Bei Umbauarbeiten Schäden in Bausubstanz festgestellt – Patienten werden verlegt – Große Sorge um Standort Burg

Einsturzgefahr: Inselklinik wird geräumt

Bei den Umbauarbeiten an der Inselklinik wurden beträchtliche Schäden in der Bausubstanz festgestellt.

Von Heiko Witt BURG • Freitag zogen sehr dunkle Wolken über Fehmarn auf: Es wurde bekannt, dass es in der Inselklinik erhebliche Schäden in der Bausubstanz geben soll, die zur Schließung des Krankenhauses führen würden, um die Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern zu gewährleisten.

Das Krankenhaus in Burg soll schlicht einsturzgefährdet sein. Ein Maurer war bei Bohrarbeiten spielend leicht durch die Decke gekommen und hatte das gemeldet. Daraufhin waren umfangreiche statische Untersuchungen im ganzen Haus eingeleitet worden. Um 15.35 Uhr ging gestern die bestürzende E-Mail von der Pressestelle der Sana-Kliniken ein: Die Inselklinik muss innerhalb einer Woche geräumt werden.

Die Pressemitteilung hat folgenden Wortlaut:

Bei Umbauarbeiten zur Modernisierung des OP-Traktes der Inselklinik Fehmarn sind erste Hinweise auf Schäden in der Bausubstanz festgestellt worden. Nach einer umfassenden Prüfung des von den Sana Kliniken Ostholstein beauftragten Prüfstatikers haben sich die Hinweise auf Schäden in dem aus dem 50er Jahren stammenden Krankenhaus bestätigt. Nach Begutachtung des vorliegenden Statikberichtes sind das Bauamt des Kreises Ostholstein und die Geschäftsführung der Sana Kliniken Ostholstein heute zu der Entscheidung gelangt, eine Räumung des Gebäudes innerhalb der nächsten Woche zu veranlassen. Die Ärzte prüfen, welche der aktuell 16 Patienten in den nächsten Tagen entlassen werden können. Alle anderen Patienten werden von der Inselklinik Fehmarn in die Kliniken Eutin und Oldenburg verlegt. Sie sind in einem stabilen gesundheitlichen Zustand und daher alle uneingeschränkt transportfähig. Die Patienten und deren Angehörige sind bereits über die geplante Verlegung informiert. Zwischenzeitlich werden Mitarbeiter der Inselklinik in den Kliniken Oldenburg und Eutin eingesetzt. Bis zur Klärung der weiteren Vorgehensweise wird die medizinische Versorgung in Abstimmung mit den niedergelassenen Ärzten und der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein über die Kliniken Oldenburg und Eutin gewährleistet. Ambulante Notfälle werden bis auf Weiteres in der Anlaufpraxis und der Ambulanz der Klinik wie gewohnt versorgt.

• „Sicherheit • der Patienten • hat Priorität“

„Die Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern hat für uns oberste Priorität“, unterstrich Geschäftsführer Dr. Stephan Puke am späten Nachmittag gegenüber dem Fehmarnschen Tageblatt. Sollten Patienten den sofortigen Wunsch haben, verlegt zu werden, würde diesem sofort nachgekommen, so der Ärztliche Direktor Dr. Uwe Schewe.

Bereits um 15 Uhr war die Belegschaft des 30-Betten-Krankenhauses im Konferenzraum zu einer Vollversammlung zusammengekommen. In der Inselklinik arbeiten rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dr. Uwe Schewe: „Wir wurden alle von der Nachricht überrascht. Jetzt müssen wir alles tun, um die medizinische Notfallversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.“

Es werde in der Inselklinik weiterhin eine ambulante Notfallversorgung durchgeführt, so hieß es gestern Nachmittag. Es wurden Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung und den niedergelassenen Ärzten geführt, um vor Ort eine Lösung für die Notfallversorgung zu finden. Auch mit den Rettungsdiensten wurden Gespräche geführt.

„Ob das Haus wieder geöffnet wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen“, so die Pressesprecherin Dr. Barbara Kempe auf eine weitere Nachfrage unserer Zeitung. Allein die Untersuchungen würden eine Zeit in Anspruch nehmen.

„Ich kann darüber keine abschließende Auskunft geben“, sagte auch Dr. Puke. Es sei geplant gewesen, das Krankenhaus auf Fehmarn in Richtung Gesundheitszentrum zu entwickeln, „nun müssen wir neu planen für die Zukunft. Wir müssen zunächst einmal feststellen, wie sanierungsfähig das Ganze hier ist.“

„Ich bin geschockt“, sagte Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt, der gegen Mittag vom Kreis Ostholstein über die bevorstehende Räumung des Krankenhauses informiert worden war.

Schmiedt sagte, es müsse alles getan werden, damit der Standort Fehmarn für die Sana-Kliniken gesichert bleibe. „Wir meinten gerade, durch die Änderung der Organisationsstruktur und die geplante Investition in den OP-Bereich auf der sicheren Seite und in einem ruhigen Fahrwasser zu sein. Und dann passiert so etwas Unvorhergesehenes.“

Auch der Stellvertretende Bürgermeister Ingo Gädechens (CDU) war tief betroffen. Er wollte aber ausschließen, dass es sich bei der Räumung des Krankenhauses um einen Vorwand der Sana-Kliniken handele, das Krankenhaus zu schließen. „Ich hoffe sehr, dass die weiteren Untersuchungen zeigen werden, dass sich das Haus insgesamt in einem guten Zustand befindet.“

Keinesfalls waren die Bauarbeiten in den neuen OP (geplant war eine Investitionssumme von 1,6 Millionen Euro) bereits abgeschlossen. Lediglich der Interims-OP war vor kurzem fertig geworden. Die Arbeiten an dem neuen OP seien nach Feststellung der Schäden gestoppt worden, erklärte Dr. Puke.

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