Wasserstoff Ostholstein Förderung
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Minister Jan Philipp Albrecht (2.v.r.) überreicht dem Geschäftsführer vom Windpark Kremsdorf, Volker Friederichsen, den Förderbescheid. V.l.: Oldenburgs Bürgermeister Jörg Saba, Unternehmensberater Hagen Billerbeck, Jens Meyer (EGOH) sowie Gremersdorfs Bürgermeister Henning Pries.

Ab 2024 grüner Wasserstoff

Erstes Wasserstoff-Großprojekt in Ostholstein: Land fördert mit 4,3 Millionen Euro

  • Hans-Jörg Meckes
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In Göhl und Gremersdorf soll ab 2024 grüner Wasserstoff mithilfe des Windparks Kremsdorf produziert werden. 290000 Kilo Wasserstoff sind angepeilt. Investitionssumme für das Projekt: 8,5 Millionen Euro.

  • Grüner Wasserstoff soll in Ostholstein produziert werden.
  • Dank Windpark: Landwirt erhält 4,3 Millionen Euro Landesförderung für Pionierprojekt.
  • Umwelt- und Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) mit positiver Bilanz zum Windenergieausbau in Schleswig-Holstein.

Göhl – Umwelt- und Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) ist begeistert von den Projekten, die derzeit in Schleswig-Holstein angestoßen werden, um erneuerbare Energien zu fördern. Er überreichte gestern einen Förderbescheid über 4,3 Millionen Euro für das erste Wasserstoff-Großprojekt in Ostholstein. In der Gemeinde Göhl im Windpark Kremsdorf möchte Geschäftsführer Volker Friederichsen künftig den Strom, der durch seine Windräder erzeugt wird, zu einem Elektrolyseur weiterleiten, der Wasser durch Elektrolyse in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet. Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft und soll eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen.

Landwirt steigt in die Wasserstoffproduktion ein

Friederichsen ist Landwirt, betreibt Direktvermarktung, hat eine Biogasanlage und einen Windpark. Nun soll die Erzeugung von grünem Wasserstoff hinzukommen. Bei dem Projekt wird er von einer Unternehmensberatungsgesellschaft sowie der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein unterstützt.

Wasserstoff wird es nicht geben ohne Zuschüsse.

Windparkgeschäftsführer Volker Friederichsen

Um das Projekt umzusetzen, musste zunächst ein Wirtschaftsplan aufgestellt werden. „Wasserstoff wird es nicht geben ohne Zuschüsse“, weiß Friederichsen, denn die Abnahmeseite sei langsamer als die Produktionsseite. „Es sind Gelder notwendig, wenn man Wasserstoff wirklich marktfähig machen will.“ Bis zu neun Windkraftanlagen sollen zukünftig für die Wasserstoffproduktion genutzt werden.

Energie produzieren für Mobilität und Wärme

25000 Megawattstunden Strom produziert der Windpark. Die nächste Überlegung war, wie man damit eine vernünftige Auslastung erreichen kann. 4,0 Megawatt sollen es sein, die langfristig für die Umwandlung in Wasserstoff zur Verfügung gestellt werden. Die Idee: Der Elektrolyseur soll im künftigen interkommunalen Gewerbegebiet in Gremersdorf stehen. Der von den Windkraftanlagen erzeugte Strom soll mit einer Direktleitung zum Elektrolyseur transportiert und unter anderem für Wärme und Mobilität genutzt werden. 290000 Kilo Wasserstoff sollen es pro Jahr sein und 6000 Megawattstunden Wärme. Ab spätestens Mitte 2024 soll mit der Wasserstoffproduktion begonnen werden. Auch eine Fläche für eine künftige Wasserstofftankstelle haben sich die Projektbeteiligten bereits im interkommunalen Gewerbegebiet gesichert.

Ich kann nur den Hut ziehen vor dem Unternehmertum des Betriebs.

Jörg Saba, Bürgermeister von Oldenburg

Gremersdorfs Bürgermeister Henning Pries: „Ich bin davon überzeugt, dass hier Synergieeffekte geschaffen werden. Das wird eine Innovation für die ganze Region, und es werden Arbeitsplätze geschaffen.“ Auch Oldenburgs Bürgermeister Jörg Saba lobt das Vorhaben: „Die Chancen, die sich daraus ergeben, sind uns allen bewusst. Ich kann nur den Hut ziehen vor dem Unternehmertum des Betriebs.“

Das ist ein absolutes Pionierprojekt.

Umwelt und Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne)

Ebenso zeigt sich Minister Albrecht vom Projekt angetan: „Das ist ein absolutes Pionierprojekt. Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff wird kommen.“ Ohne den grünen Wasserstoff könnten die Klimaziele nicht erreicht werden, betonte er und lobte, dass der Windstrom relativ nah an den Windkraftanlagen in andere Energieträger umgewandelt werde. „Ich freue mich, dass damit an der Ostseeküste ein neuer Hotspot für grünen Strom, grünen Wasserstoff und eine erfolgreiche Sektorenkopplung entstehen wird.“

Um das Projekt umsetzen zu können, werden 8,5 Millionen Euro investiert. Jetzt steht die Genehmigungsplanung an.

2021 starkes Jahr für Windkraftausbau

Bei seinem Besuch auf Gut Kremsdorf zog Minister Albrecht ein positives Fazit zum Windkraftausbau: „2021 war das zweitstärkste Jahr für den Ausbau der Windkraft in Schleswig-Holstein überhaupt.“ Nur 2014 wurde mehr genehmigt. Die abgeschlossene Regionalplanung Wind und beschleunigte Genehmigungsverfahren haben für einen Schub beim Ausbau gesorgt.

220 neue Windkraftanlagen in 2021 genehmigt

Insgesamt 220 Windkraftanlagen mit 1,05 Gigawatt Leistung seien letztes Jahr durch das Land genehmigt worden, so Albrecht. 2020 waren es 162 Anlagen mit 699 Megawatt Leistung. Im Rekordjahr 2014: 433 neue Windkraftanlagen mit 1,24 Gigawatt Leistung. Derzeit sind rund 3000 Windkraftanlagen landesweit am Netz, die 6,9 Gigawatt erzeugen können. Zusammen mit bereits neu genehmigten Anlagen, die noch nicht in Betrieb genommen wurden, ergibt sich eine Gesamtleistung von 8,7 Gigawatt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, unser selbst gestecktes Ziel von zehn Gigawatt installierter Windkraftleistung an Land im Jahr 2025 zu erreichen“, sagt Jan Philipp Albrecht.

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