brasilien zurück in den Norden Südamerikas. Überall haben sie interessante Begegnungen gehabt und viel außergewöhnliche Natur gesehen. Ganz dramatisch allerdings wurde es vor den Malediven. Eines Nachts, als Elaine schlief und Bob Wache hatte, habe er eine drohende dunkle Wolke bemerkt und wollte ihr ausweichen.

Und plötzlich schlug der Blitz ein

„Und plötzlich krachte es extrem laut und blitzte hell auf. Elaine kam halb nackt aus dem Bett und übernahm schnell das Steuer“, erinnert sich Bob an den Blitzeinschlag, der sämtliche elektrischen Geräte, darunter die beiden so wichtigen Generatoren, und den Motor lahmlegte. „Hinzu kam die Strömung, die das Boot langsam aber sicher gegen ein Riff steuerte. Glücklicherweise kam in diesem Moment Wind auf, und ein Dingi, das in der Nähe war, hat uns geholfen.“

Gern nahmen sich Bob und Elaine immer wieder die Zeit für Landgänge. Es sei ihnen wichtig, nicht immer nur auf dem Meer zu sein, sondern auch etwas von Land und Leuten kennenzulernen. So sind sie unter anderem von Südafrika aus nach Namibia geflogen, um dort zur Abwechselung auf Landsafari zu gehen.

In den Wintermonaten, die sie meist zu Hause in Südengland verbringen, halten sie den einen oder anderen Vortrag über ihre Weltumsegelung. Der Erlös kommt der britischen Seenotrettungsorganisation Royal National Lifeboat Institution (RNLI) zugute.

In diesem Sommer war die Ostsee das Ziel des reiselustigen Ehepaares. Im Mai sind Elaine und Bob von Süddänemark aus gestartet und über Stockholm und Gotland nach Turku in Finnland gesegelt. „Auch hier gibt es viele wunderschöne Ecken“, schwärmen die beiden Segler. Aber die Ostsee sei eigentlich zu klein für ein so großes Boot wie die „Pipistrelle“ mit ihrem 25 Meter hohen Segelmast. Dennoch kommen sie im nächsten Mai wieder. Dann soll es auch für die „Pipistrelle“ über Rügen und die Nordsee nach elf Jahren zurück nach Southampton gehen.

Und dass sie, wenn sie ihr Boot aus dem Winterquartier bei Weilandt holen, wieder zu Gast bei Conni und Gerhard Sievert sind, versteht sich von selbst. Wer mag, kann sich wunderschöne Eindrücke von der Weltumsegelung der Hazells im Internet unter www.yachtpipistrelle.wordpress.com holen.

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