Filiale in Landkirchen öffnet heute letztmalig / Verlängerung ins eigene Wohnzimmer

Die etwas andere Post schließt

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„Ein wenig Wehmut besteht schon“: Helga und Carsten Lübke öffnen heute ein letztes Mal ihre Post-Service-Filiale in Landkirchen, die sie über 16 Jahre betrieben haben.

Fehmarn –mb– Eine Postfiliale wie keine andere öffnet heute in Landkirchen ein letztes Mal ihre Türen. Sechzehneinhalb Jahre haben sich Helga und Carsten Lübke nicht nur um den Brief- und Paketverkehr ihrer Kunden gekümmert, sondern immer auch irgendwie eine Verlängerung ins eigene Wohnzimmer angeboten. So habe man auch von Zeit zu Zeit von Gästen der Insel nach Betreten der Filiale die Frage gehört: „Wo ist denn hier die Post?“, muss Helga Lübke schmunzeln.

  • Tolle Gespräche in der Sitzecke
  • Rückzug aus gesundheitlichen Gründen
  • Einigung mit der Deutschen Post
„Am Teppich beginnt der private Bereich“, ergänzt Carsten Lübke und meint damit die Sitzecke vor der blauen Fehmarnwand. „Dort haben die ganzen Jahre tolle Gespräche stattgefunden.“ – Ob zur Motivation, Touristenberatung, Seelsorge oder wirtschaftliche Belange. Aber vor allem seien tiefgehende Freundschaften entstanden, unterstreichen Helga und Carsten Lübke. Beide sind durch und durch kommunikative Menschen. Sie war Beschäftigungstherapeutin, er bei einem großen deutschen Automobilkonzern im Management tätig.

Die Hilfe beim Einpacken des Pakets, einen Kaffee und in Ruhe den Schriftverkehr in der Sitzecke machen – das gehörte bei Lübkes jahrelang zum guten Ton. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass, wenn die Frage „Dienst nach Vorschrift?“ im Raum steht, beide wie aus der Pistole geschossen und bestimmt mit „Nein!“ antworten. Oberstes Ziel sei es immer gewesen, dass die Kunden die Filiale fröhlicher oder zumindest besser gelaunt wieder verlassen, bringt es Carsten Lübke auf den Punkt. Gelebte Praxis, über viele Jahre – davon zeugt auch ein Gästebuch. Geschichten sprechen Bände, die beginnen mit: „Ich wollte eigentlich nur zwei Briefmarken kaufen [...] war aber den halben Vormittag da, in dieser gemütlichen Stube. Ich wurde hier ganz gut unterhalten.“

Entscheidung zum Rückzug fiel Ende 2019

Eigentlich sollte schon vor vier Jahren Schluss sein, als Helga Lübke in den Ruhestand ging. „Wir haben uns also schon vorher mit dem Gedanken getragen, trotzdem weitergemacht und auch auf volle 20 Jahre spekuliert“, erinnern sich beide. Die Entscheidung zum Rückzug habe dann aber aus gesundheitlichen Gründen Ende des letzten Jahres ganz konkrete Züge angenommen. „Ein wenig Wehmut besteht schon“, gibt das Ehepaar zu. „Wir danken unseren treuen Kunden von Fehmarn und auch den Touristen, die zu uns gekommen sind.“

Dass man sich am Ende ganz unkompliziert und einvernehmlich mit der Deutschen Post einigen konnte, sei auch Uwe Ziegenhagen, dem zuständigen Gebietsbetreuer, zu verdanken gewesen, bekräftigt Carsten Lübke und erzählt noch die kleine Anekdote, wie er seiner Frau eine Stunde abringen konnte, um erst um 9 Uhr öffnen zu müssen. „Ich glaube, dass ist in Deutschland ziemlich einmalig“, so Lübke, während seine Frau zustimmend lächelt.

Dennoch längst nicht das Entscheidende, was vielen Kunden in Erinnerung bleiben wird, wenn sie an ihre ganz persönlichen Begegnungen in der Post-Service-Filiale im Kirchblick 8A zurückdenken werden.

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