Diskussionsrunde zur Energiewende auf Fehmarn im Café liebevoll in Burg
+
Einen Einblick in das Thema Energiewende auf Fehmarn gaben im Café liebevoll in Burg Staatssekretär Tobias Goldschmidt (v.l.), Detlef Scheel und Benjamin Köneking von der Fehmarn-Energie GmbH sowie Scandlines-Projektmanager Marko Möller.

Energiewende auf Fehmarn: Grüne wollen Hürden abbauen

  • Hans-Jörg Meckes
    VonHans-Jörg Meckes
    schließen

Über das Thema der erneuerbaren Energien diskutierten Fehmarns Grüne im Café liebevoll in Burg mit vier Gästen, die Kurzvorträge hielten. Auch Grünen-Staatssekretär Tobias Goldschmidt war eingeladen.

  • Fehmarn ist heute von 75 Windkraftanlagen geprägt.
  • Reederei Scandlines will 2024 mit emissionsfreier Fähre starten.
  • Energiepolitik stößt bis jetzt immer noch oft an regulative Grenzen.

Fehmarn – Das Thema der erneuerbaren Energien ist ein Dauerbrenner in der politischen Diskussion. Schon lange warnen Wissenschaftler vor den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels. Besonders auf Fehmarn hat das Thema aufgrund seiner geografischen Lage große Bedeutung. In Burg hat deshalb der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen zu einer Vortragsrunde mit dem Grünen-Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Ministerium für Energiewende, Tobias Goldschmidt, sowie Detlef Scheel und Benjamin Köneking von der Fehmarn-Energie GmbH und Scandlines-Projektmanager Marko Möller ins Café liebevoll eingeladen.

Detlef Scheel ging in seinem Vortrag auf die Entwicklungsmöglichkeiten und Zukunftsaussichten der Windenergie auf Fehmarn ein. Während vor 20 Jahren 134 kleine Einzelanlagen die Windenergie auf Fehmarn ausmachten, sei die Insel heutzutage insgesamt von leistungsfähigeren 75 Windkraftanlagen geprägt. „Das ist ein recht beachtlicher Beitrag“, unterstrich Scheel.

Hier würden wir uns als Betreiber ein bisschen mehr Tempo wünschen.

Detlef Scheel, Geschäftsführer Fehmarn-Energie GmbH

Künftige Herausforderungen für ihn als Windparkbetreiber seien vor allem die Genehmigungsverfahren. „Die sind Sache der Länder, hier würden wir uns als Betreiber ein bisschen mehr Tempo wünschen“, sagte Scheel. Auch die Netzanbindung bis nach Göhl sei eine Hürde, die es künftig zu meistern gelte, wenn das bestehende Netz aufgrund von Kreuzungen mit der Deutschen Bahn sowie im Bereich des Fehmarnsunds verlegt werden müsse.

Künftig brauche es für einen stärkeren Beitrag zu erneuerbaren Energien laut Scheel noch viel mehr Windkraft auf Fehmarn. Ebenso hofft er, dass der auf der Insel produzierte Strom künftig auch mehr direkt vor Ort genutzt werden kann. Eine „energieautarke CO2-freie Insel“ wäre der Traum, den sich Scheel in Zukunft wünscht.

Die Idee dabei ist, den Solarstrom mit dem Windstrom doppelt zu nutzen.

Benjamin Köneking, Fehmarn-Energie GmbH

Benjamin Köneking stellte die Planungen für den Solarpark, der auf Fehmarn an der E47 entstehen soll, vor. Dies sei ein Gemeinschaftsprojekt der dortigen Landeigentümer und der SH Netz AG, erklärte Köneking. „Die Idee dabei ist, den Solarstrom mit dem Windstrom doppelt zu nutzen.“ Die hohe Sonneneinstrahlung auf Fehmarn und der Wind würden gute Bedingungen für die Solaranlagen bieten. Es könnten so 30000 Haushalte mit reinem Strom versorgt werden, so Köneking.

Scandlines beleuchtet Verbraucherseite

Scandlines-Projektmanager Marko Möller wandte den Blick von der Produzenten- zur Verbraucherseite und ging dabei auf die emissionsfreie Fähre ein, deren Bau die Reederei beauftragt habe (wir berichteten). Sie soll voraussichtlich Anfang des Jahres 2024 fertig sein. 

„Das ist der Startpunkt einer neuen Schiffsgeneration für die Vogelfluglinie mit Gesamtinvestitionen von mehr als 80 Millionen Euro“, betonte Möller. Es handle sich dabei um eine Frachtfähre. Der Frachtverkehr, so der Projektmanager weiter, sei für Scandlines der Wachstumstreiber, nicht der Personenverkehr.

Die Reederei sei bereit, weiter in den nachhaltigen Ausbau der Fährlinien zu investieren, benötige dafür aber auch Unterstützung aus der Politik. Wichtig sei für Scandlines, künftig im Wettbewerb zur Festen Fehmarnbeltquerung mithalten zu können. Auch die Kosten für den Landstrom müssten für das Unternehmen wirtschaftlich Sinn ergeben. Möller kritisierte vor allem das Stromnetz für die Elektromobilität, das derzeit auf Fehmarn nicht gegeben sei.

Grüne wollen Koalition, die Klimaneutralität will

Tobias Goldschmidt ging auf die Bedeutung der erneuerbaren Energien für die kommenden Koalitionsgespräche nach der Landtagswahl ein. „Die Energiewende ist insgesamt ein Erfolgsprojekt für Schleswig-Holstein“, befand Goldschmidt, der nach der Landtagswahl die Nachfolge von Parteikollege Jan Philipp Albrecht als Umweltminister antreten möchte.

Wir wollen in einer Koalition sein, die Klimaneutralität will. Daran werden wir jeden Koalitionspartner messen.

Staatssekretär Tobias Goldschmidt (Grüne)

Aktuell stoße die Energiepolitik noch oft an Grenzen, weil jeder Energiesektor bis jetzt nur für sich gesehen werde, erklärte der Staatssekretär. „Wir wollen in einer Koalition sein, die Klimaneutralität will“, stellte er klar. 

Staatssekretär Tobias Goldschmidt von den Grünen fand klare Worte im Hinblick auf potenzielle Koalitionspartner in der nächsten Landesregierung.

Eine Aussage zu möglichen Koalitionspartnern hätten die Grünen aber bewusst noch nicht gemacht, so Goldschmidt, der im nächsten Atemzug erklärte, dass er von den Koalitionspartnern auf Landesebene erwarte, dass sie den Kurs unterstützen müssten, die Hürden für erneuerbare Energien auch auf Bundesebene abzubauen. „Daran werden wir jeden Koalitionspartner messen.“ 

Er bezeichnete den Ausbau erneuerbarer Energien in Bezug auf die aktuelle weltpolitische Entwicklung und Deutschlands großer Abhängigkeit vom russischen Gas sogar als Sicherheitspolitik.

Kommentare

Regeln fürs Kommentieren: Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.