Wahrscheinlich acht türkische Seeleute tot beim Schiffsunglück im Fehmarnbelt

Erste Leichen geborgen

Die „Omer N“ vor der dänischen Küste. Wahrscheinlich starben acht türkische Seeleute.

Von Heiko Witt FEHMARN • Die letzte Hoffnung auf Überlebende auf dem am Sonntag im Fehmarnbelt mit elf türkischen Besatzungsmitgliedern gekenterten Frachter „Omer N“ hat sich zerschlagen.

Damit kamen bei dem Unglück wahrscheinlich acht Seeleute ums Leben. Montagnachmittag bargen die Taucher die Leiche der einzigen Frau unter den Besatzungsmitgliedern sowie von zwei weiteren Seeleuten. Vier Seemänner blieben vermisst.

Nachdem dänische und deutsche Taucher in dem vor der Insel Lolland seitlich auf Grund liegenden Schiff weder Klopflaute hörten noch jemanden finden konnten, gab es praktisch keine Hoffnung mehr. Die deutschen Rettungskräfte wurden von den Dänen entlassen, die nun die weiteren Schritte allein einleiteten. Auch der deutsche Seenotrettungskreuzer John T. Essberger trat die Heimreise in den Heimathafen Großenbrode an.

Das Unglück ereignete sich am Sonntag um 15.20 Uhr. In der Nähe des Havaristen befand sich das Bundespolizeischiff „Neustrelitz“ auf Streife. Der Kommandant der Bundespolizei übernahm in Absprache mit der dänischen Einsatzleitung sofort die Aufgabe des Koordinators für den Rettungseinsatz. Die Essberger stieß um 16.35 Uhr hinzu. Bis Montag 10.40 Uhr suchte sie mit anderen Schiffen erfolglos nach im Wasser treibenden Menschen, berichtete Kapitän Mirco Siems dem Tageblatt.

Maschinist der erste Tote

Der 54-jährige Maschinist der „Omer N“ war bereits am Vortag verstorben. Hans-Christian Iversen vom dänischen Seenotrettungsdienst sagte, der Mann sei tot geborgen worden. Ein Pressetext der Bundespolizei erklärt, der Mann sei kurz nach der Bergung verstorben.

Drei junge Männer im Alter zwischen 19 und 24 Jahren überlebten, weil die Besatzung eines in Sichtweite fahrenden russischen Frachters sie nach dem Kentern schnell aus dem zehn Grad kalten Wasser im Belt zwischen dem dänischen Lolland und Fehmarn holen konnte. Sie gaben später an, dass die Mehrzahl der Vermissten wahrscheinlich in ihren Kabinen eingeschlossen war, als das 73 Meter lange Schiff bei relativ gutem Wetter kenterte. Der Frachter hatte Dünger geladen und war auf dem Weg von Danzig nach Nantes.

Am späten Sonntagabend musste die Suche nach den sieben Vermissten wegen aufkommenden Sturms mit hohem Wellengang bis Montagmorgen unterbrochen werden. Danach galt es noch als theoretisch möglich, dass Besatzungsmitglieder mit Sauerstoff in Luftlöchern im Innern des Schiffs am Leben sein könnten. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen beteiligten sich mehr als ein Dutzend deutscher und dänischer Taucher an der erneuerten Suchaktion.

Der Kapitän der Essberger Mirco Siems sagte, dass man seiner Kenntnis nach gestern bestrebt gewesen sei, Tieftaucher für den Einsatz zu finden.

Die Ursache für das plötzliche Kentern des vor 23 Jahren gebauten Schiffes galt auch am Tag nach dem Unglück als völlig ungeklärt. Die Überlebenden schlossen gegenüber den dänischen Behörden eine Verschiebung der Last als Unglücksursache aus. „Bis jetzt könnten wir höchstens raten, und das wollen wir nicht“, sagte der dänische Untersuchungsleiter Lars G. Nielsen.

Das Schiff war 1984 auf der dänischen Nordseewerft in Ringkøbing vom Stapel gelaufen und wurde von einer Reederei in der türkischen Stadt Istanbul betrieben. Nach deutschen Behördenangaben gab es durch das Unglück keinen Austritt von Öl oder anderen Schadstoffen in den Fehmarnbelt.

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